Allianz profitiert von US-Steuerreform

Während die Deutsche Bank leidet, herrscht beim deutschen Versicherungskonzern eitel Freude. Die Steuerreform beschert den Münchenern 2018 Sondereinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe.


Oliver Bäte hat es kommen sehen. „Die geplante Senkung der Unternehmenssteuern in den USA wäre für uns gut, weil wir dort sehr viel Steuern zahlen“, sagte der Allianz-Konzernchef zur Regentschaft des neuen Präsidenten Donald Trump schon im Januar 2017 voraus. Ein Jahr später ist aus der Prognose Gewissheit geworden. Während die US-Steuerreform bei der Deutschen Bank tiefe Kratzer hinterlässt, dürfen die Manager von Europas größtem Erstversicherer in München frohlocken.

Im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2017 belastet die Reform zwar kurzzeitig die Kassen, wie aus einer Präsentation des Konzerns vor Investoren in New York hervorgeht. Doch ab dem laufenden Jahr rechnet der Dax-30-Konzern wegen der Umstellung mit einem positiven Sondereffekt von rund 400 Millionen Dollar an jährlichen Steuereinsparungen.

Ein Füllhorn namens US-Steuerreform. Die Allianz reiht sich damit in die Riege der Profiteure unter den großen deutschen Unternehmen ein. Zuvor hatten schon die deutschen Autobauer Daimler und BMW angekündigt, mit Sondergewinnen in Milliardenhöhe wegen der Steuerreform des US-Präsidenten zu rechnen. Für das zu Ende gehende Geschäftsjahr 2017 werde der Konzerngewinn deutlich höher ausfallen als bisher angenommen, teilten Daimler und BMW schon Ende Dezember, wenige Stunden nach der Unterzeichnung der Trumpschen Steuerreform, mit. Weil der Steuersatz für Unternehmen ab 2018 von bisher 35 auf 21 Prozent sinkt, haben sowohl Daimler als auch Rivale BMW die bereits in der Bilanz berücksichtigten künftigen Steuerforderungen und -verbindlichkeiten neu bewertet.

Trump hatte das Gesetz Ende vergangenen Jahres unterzeichnet -und sprach von einem Gesetz „für die Mittelschicht und für Jobs“ und der „größten Steuerreform aller Zeiten“. Das Gesetz über Steuererleichterungen im Umfang von 1,5 Billionen Dollar ist der bisher weitaus größte Erfolg für Trump und die Republikaner. Kern ist eine massive Senkung der Ertragsteuer für Unternehmen von bisher 35 auf 21 Prozent von 2018 an.

Ein Schritt, von dem nun auch die Allianz langfristig profitiert. Vor allem wegen einmaliger ungünstiger Auswirkungen werde im abgelaufenen Jahr zwar eine Belastung von rund 200 Millionen Dollar entstehen, heißt es in der Investorenpräsentation, die dem Handelsblatt vorliegt. Ab dem Jahr 2018 und in folgenden Jahren dürfte sich jedoch ein positiver Effekt von ungefähr 400 Millionen Dollar an jährlichen Steuereinsparungen ergeben, schätzen die Münchener. Einziger Schönheitsfleck: Auch die Solvenzquote des Konzerns dürfte deswegen leicht zurückgehen. Der Rückgang sei jedoch „sichtbar, aber minimal“.

Die Allianz steht damit in deutlichem Kontrast zu großen deutschen Finanzinstituten. So brockt die US-Steuerreform unter Präsident Donald Trump der Deutschen Bank einen Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr ein. Im vierten Quartal 2017 werde das Konzernergebnis durch die Gesetzesänderung um 1,5 Milliarden Euro gedrückt, teilte die Bank kürzlich mit.

Daher erwartet die Bank für das Gesamtjahr 2017 einen geringen Nettoverlust. Vor Steuern werde das Ergebnis positiv sein, hieß es weiter. Zudem kündigte Deutschlands größte Bank ihren Investoren ein schwaches viertes Quartal an. Grund für den Rückschlag sind Bilanzeffekte. Sorgen, die sich Allianz-Boss Bäte nicht machen muss. Der Konzern geht davon aus, im Jahr 2017 einen operativen Gewinn von 10,3 bis 11,3 Milliarden Euro eingefahren zu haben.