Allianz investiert in Telemedizin


Die Meldung von Ende November war kurz und unspektakulär. Und sie barg doch einen radikalen Kurswandel: Der Aufbau neuer Unternehmen in einer frühen Entwicklungsphase werde aufgegeben, hieß es da von Allianz X, der digitalen Investment-Einheit des Versicherers. „Stattdessen fokussiert sich Allianz X nunmehr auf Investments in Digitalinitiativen mit strategischer Relevanz für Allianz“, so die offizielle Mitteilung. Statt selbst zu brüten, wird künftig also nur noch investiert.


Gleich zu Beginn des neuen Jahres folgt nun die erste Erfolgsmeldung. Insgesamt 59,2 Millionen Dollar investiert Allianz X in die Telemedizin-Plattform American Well aus Boston, meldete der Versicherer am Montagnachmittag. Deren Ansatz symbolisiert die deutliche Veränderung, die sich gerade in den USA seit geraumer Zeit im Medizinsektor abspielt und die von dort aus ihren Weg quer über alle Länder machen soll.


Demnach suchen Patienten nicht mehr die Praxis eines Arztes oder Spezialisten in ihrer Nähe auf, sondern lassen sich per Video dort in die Praxis zuschalten, die oft mehrere hundert Kilometer entfernt liegt. American Well sorgt für die gesicherte Verbindung. In den Vereinigten Staaten nutzen bereits Millionen Patienten dieses System. Sensoren zur Überwachung des Gesundheitszustandes sind dabei mittlerweile genauso Standard wie die virtuelle Sprechstunde.


„Die digitale Entwicklung der globalen Gesundheit ist eine große Aufgabe, und wir wissen, dass wir diese nicht alleine erreichen können“, ist sich Ido Schoenberg, Vorstandschef von American Well, sicher. Auf der Gegenseite freut sich Solmaz Altin, der Digital-Chef der Allianz, über einen besseren Zugang, niedrigere Kosten und eine bessere vernetzte Versorgung für die Millionen Kunden in der eigenen Krankenversicherungs-Sparte. Gemeinsam wollen der Versicherer und das amerikanische Technologieunternehmen in Zukunft digitale Gesundheitslösungen entwickeln. Kernidee dahinter ist, dass alle Menschen weltweit irgendwann die gleiche Möglichkeit zum Zugang zu hochwertiger Medizin haben.


Für den weltweit zweitgrößten Versicherer Allianz sind Investitionen in dieser Größenordnung keine allzu große Herausforderung. Wichtig ist der perspektivische Ansatz. Für Konzern-Chef Oliver Bäte geht es dabei indes um zweierlei. Zum einen will er den 128 Jahre alten Konzern, der lange Zeit als behäbig galt, zu einem kundenzentrierten Unternehmen umbauen. Zum anderen gilt der Bereich „E-Health“ als gewaltiger Wachstumsmarkt mit immensen Chancen in der Zukunft. Der Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen sei auch wegen seiner psychologischen Wirkung ein Segen für die Kunden, sagte Bäte vor geraumer Zeit in einem Interview.