Alles, was du über die Legalisierung von Cannabis in Kanada wissen musst

Motley Fool Investmentanalyst

Nach jahrelangen Diskussionen und Versprechungen von Premierminister Justin Trudeau, dass Marihuana für Erwachsene bald käuflich zu erwerben sein wird, ist aus dem Vorhaben nun Wirklichkeit geworden.

Am Dienstag, den 19. Juni, hat der kanadische Senat zum zweiten Mal über die Bill C-45 abgestimmt, auch als Cannabis Act bekannt. Ergebnis: 52 Ja-Stimmen, 29 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Zuvor schon hatte das Unterhaus am 7. Juni bereits seine eigene Version des Gesetzes verabschiedet. Damit geht der Cannabis Act nun zur Zustimmung der Krone über. Jetzt muss nur noch ein offizielles Datum zur Legalisierung gewählt werden.

Was bedeutet das alles für kanadische Investoren und Cannabis-Aktien? Schauen wir uns das mal an.

Ist Cannabis jetzt in Kanada legal?

Technisch gesehen, nein, aber es wird es sehr bald sein. Medizinisch verwendetes Marihuana ist in Kanada bereits seit 2001 legal, und da der Cannabis Act verabschiedet wurde, ist es nur eine Frage von Wochen, bis Cannabis offiziell zum Kauf zugelassen ist.

Wann wird Marihuana für Erwachsene käuflich zu erwerben sein?

Entsprechend Aussagen vom kanadischen Gesundheitsminister Ginette Petitpas Taylor im Februar, wird ein Verkauf wohl erst acht bis 12 Wochen nach der Zustimmung der Krone beginnen. Allerdings hat die kanadische Regierung vor kurzem angekündigt, den 17. Oktober dafür vorgesehen zu haben. Taylor sagte in einem Bericht von Reuters: „Von Kanadas Provinzen hieß es, dass sie 8 bis 12 Wochen nach der Verabschiedung des Gesetzes für vorbereitende Aktivitäten benötigen, etwa den Transport von Produkten von lizenzierten Herstellern zu Vertriebs- und Einzelhandelsgeschäften.“

Was ist nach dem Cannabis-Gesetz legal und was nicht?

Laut Gesetz dürfen Erwachsene über 18 Jahre Cannabis kaufen und bis zu 30 Gramm getrocknetes Cannabis für den Eigenbedarf besitzen. Bis jetzt ist noch keine Entscheidung bei essbarem Marihuana getroffen worden, obwohl man sich demnächst damit beschäftigen wird.

Ebenso gibt es strenge Gesetze, die den Verkauf von Cannabis an Minderjährige regeln. Diejenigen, die für schuldig befunden wurden, Cannabis an Personen unter 18 Jahren zu verkaufen, könnten bis zu 14 Jahre im Gefängnis verbringen.

Man muss darauf hinweisen, dass noch einiges auf Seiten der Gesetzgebung zu regeln ist. Insbesondere Rechtsvorschriften, die den Strafverfolgungsbehörden zusätzliche Befugnisse zur Durchführung von beeinträchtigten Fahrprüfungen für Personen, die unter dem Verdacht stehen, unter dem Einfluss von Marihuana zu fahren, gewähren würden, müssen noch verabschiedet werden.

Ist die Legalisierung in allen Provinzen Kanadas gleich?

Nein. Ähnlich wie bei den Bundesstaaten der USA, haben Provinzen auch die Möglichkeit, Cannabis zu regulieren, wie sie es für richtig halten. Obwohl der Cannabis Act es Erwachsenen über 18 Jahren erlaubt, Cannabis legal zu kaufen, hat jede Provinz mit Ausnahme von Alberta das gesetzliche Alter auf 19 Jahre und älter festgelegt. Darüber hinaus hat sich Saskatchewan dafür entschieden, nur private Einzelhändler und Online-Verkäufe zuzulassen, während die meisten anderen Provinzen staatlich betriebene Einzelhandelsstandorte und Online-Verkäufe zulassen.

Wie wird der Verkauf besteuert?

Legal käufliches Marihuana wird mit 1 kanadischen Dollar pro Gramm auf Cannabis, das bis zu CA$10 pro Gramm kostet, besteuert. Bei teureren Cannabissorten beträgt die Steuer pauschal 10 %. Verglichen mit der Alkoholsteuer in Kanada, die von etwa 50 % auf Bier bis zu 80 % auf reinen Alkohol reicht, haben es die Cannabiskonsumenten (und die ganze Branche) relativ leicht.

Wie funktioniert die Besteuerung zwischen den Provinzen und der Landesregierung?

Im Dezember 2017 hat die kanadische Bundesregierung mit allen Provinzen außer Manitoba ein zweijähriges Abkommen über die Aufteilung der Steuern ausgearbeitet, das dazu führen wird, dass 75 % der eingenommenen Verbrauchsteuereinnahmen an die einzelnen Provinzen und die restlichen 25 % an die Bundesregierung gehen, und das bis zu einem Betrag von 100 Millionen kanadische Dollar pro Jahr. Würde die Steuererhebung diesen Betrag übersteigen, würden die Provinzen 100 % des Überhangs erhalten. Da die Provinzen an vorderster Front der Cannabis-Regulierung stehen, macht dieser Ansatz Sinn.

Wie viel Marihuana werden die Kanadier wohl kaufen?

Das sind nur Schätzungen, weil kein Erste-Welt-Land überhaupt zuvor Marihuana legalisiert hat. Während eine Reihe früher Berichte eine jährliche Nachfrage von rund 800.000 Kilogramm Cannabis schätzen, deutet eine neuere Schätzung von Health Canada darauf hin, dass Kanadier etwa 1 Million Kilogramm Cannabis jährlich kaufen könnten.

Wird es ein Unter- oder Überangebot geben?

Zunächst geht man davon aus, dass Kanada mit einem Cannabis-Mangel konfrontiert wird. Trotz der raschen Kapazitätserweiterung durch die Landwirte des Landes erfordern der Bau oder die Nachrüstung von Gewächshäusern, der Anbau und die Ernte viel Zeit und Geld. Die meisten Landwirte haben für ihre wichtigsten Projekte, die zwischen dem Sommer 2018 und dem Ende des Jahres 2020 liegen, gestaffelte Fertigstellungstermine.

Wie werden sich die kanadischen Landwirte auf das Überangebot einstellen?

Obwohl der kanadische Markt durch die Legalisierung jährlich Milliardenbeträge einbringen wird, müssen die Landwirte einen Weg finden, das Überangebot loszuwerden. Deswegen konzentrieren sie sich auf die mehr als zwei Dutzend ausländischen Märkte, wo medizinisch verwendetes Marihuana legalisiert wurde. Diese Länder, auch Deutschland, benötigen Länder wie Kanada, um Cannabis zu importieren.

Geht es bei der Legalisierung von Cannabis allein um getrocknetes Cannabis?

Überraschenderweise nicht. Züchter versuchen, ihre Produktlinie so weit wie möglich zu diversifizieren. In der USA sind die Cannabis-Preise in jedem Bundesstaat ein paar Jahre nach der Legalisierung von Marihuana erst einmal gesunken. Dasselbe wird wahrscheinlich auch in Kanada passieren. Das ist der Grund, warum Nischenprodukte wie Öle und Extrakte, die deutlich höhere Preise und Margen haben, erwartet werden, um die besseren Gewinnlieferanten für Marihuana-Aktien zu sein.

Gibt es schon Marihuana-Aktien?

Ja. Es gibt es eine kleine Handvoll kanadischer Cannabiszüchter, die wesentlich billiger sind als ihre Kollegen. CannTrust Holdings (WKN:A2DWH4), das im dritten Quartal mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit Cannabis-Ölen erzielte, ist ein solches Unternehmen. Das KGV von CannTrust, das derzeit nur auf das 26-fache des erwarteten Gewinns geschätzt wird und in den Jahren 2018 und 2019 ein dreistelliges Umsatzwachstum generieren dürfte, liegt wahrscheinlich weit unter 1 (es gibt keine fünfjährigen Wachstumsschätzungen von der Wall Street, also ist dies bloß eine grobe Schätzung). Jeder Wert unter 1 wird als ein guter Wert angesehen, was CannTrust damit besonders attraktiv macht.

Soll heißen: Die Dinge ändern sich in dieser Branche rasend schnell.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Sean Williams erschien am 23.6.2018 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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