Alkohol-Werbung bedroht Wehrleins Karriere

Pascal Wehrlein steht vor einer ungewissen Zukunft in der Formel 1

Ein Spirituosen-Hersteller könnte zum Stolperstein in Pascal Wehrleins Laufbahn werden. Die Situation des Deutschen zeigt, wie kompliziert die Karriere-Planung in der Formel 1 ist. Jetzt geht es um seine Zukunft in der Königsklasse.

"Ich habe bislang alle Punkte für Sauber eingefahren und meinen Teamkollegen auch in den meisten Qualifyings geschlagen. Was soll ich sonst noch tun", sagt Wehrlein vor dem Großen Preis von Malaysia (Rennen am Sonntag, ab 9 Uhr im LIVETICKER) über seinen möglicherweise vergeblichen Kampf um ein Cockpit.

Wehrlein fährt starke Saison

Sportlich überzeugt der Deutsche, doch das Leistungsvermögen hat eben nicht den größten Einfluss auf die Vergabe der begehrten Plätze in der Formel 1. Wehrleins Problem: Gleich zwei mögliche neue Arbeitgeber scheiden aus, weil sie mit dem Deutschen nicht weltweit für harten Alkohol werben dürfen - Wehrlein ist zu jung.

Eigentlich wären Williams und Force India zwar sinnvolle Optionen. Denn Wehrlein ist Vertragsfahrer bei Mercedes, und beide Teams beziehen ihre Motoren vom deutschen Hersteller. Das erleichtert Verhandlungen im Normalfall enorm.

Doch der Traditionsrennstall Williams ist eng mit seinem Titelsponsor Martini verbunden, und der darf für seinen hochprozentigen Aperitif in einigen Ländern nur mit Personen werben, die älter sind als 25 Jahre. Der kanadische Teenager Lance Stroll (18) ist dank der Millionenspenden seines schwerreichen Vaters auch für 2018 gesetzt. Damit ist der Platz, den aktuell Routinier Felipe Massa (36) inne hat, für Wehrlein nicht zu haben.

Force India keine Option

Ein ähnliches Problem ergibt sich bei Force India durch Whisky-Sponsor Johnnie Walker. Dort steht der junge Franzose Esteban Ocon (21), ebenfalls ein Mercedes-Junior, nicht zur Diskussion. Auch Force India braucht also einen älteren Fahrer, der ohnehin starke Sergio Perez (27) wurde für 2018 bereits bestätigt.

Damit gerät eine der vielversprechendsten deutschen Motorsportkarrieren ins Stocken, vielleicht scheitert sie sogar - an den komplizierten Abhängigkeiten und Verflechtungen in der Formel 1. Denn bei Sauber darf Wehrlein mit ziemlicher Sicherheit nicht bleiben, weil Ferrari im Zuge des neuaufgelegten Motorendeals Ansprüche auf das Cockpit stellt.

"Natürlich hat er eine Chance. Ich kenne seine Fähigkeiten, weil wir zusammen schon in der DTM gearbeitet haben. Ich kann verstehen, dass er mit der augenblicklichen Situation nicht ganz happy ist, aber er muss seinen Job machen und zeigen, dass er den Platz verdient hat", sagt Sauber-Teamchef Fredric Vasseur bei auto motor und sport.


Ferrari spielt entscheidene Rolle

Die Scuderia will Sauber als Ausbildungsteam nutzen, ein Ferrari-Nachwuchsfahrer soll im kommenden Jahr Wehrleins Cockpit erhalten. Top-Favorit ist der Monegasse Charles Leclerc (19), der am Freitag in Malaysia schon eine Trainings-Session für die Schweizer bestreiten wird.

Viel Hoffnung gibt es für Wehrlein nicht mehr. Sauber dürfte für den zweiten Sitz an Paydriver Marcus Ericsson festhalten, McLaren bald mit Fernando Alonso verlängern. Und Toro Rosso hat als Red-Bull-Juniorteam wohl kaum Interesse, einen Mercedes-Mann wie Wehrlein auszubilden.

Der hofft weiter auf das Verhandlungsgeschick seiner Bosse, doch die haben es schwer, den Job des Talents zu retten. Manchmal ist Schnaps eben nicht einfach nur Schnaps.