Alleinsein: "Auszeiten sind notwendig"

Psychotherapeutin Doris Wolf

Die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Doris Wolf hat in den vergangenen 35 Jahren viele Menschen behandelt, die unter Einsamkeit litten. Auch gibt sie in psychologischen Ratgebern Hilfestellungen, so auch im Buch "Einsamkeit überwinden" (PAL Verlag, 12,80 Euro). Wir haben mit ihr über Wege aus der Einsamkeitsfalle gesprochen.

Frau Wolf, was ist der Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein?

Doris Wolf: Alleinsein heißt: Im Augenblick ist kein anderer Mensch anwesend. Wir haben dann die Chance, ganz zu uns selbst zu gehen und unsere eigenen Kräfte zu erleben. Einsamkeit ist ein Gefühl von Ausgeschlossen- und Verlassensein. Wir fühlen uns von anderen getrennt.

Wie einsam sind die Menschen, die zu Ihnen kommen?

Die Menschen kommen gewöhnlich nicht wegen Einsamkeit, sondern wegen Depressionen und Ängsten. In der Therapie kristallisiert sich dann heraus, dass sie unter Einsamkeit leiden. Das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit gehört zu unserer menschlichen Natur. Umgekehrt kann Einsamkeit unsere Lebensfreude zerstören und unser Leben verkürzen. Obwohl so viele Menschen unter Einsamkeit leiden, trauen sich nur sehr wenige, offen darüber zu sprechen und damit auch, Hilfe zu suchen.

Welches sind die Gründe für Einsamkeit?

Es gibt eine ganze Reihe innerer und äußerer Gründe. Zu den inneren Gründen zählen negative Erfahrungen in der Kindheit. Wenn Eltern keine Liebe geben konnten, suchtmittelabhängig oder chronisch krank waren. Aber auch Armut oder körperliche Merkmale, die zu ...

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