Wenn alle auf schnelle Essens-Lieferungen setzen, aber für Agrar-Startups kein Geld da ist

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Das Ökosystem der Startups mit Landwirtschaftstechnologie ist nicht so weit wie das anderer Branchen. Das Startup Agrando um Gründer Jonathan Bernwiese (Foto) gehört zu den Aushängeschildern der Branche.
Das Ökosystem der Startups mit Landwirtschaftstechnologie ist nicht so weit wie das anderer Branchen. Das Startup Agrando um Gründer Jonathan Bernwiese (Foto) gehört zu den Aushängeschildern der Branche.

Express-Lieferdienste boomen. Das Berliner Stadtbild ist ohne die pinken, blauen und grünen Lieferboten nicht mehr denkbar. Doch woher stammen die Lebensmittel, die sie da transportieren? Nicht aus dem Lager an der Friedrichstraße oder im Prenzlauer Berg. Ihr Ursprung ist der Acker – ein Ort, an dem Startups an smarten Lösungen für die Landwirtschaft arbeiten. Doch die Suche nach Anerkennung, sowohl von Investoren als auch von Medien bleibt vergebens. Womöglich deshalb, weil vielen der Bezug zur Landwirtschaft und damit zur Basis der Ernährungsmittelindustrie fehlt.

Das hat die German Agrifood Society auf den Plan gerufen, ein Ableger des deutschen Startup-Verbandes, der sich 2019 gegründet hat. Sie wollen sogenannte „Agripreneure“ fördern, also Gründer, die die Digitalisierung in der Landwirtschaft vorantreiben wollen. Die beschreiben sich nämlich als Exoten der Startup-Szene, da seltener über sie berichtet und geredet wird als beispielsweise über Express-Lieferdienste oder Food-Startups. Dabei arbeiten sie an der Basis der Nahrungsmittelgewinnung, indem sie Erntevorgänge automatisieren oder intelligente Tierhaltungssysteme entwickeln.

Deutschland ist trauriges Schlusslicht im internationalen Wettbewerb

Das Startup Pielers unterstützt Landwirte beispielsweise dabei, ihre Produkte über Direktvermarktung loszuwerden. Agrando wiederum hilft beim Handel von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Erst vor wenigen Wochen konnte das Münchner Unternehmen eine Finanzierung in Höhe von zwölf Millionen Euro einsammeln – unter anderem vom Fond des deutschen Google-Managers Philipp Schindler. Für die Agrar-Szene sei das ein riesiger Erfolg, sagt der Personalmanager des Startups Agrando, Franz Rabbo, im Saal des Hauses für Ernährung und Landwirtschaft in Berlin.

Dort haben sich rund 50 Gäste auf Einladung der German Agrifood Society versammelt, darunter Gründer, Investoren sowie Mitglieder des Bauernverbandes, um über die Rolle von Startups in der Landwirtschaft zu diskutieren. An der Diskussion beteiligte sich unter anderem das Startup Organifarms, das Abläufe in Vertical-Farming-Systemen automatisieren möchte. Die Gründer sicherten sich erst im Juni diesen Jahres im Rahmen eines Wettbewerbs 5.000 Euro von der landwirtschaftlichen Rentenbank.

In Deutschland fließt am wenigsten Kapital an Agrar-Startups

Solche Beträge ermöglichen Startups keine Quantensprünge. Die Frage, weshalb so wenig Geld in Firmen entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette fließt, beschäftigt deshalb das Publikum der Veranstaltung. In den USA wurden im vergangenen Jahr etwa 13 Milliarden Euro in Agrar-Startups gesteckt, in Großbritannien knapp über eine Milliarde. Trauriges Schlusslicht ist Deutschland mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Millionen Euro pro Jahr, wie die Studie des Silicon Valley VC-Fonds Agfunder ermittelt hat. Unverständnis breitet sich nach dieser Aufzählung im Saal aus. Ein Finanzexperte spricht Klartext: Hierzulande mangele es nicht am Geld, sondern am Know-how vieler Investoren. Demnach brauche es spezialisierte Fonds, damit Agrar-Startups nicht mehr so sehr auf Geldgeber aus dem Ausland angewiesen seien, wie es zurzeit der Fall sei.

Während Investoren also der Bezug zu Jungfirmen in der Landwirtschaft fehlt, fehle so manchem Landwirt der Bezug zur Startups, die die Innovationen auf dem Acker vorantreiben wollen, sagt Tobias Wiemers dem Publikum. Er ist Landwirt aus Nordrhein-Westfalen und weiß, wie schwer es für Gründer sein kann, Bauern für neue Techniken zu begeistern. Vielen Landwirten gehe es ökonomisch schlecht, so Wiemers. Die Folge: keine Zeit für neue und teure Experimente.

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