Alles Wissenswerte zur Bundestagswahl

Wussten Sie, dass die Zahl der Abgeordneten im Parlament nach jeder Wahl unterschiedlich sein kann? Und wozu dienen Erst- und Zweitstimme? Können wir den Umfragen Glauben schenken?

Wann wird gewählt?

Deutsche Wähler wählen am Sonntag, den 24. September den 19. Bundestag.

Wann sind die Wahllokale offen?

Von 8.00 bis 18.00 Uhr können Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben.

Wer wählt?

Etwa 61,5 Millionen deutsche Staatsbürger über 18 Jahren sind stimmberechtigt. Nach offiziellen Zahlen sind das 400.000 Wähler weniger als im Jahr 2013.

Insgesamt sind von den Wahlberechtigten etwa 29,9 Mio. männlich, 31,7 Mio. weiblich und drei Millionen Erstwähler.

Eine Wahlpflicht gibt es in Deutschland nicht.

Die Wähler geben ihre Stimme an ihrem Hauptwohnsitz ab. Die Gemeinde sendet einen Brief an alle Wahlberechtigten mit einer Einladung zur Abstimmung (Wahlbenachrichtigung). Auch das Wahllokal ist hier angegeben.

Etwas mehr als sechs Wochen vor der Abstimmung waren doppelt so viele “Auslandsdeutsche” registriert (verglichen mit 2013).

Warum zwei Kreuze?

Jeder Wähler kann auf seinem Wahlzettel zwei Kreuze machen, eines für die Erststimme und ein anderes für die Zweitstimme.

Mit der Erststimme entscheiden Wahlberechtigte über einen Direktkandidaten aus ihrem Wahlkreis. Deutschland ist in 299 Wahlkreise unterteilt, das heißt die 299 Abgeordneten mit den meisten Stimmen in ihrem Wahlkreis kommen mit einem sogenannten Direktmandat ins Parlament.

So wird sichergestellt, dass alle Regionen im Bundestag vertreten sind.

Die Zweitstimme entscheidet darüber wie viele Sitze eine Partei im Bundestag bekommt. Mit ihr werden also die Mehrheitsverhältnisse bestimmt.

Wähler stimmen hier nicht direkt über einen Kandidaten ab, sondern wählen eine Landesliste einer Partei. Auf ihr sind die Personen gelistet, die für die Partei in den Bundestag ziehen. Je weiter oben auf einer Landesliste, desto wahrscheinlicher ist es für den Kandidaten, dass er oder sie in den Bundestag einzieht.

Anders als der Name vermuten lässt, ist die Zweitstimme daher die wichtigere Entscheidung.

Bei Erst- und Zweitstimme kann man auch von Personen- und Parteienstimme sprechen.

Wie werden die Sitze im Bundestag vergeben?

Von den 589 Sitzen gehen 299 an die Direktkandidaten aus den Wahlkreisen. Wie viele Sitze eine Partei insgesamt bekommt hängt von der Menge der Zweitstimmen ab. Erhält eine Partei 23 Prozent der Zweitstimmen, hat sie ein Anrecht auf 23 Prozent aller 589 Sitze.

Hat eine Partei mehr Direktmandate als ihr anteilig Sitze über die Zweitstimme zustehen, nennt man diese zusätzlichen Sitze Überhangmandate. Um das Verhältnis zu den anderen Partei beizubehalten, werden für letztere sogenannte “Ausgleichsmandate” geschaffen.

Das ist der Grund, aus dem der letzte Bundestag 630 Abgeordnete zählte.

In diesem Fall käme kein Kandidat von der Landesliste ins Parlament.

Stimmensplitting

Laut Wahlstatistik vergeben immer mehr Wähler ihre zwei Stimmen unterschiedlichen Parteien. Das ist erlaubt, denn die Erst- und Zweitstimmte sind nicht miteinander verknüpft.

So beeinflusst der Wähler die personelle Besetzung einer Partei, die er oder sie nicht (mit der Zweitstimme) gewählt hat.

Ob eine Partei von Stimmensplitting profitert, hängt davon ab, wie aussichtsreich der Direktkandidat ist.

Fünf-Prozent-Hürde

Nur eine Partei, die mehr als fünf Prozent der Zweitstimmen oder drei Direktmandate gewinnt, darf in den Bundestag einziehen.

Sind die Deutschen fleißige Wähler?

Bei der vergangenen Wahl lag die Beteiligung bei 71,1 Prozent. Seit 1998 sinkt die Zahl damit beständig – damals hatte 82,2 Prozent der Wähler von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Die höchste Wahlbeteiligung gab es im Jahr 1972 mit 91,1 Prozent!

Wer wählt den Kanzler oder die Kanzlerin?

Der Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin werden von den Abgeordneten des Bundestags in einer geheimen Wahl bestimmt. Um in der ersten Runde zu gewinnen, braucht diese Person eine absolute Mehrheit.

Kann man den Umfragen trauen?

Bei den vergangenen zwei Bundestagswahlen (2009 and 2013) waren die Schätzungen zum Ausgang der Wahl relativ nah am Endergebnis. Die beiden zuverlässigsten Umfrageinstitute waren dabei das Institut für Meinungsforschung Allensbach sowie Emnid. Sie sagten das Wahlergebnis mit einer Abweichung von 1 bis 2 Prozentpunkten voraus.