Alles, was Sie über den Facebook-Skandal wissen müssen (und warum dieser so bedeutend ist)

Die User fragten: „Wo ist Mark?“, als immer mehr Details des Skandals bekannt wurden.

Facebook musste diese Woche weltweit Kritik einstecken und das hatte mit einem Datenunternehmen zu tun, dessen CEO damit angab, er habe Donald Trump geholfen, 2016 die Wahl zu gewinnen.

Das Unternehmen, Cambridge Analytica, nutzte laut einem Whistleblower aus der Firma angeblich Daten von 50 Millionen Facebook-Profilen.

Diese Nachricht, die vom Guardian, Channel 4 und weiteren Medien verbreitet wurde, schlug weltweit Wellen.

Bisher sorgte der Skandal für einen Wertverlust der Facebook-Aktie in der Höhe von $50 Mrd. (40 Mrd. Euro) – und hat die weltweite Kampagne #deletefacebook hervorgerufen, da die Nutzer sich über die Verwendung ihrer Daten Sorgen machen.

Hier ist alles, was Sie zu Cambridge Analytica, Donald Trump und Facebook wissen müssen.

Was sind die Anschuldigungen gegen Cambridge Analytica?

Alexander Nix

Im Zentrum des Skandals stehen Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern, die 2013 gesammelt wurden und die laut Anschuldigungen eines Whistleblowers von Cambridge Analytica, Christopher Wylie, dazu genutzt wurden, um amerikanische Wähler 2016 gezielt zu beeinflussen.

Führungskräfte des Unternehmens wurden auch heimlich gefilmt, wie sie behaupteten, sie hätten „die Wahlen für Trump gewonnen” und wie sie damit prahlten, Bestechungen und Erpressungen bei Wahlen rund um den Globus einzusetzen.

Cambridge Analytica nutzte die Daten angeblich, um personalisierte Werbeanzeigen zu schalten (also solche, die niemand anderer sehen kann), um Wähler zu überzeugen, Trump zu wählen.

Das Problem ist die Herkunft der Daten: Sie wurden über einen Persönlichkeits-Fragebogen von Cambridge-Forscher Aleksandr Kogan gesammelt und dann an Cambridge Analytica weitergegeben.

Facebook sagt, er habe die Datenschutzrichtlinien verletzt, indem er die Daten an Cambridge Analytica weitergab.

Cambridge Analytica wies die Anschuldigungen zurück.

Weswegen wird Facebook beschuldigt?

Facebook behauptet, das Opfer in diesem Fall zu sein und sagt, dass Vorstände darin „getäuscht“ wurden, wie die Daten genutzt werden sollten.

Aber der Skandal brachte ans Licht, wie viele Daten Facebook von seinen Nutzern sammelt und wie sie für politische Zwecke eingesetzt werden können.

Politiker in Amerika, Europa und Großbritannien fordern eine Untersuchung – und manche setzen sich für schärfere Regulierungen ein, wie soziale Netzwerke Nutzerdaten verwenden.

Theresa Mays Sprecher sagte: „Es ist wichtig, dass die Leute sichergehen können, dass ihre persönlichen Daten geschützt und angemessen verwendet werden.“

„Es stimmt, dass der Datenschutzbeauftragte diese Angelegenheit untersucht und wir erwarten, dass Facebook, Cambridge Analytica und alle beteiligten Organisationen vollumfänglich kooperieren.“

Wie konnten mit dem Fragebogen 50 Millionen Nutzerdaten abgeschöpft werden?

Cambridge Analytica

Die App griff nicht nur auf die Informationen der 237.000 Nutzer zu, die den Fragebogen ausfüllten, sondern auch auf jene ihrer Freunde – was dazu führte, dass Daten von bis zu 50 Millionen Menschen ausgelesen wurden.

Zu diesem Zeitpunkt war dies laut den AGBs von Facebook erlaubt und die App war eine von Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden, die auf diese Art und Weise Daten auslas.

Exklusiv: Aleksandr Kogan, der Datenwissenschaftler, der mit Cambridge Analytica zusammenarbeitete, um die Daten auszulesen, sagt @AndersonCooper, er wusste nicht, dass sie die Daten einsetzen würden, um Wähler zu beeinflussen. Das ganze Interview heute Abend um 21 Uhr ET, auf CNN.

Facebook änderte 2014 seine Regeln, um Apps davon abzuhalten, Daten von „Freunden“ auszulesen: Jetzt dürfen Apps nur Profile der Leute „lesen“, die sie tatsächlich nutzen.

Warum sind Facebook-Daten in der Politik so nützlich?

Der ehemalige Berater des US-Präsidenten Steve Bannon ist ein ehemaliges Vorstandsmitglied von Cambridge Analytica.

Facebook-Daten umfassen riesige Mengen an Informationen über Menschen – zum Beispiel wo sie wohnen, ihr Alter, ihre Freunde, ihre Ausgaben und Produkte, die sie mögen.

Sie umfassen auch Wörter, die Nutzer zum Beispiel in Privatnachrichten verwendet haben.

Diese Informationen können genutzt werden, um Wählern „personalisierte” Anzeigen zu präsentieren: Anzeigen, die nur sie sehen können, genau zugeschnitten auf ihre Einstellungen.

Facebook-Daten können mit Daten von Wählerverzeichnissen kombiniert werden und um Profile tatsächlicher Wähler zu erstellen – inklusive ihrer „Likes“ und Dingen, die sie nicht mögen.

Cambridge Analytica Whistleblower Christopher Wylie sagte, dass er bereits 2014 mit Trump-Teammitgliedern wie Steve Bannon sprach.

Wylie behauptet, das Unternehmen entwickelte eine Software, um die Entscheidung der Menschen an der Wahlurne vorherzusagen und um zu beeinflussen, wie sie wählen würden.

Wie wurde dies angeblich in Trumps Wahlkampf eingesetzt?

Wie beeinflusste Cambridge Analytica die Wahl?

Die 50 Millionen Profile, die Cambridge Analytica angeblich erhielt, repräsentierten fast ein Viertel aller potenziellen amerikanischen Wähler.

Die Daten wurden angeblich, gemeinsam mit anderen Daten, die von anderen Quellen gekauft wurden, für den „psychografischen“ Einsatz von Anzeigen eingesetzt.

Aufnahmen, die von Channel 4 mit versteckter Kamera gemacht wurden, zeigten Führungskräfte von Cambridge Analytica, die sagen, dass die Daten verwendet wurden, um „nicht zuordenbare und nicht zurückverfolgbare“ Videoanzeigen zu schalten.

Eine leitender Angestellter sagte: „Wir haben die Informationen einfach in den Kreislauf des Internets eingespeist und dann zugesehen, wie sie wuchsen, ab und zu ein kleiner Anstoß hier und da und im Lauf der Zeit nahmen sie Form an.

„Und so infiltriert dieses Zeug die Online-Community, aber ohne Branding, so ist es nicht zuordenbar und nicht zurückverfolgbar.“

Cambridge Analytica Führungskräfte wurden gefilmt, wie sie behaupteten, die Anzeigen wurden gezielt eingesetzt, um sicherzustellen, dass Trump gewinnt.

Chief Data Officer Alex Tayler sagte: „Wenn man bedenkt, dass Donald Trump drei Millionen Wählerstimmen weniger hatte, aber mehr Wahlmänner für ihn stimmten, dann liegt das an Daten und Erhebungen.“

Was sagt Cambridge Analytica?

Alexander Nix, der CEO von Cambridge Analytica (CA), verlässt die Büros im Zentrum Londons. (Dominic Lipinski/PA via AP)

Cambridge Analytica hat jegliches Fehlverhalten abgestritten und sagte, dass es die Facebook-Daten löschte, als man erkannt hatte, dass diese Datenschutzgesetze verletzten.

Das Unternehmen nennt Christopher Wylies Anschuldigungen „falsch” und behauptet, er war ein Vertragspartner, nicht Gründer des Unternehmens.

Die Firma suspendierte CEO Alexander Nix nach der Veröffentlichung der geheim gemachten Videoaufnahmen, die ihn zeigten, wie er behauptete, die Wahl für Donald Trump gewonnen zu haben.

Das Unternehmen sagt: „Der Vorstand von Cambridge Analytica hat heute bekanntgegeben, dass er CEO Alexander Nix mit sofortiger Wirkung suspendiert hat und es eine vollumfängliche, unabhängige Untersuchung geben wird.

„In den Augen des Vorstands repräsentierten die von Herrn Nix vor Kurzem von Channel 4 geheim aufgezeichneten Äußerungen und andere Anschuldigungen nicht die Werte oder Vorgehensweisen des Unternehmens und seine Suspendierung unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der wir diesen Verstoß sehen.“

Was sagt Facebook?

Facebook sagte in einer Stellungnahme: „Das gesamte Unternehmen ist empört darüber, dass wir getäuscht wurden. Wir setzen und dafür ein, unsere Richtlinien entschieden durchzusetzen.“

Was sagt Mark Zuckerberg?

Facebook CEO Mark Zuckerberg

Zuckerberg äußerte sich – verspätet – am Mittwochabend öffentlich zu dem Vorfall, gestand Fehler ein und beschrieb die Schritte, um Nutzerdaten besser zu schützen.

Er sprach nach mehr als vier Tagen des Schweigens und postete ein Update, in dem er schrieb, sein Unternehmen hat eine „Verantwortung“, die Daten seiner Nutzer zu schützen und „wenn wir es nicht können, dann haben wir es nicht verdient, euch zu dienen.“

Sein langes Schweigen hat User dazu veranlasst zu fragen: „Wo ist Mark?“

Das Unternehmen hatte zuvor in einer Stellungnahme gesagt: „Mark, Sheryl und ihre Teams arbeiten rund um die Uhr daran, alle Fakten zusammenzutragen und werden angemessene Maßnahmen in die Wege leiten, denn sie verstehen die Ernsthaftigkeit dieses Problems.“

Was kann ich tun, um meine Daten zu schützen?

Eine Kampagne namens „Delete Facebook”, also Facebook löschen, macht seit den Enthüllungen um Cambridge Analytics im Internet die Runde.

Der Cambridge Analytica Skandal dreht sich um private Daten, die von einer App ausgelesen wurden – und Sie können kontrollieren, wie Apps Ihre Daten auf Facebook nutzen.

Gehen Sie rechts oben auf das Menü-Icon (bei der Desktop-Version von Facebook), klicken Sie dann auf Einstellungen und dann auf „Apps“.

Sie sehen dann eine Liste aller Apps, denen Sie Zugriff gewährt haben (zum Beispiel Facebook Tests oder Handy-Apps, bei denen Sie sich mit Ihren Facebook-Daten angemeldet haben).

Rob Waugh