"Alles kompliziert" - Abstellungspflicht spaltet die Bundesliga

SID
·Lesedauer: 4 Min.

Die Bundesliga ist gespalten.

Fast jeder Klub muss mit anderen Richtlinien klarkommen: Das Thema Abstellungspflicht für Länderspiele in Risikogebieten hat die Klubs voll erfasst. Da es nach wie vor bundesweit keine einheitliche Regeln gibt, wird die Bundesliga in der kommenden Woche wieder zu einem Flickenteppich.

Werder Bremen und Arminia Bielefeld haben bereits erklärt, dass sie keine Spieler zu ihren Nationalteams in Risikogebieten ziehen lassen wollen. Laut FIFA-Regularien sei dies möglich, wenn eine zwingende Quarantäne von fünf Tagen notwendig ist und die zuständige Behörde keine Ausnahmereglung erteilt. Das ist in Bremen so, die Gesundheitsbehörde schreibt eine Quarantäne vor.

Flick: "Jeder einzelne geht gerne zu den Nationalmannschaften"

In anderen Bundesländern sind die Vorgaben anders, wie genau, das wussten am Freitag nicht alle Bundesliga-Trainer. "Das hängt vom Gesundheitsamt in Hessen ab", sagte Frankfurts Coach Adi Hütter. Grundsätzlich mache eine Abstellung keinen Sinn, wenn die Spieler anschließend in Quarantäne müssten. "Aber die Regelung in Bremen ist da wohl etwas anders als bei uns", so Hütter.

Zudem erlässt der Bund ab dem 8. November eine neue Musterquarantäne-Verordnung, nach der man sich bei Rückkehr aus dem Risikogebiet mit einem negativen Test die Quarantäne nicht mehr automatisch sparen kann. Inwieweit die Länder dem Muster dann folgen, ist noch offen.

Bei Branchenführer Bayern München hat Trainer Hansi Flick auch noch nicht den kompletten Überblick. "Wir sind dabei, Informationen von den Nationalverbänden zu sammeln. Aber im Moment sieht es so aus, dass wir alle gehen lassen", sagte Flick, der weiß: "Jeder einzelne geht gerne zu den Nationalmannschaften und spielt gerne für sein Land."

Borussia Dortmund stehe in der Thematik "mit den verschiedensten Institutionen im Austausch, mit lokalen Behörden, DFL und DFB", erklärte Sportdirektor Michael Zorc. Der Stand sei, es werde sich nichts an der Regelung ändern, dass "Berufssportler danach nicht in Quarantäne gehen müssen. Also besteht eine Abstellungspflicht", sagte Zorc.

Schalkes Trainer Manuel Baum gibt sich da nicht so tolerant. "Wir hätten gerne alle Spieler bei uns", sagte der Coach. "Aber die Regularien sind Ländersache, wenn ich das richtig verstanden habe", ergänzte Baum. Der Coach wisse auch, dass die Jungs gerne fahren, wenn die Nationalteams rufen, aber "die Situation ist aktuell nicht einfach."

In Bremen hat das Gesundheitsamt auch für die Profis klar eine Quarantäne nach Rückkehr aus einem Corona-Risikogebiet vorgegeben. "Wir haben mit unseren Spielern und den Verbänden gesprochen", sagte Sportdirektor Frank Baumann. Man wisse, wie gerne die Spieler zu ihren Teams reisen. "Allerdings können wir das Risiko vor dem Hintergrund der Gesamtsituation nicht eingehen", meinte Baumann.

Nagelsmann: "Ich freue mich für die"

Das findet RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann nicht so dramatisch, auch wenn er seine Spieler zu den Länderspielen ziehen lässt und mit ihnen nicht so intensiv trainieren kann wie Florian Kohfeldt in Bremen. Eine Wettbewerbsverzerrung befürchtete Nagelsmann deshalb nicht und meinte: "Die können das ganze Jahr trainieren, können es auch jetzt machen. Ich freue mich für die."

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Für TSG Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß ist die Debatte ein "diffiziles Thema". Man habe da im Kraichgau kaum Möglichkeiten der Einflussnahme. "Alle die gesund sind, werden abgestellt. Wir haben da leider überhaupt keine Handhabe. Es ist alles sehr kompliziert", erklärte Hoffenheims Coach.

Besonders prekär ist Fall Andrej Kramaric. Der Torjäger hatte sich auf der letzten Länderspielreise der Kroaten mit Corona infiziert, fehlte dem Klub. Nun forderte Kroatien seinen Stürmer für die Länderspiele in der Türkei, in Schweden und gegen Portugal wieder an. Letztendlich wird wohl der Gesundheitszustand entscheiden. Hoeneß: "Wir sind da in Absprache mit den Spielern und den Verbänden und werden nur Dinge tun, die auch Sinn machen."

Was die deutschen Nationalspieler angeht, hat der Deutsche Fußball-Bund die Schutzmaßnahmen für den anstehenden Länderspiel-Dreierpack der Nationalmannschaft intensiviert. Vor allem für das abschließende Gruppenspiel in der Nations League am 17. November im spanischen Sevilla gelten besondere Vorgaben, weil Spanien vom Auswärtigen Amt unverändert als Risikogebiet eingestuft wird.

Unmittelbar vor dem Abflug als auch unmittelbar nach der Landung sind Testungen vorgesehen, sodass alle Beteiligten die 48-Stunden-Frist wahren und - ein negatives Testergebnis vorausgesetzt - sich "nach der Rückkehr nach Deutschland grundsätzlich nicht in Quarantäne begeben müssen", teilte der DFB mit.