Alle Reichen haben eine Eigenschaft gemeinsam, sagt der Mann, der ihre Milliarden verwaltet

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Christian Freiherr von Bechtolsheim verwaltet die Milliarden von Deutschlands reichsten Familien
Christian Freiherr von Bechtolsheim verwaltet die Milliarden von Deutschlands reichsten Familien

Ein Gespräch mit Christian Freiherr von Bechtolsheim beginnt mit einem kurzen Ausflug in die Welt der klassischen Musik. Ein gut gelauntes Flöten-Stück von Carl Philipp Emmanuel Bach ertönt, während die Sekretärin verbindet. Zum Zeitpunkt des Gesprächs weilt der 61-Jährige in seinem Jagdhaus in Thüringen, umgeben vom Wald.

Christian Lothar Ludwig Hugo Wilhelm Maria Reichsfreiherr von Mauchenheim, genannt Bechtolsheim lautet sein voller Name – doch so nennt ihn niemand. Herr von Bechtolsheim reicht.

Es gibt wohl wenige Personen in Deutschland, die die Superreichen der Republik so gut kennen und verstehen, wie er – auch, weil er selbst dazu gehört. Der Vermögensverwalter ist ein Nachfahre der Fugger, der wohlhabendsten Kaufmannsfamilie des Mittelalters.

„Bei uns war gar nicht viel Geld da"

Sein Vermögen jedoch hat Bechtolsheim nicht geerbt, sondern selbst aufgebaut. Anders, als seine Herkunft vermuten ließe, sei seine Kindheit nicht vermögend gewesen, erzählt Bechtolsheim, dessen Großvater das meiste Vermögen während des Ersten Weltkriegs verlor. „Bei uns war gar nicht viel Geld da. Das kann man sich vielleicht nicht vorstellen, aber so war das“, sagt der Mann, der heute Milliarden verwaltet.

Den Grundstein für diese Karriere legte Bechtolsheim im Studium: Betriebswirtschaftslehre und Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Später begann er in einer Bank zu arbeiten, die damals als „sicherer Hafen“ galt, dem jungen Bechtolsheim aber nicht zusagte. In der Bank habe es zu viele innere Machtkämpfe gegeben. Die Banker hätten sich ums eigentliche Geschäft kaum gekümmert. Das habe ihn irgendwann so genervt, dass er sich selbstständig machte.

Vor mehr als zwanzig Jahren gründete er gemeinsam mit Andreas Jacobs, dem Erben der Bremer Kaffee- und Schokoladen-Dynastie, die Focam AG. Heute verwaltet das renommierte Unternehmen die Milliarden der reichsten deutschen Familien.

Die Focam hat ihren Sitz in der Finanzmetropole Frankfurt und mietet das ehemalige Privathaus der Familie von Grunelius, einer alten Frankfurt Bankiersfamilie. Das Anwesen befindet sich direkt am Mainufer, in der ersten Reihe und sei eines der „schönsten historisch voll intakten Patrizierhäuser“, wie Bechtolsheim schwärmt. Die Patrizier galten als Oberschicht des Mittelalters und früher Neuzeit, ihre stattlichen Häuser sind ein Ausweis ihrer gesellschaftlichen Stellung. Im ehemaligen Esszimmer der Familie Grunelius sitzen heute die Vermögensverwalter von Bechtolsheim.

Einen Trottel, der das Vermögen verprasst, gebe es immer

Als Vermögensverwalter der Superreichen ist es vor allem seine Aufgabe das Geld der wohlhabenden Familien langfristig zu sichern. Denn das sei, so Bechtolsheim, deutlich schwieriger als reich zu werden. Ein Grund sei, dass das Vermögen über mehrere Generationen durch Vererbung immer kleiner werde. „Ich habe fünf Kinder. Es ist vollkommen klar, dass jedes Kind ein Fünftel bekommt, so wird das Vermögen weniger“, erklärt Bechtolsheim. Doch die Vererbung sei nicht das größte Problem.

„Der verstorbene Fürst von Thurn und Taxis, der Mann von der Gloria, der hat immer den herrlichen Spruch gesagt: Ein Vermögen meiner Größenordnung kann man nicht verhuren, nicht versaufen, das kann man nur verdummen. Und genauso kann man es zusammenfassen.“ Es würde relativ vielen Familien gelingen, das Geld über mehrere Generationen zu „verdummen“, weil immer ein „Trottel“ dabei sei „und mein Job ist, dem entgegenzuwirken“, sagt Bechtolsheim.

Sein wichtigster Ratschlag für seine Mandanten: „Mache dich nicht zum Knecht deines Geldes“, sagt er. „Das Geld ist dafür da, um dir und anderen zu dienen und nicht umgekehrt.“ Es gebe leider Charaktere, die so auf ihr Geld fokussiert seien, dass sie an nichts anderes mehr denken, berichtet der Vermögens-Verwalter. „Das ist verheerend. Sobald irgendwelche Steuern drohen, verlassen sie Deutschland.“ Das seien aber die Wenigsten.

Ob die Steuer zu hoch sind? Bechtolsheim kann mit dem aktuellen Steuersystem leben, möchte aber keine Erhöhungen sehen. Vor allem eine Erhöhung der Vermögenssteuer wäre für den Wirtschaftsstandort Deutschland „verheerend“, glaubt Bechtolsheim. „Bei den obersten 10 Prozent der reichsten Deutschen sind 65 Prozent des Vermögens betrieblich gebunden. Wenn sie jetzt darauf eine Steuer erheben, woher soll dieser Mensch diese Forderungen bezahlen?“, begründet er seine Haltung. In schlechten Unternehmensjahren, könnten die Eigentümer sogar gezwungen sein, Anteile zu veräußern, um ihre Steuern zu begleichen, befürchtet er.

Keine Hummer-Partys, sondern harte Arbeit

Grundsätzlich sei es seinen Kunden nicht das Wichtigste, Steuern zu sparen, sondern "gut zu schlafen". Seine Mandanten legten besonders auf zwei Dinge wert: Das Gefühl, ihr Geld sicher anzulegen und Mensch und Natur etwas Gutes tun, so Bechtolsheim: „Die meisten Reichen, die ich kenne, sind engagiert.“ Der eine habe eine karitative Stiftung, der andere sei ökologisch unterwegs, der dritte kulturell oder sportlich. Was sie eint? „Fast alle haben einen Anreiz, der jenseits vom reinen Geldwachstum liegt.“

Vorurteile wie dieses, dass Reiche nur Hummer essen und Champagner trinken würden, seien der „größte Quatsch“, den Bechtolsheim in seinem Leben gehört habe. „Solche Aussagen bringen mich auf die Palme. Die Reichen sind nicht die Menschen, die mit dem weißen Pudel und der Diamantkette über einer Einkaufsmeile spazieren. Die Reichen sind in Deutschland mittelständische Unternehmer, deren Unternehmen irrsinnig viel wert sind. Deswegen sind sie reich.“ Diese Menschen hätten ihre Millionen nicht auf dem Konto liegen, vielmehr steckten sie im Wert ihres Unternehmens. „Damit schaffen sie Arbeitsplätze, zahlen Steuern, kümmern sich um ihre regionale Infrastruktur. Deswegen kann ich die Diskussionen, dass Reiche nur Golf spielen würden, nicht aushalten.“

Neid-Kultur entstehe durch Unwissen

Bechtolsheim glaubt, dass der Neid gegen Reiche auch dadurch entsteht, dass man viele Reichen nicht kennt, was auch ein Fehler der Reichen sei. „Während den Entführungsfällen in den 70ern und der Terrorismus-Zeit der RAF haben die wohlhabenden Leute in Deutschland Angst bekommen, sich zu zeigen“, sagt der Münchner. Zudem sei es schon immer eine deutsche Tugend gewesen, bescheiden zu sein. „Wenn man wohlhabend ist, wird nicht nach außen hin geprahlt. Reiche wollen nicht auffallen.“ Das führe aber auch dazu, dass wenig über reiche Menschen bekannt würde und so „irgendein Quatsch“ entstehe.

Generell gebe es unter den Reichen genauso „viele Idioten, Dumme und Arschlöcher, wie es überall gibt“, sagt Bechtolsheim. „Aber eins haben alle Reichen gemeinsam: Es sind alles harte Arbeiter.“

„Es gibt keinen, der durch Rumfaulenzen sein Vermögen aufgebaut hat. Das sind Leute, die eher 60 Stunden in der Woche arbeiten.“ Das würde auch im Alter nicht aufhören. Wer die Leitung des Unternehmens abgebe, würde stattdessen beispielsweise eine Stiftung leiten – aufhören zu arbeiten könnten seine Klienten nicht, sagt Bechtolsheim und nennt dann noch einen Nachteil am reich sein: „Wenn der Mensch so viel Adrenalin gewöhnt ist, hält der Körper die Rente gar nicht aus.“

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