Alibaba-Gründer Jack Ma: Kerker oder strategischer Rückzug?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
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Es ist ruhig geworden um den Gründer und ehemaligen CEO von Alibaba (WKN: A117ME). Ja, es gibt sogar Schlagzeilen, dass der wichtige Funktionär hinter der E-Commerce- und Tech-Erfolgsgeschichte regelrecht verschwunden ist.

Das letzte Mal gesehen worden ist Ma demnach per Ende Oktober dieses Jahres. Auch, dass weder sein Twitter-Account aktiv ist, noch dass er bei seiner beliebten TV-Show weiterhin in der Jury sitzt, ist in diesem Kontext regelmäßig erwähnt worden. Eine wichtige Frage lautet daher: Wo ist nur Jack Ma abgeblieben?

Was die Schlagzeilen der letzten Tage angeht, könnten sich zwei verschiedene Möglichkeiten abzeichnen. Lass uns im Folgenden daher einmal schauen, was Foolishe Investoren hierzu wissen sollten.

Alibaba-Gründer Jack Ma: Strategischer Rückzug?

Wie jetzt einerseits berichtet wird, könnte Alibaba-Gründer Jack Ma möglicherweise aus strategischen Gründen untergetaucht sein. Der Funktionär hinter der Erfolgsgeschichte hat zuletzt öffentlich die Regulation des Marktes der digitalen Finanzdienstleistungen kritisiert. Das hat in der Folge dazu geführt, dass der Börsengang von Ant Financial abgesagt worden ist. Sowie auch, dass der Gesamtkonzern Alibaba in den Fokus der Behörden gerückt ist.

Das könnte Teil einer Strategie sein. Das Fernbleiben von Jack Ma aus der Öffentlichkeit könnte zur derzeitigen Konzernpolitik passen. Auch der jetzige CEO Daniel Zhang ist schließlich darum bemüht gewesen, kleine Brötchen zu backen. Und hat in diesem Kontext betont, dass man vollumfänglich mit den Behörden kooperieren wolle.

Der in Ungnade gefallene Jack Ma könnte einfach nur zur derzeitigen Ausrichtung passen. Ein durchaus plausibler Grund, dass Ma derzeit nirgendwo auftaucht, könnte daher durchaus Kalkül sein. Allerdings gibt es eine zweite Theorie, die wir ebenfalls nicht unerwähnt lassen wollen.

Oder doch eher eingekerkert?

Unter anderem Die Welt hat jetzt ein zweites Szenario aufgezeigt, das nicht weniger spektakulär ist. Ganz im Gegenteil: Demnach hat sich ein Beitrag dieses Magazins damit beschäftigt, ob der ehemalige Alibaba-Lenker womöglich irgendwo in China eingekerkert sei. Ist das eine plausible Option? Zumindest die Begründung und die Historie zeigen: Ja, möglicherweise.

Der Verfasser des Beitrags verweist darauf, dass Chinas Politik mit Kritikern immer härter umspringt. Demnach sei zuletzt eine kritische Bloggerin, die über die Corona-Politik in Wuhan berichtet habe, zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein Immobilienmilliardär, der eine Rede von Staatslenker Xi Jinping kritisierte, ist sogar zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Mögliche Beispiele, die zeigen: Möglicherweise ist Jack Ma inhaftiert worden.

Letztlich zeigen beide Beispiele: Es ist ordentlich Druck in der ganzen Causa rund um den Alibaba-Konzern. Selbst wenn Alibaba-Gründer Jack Ma sich bloß veranlasst sah, aus der Öffentlichkeit zu verschwinden, so zeigt das, wie weit die Tragweite seiner Äußerungen reicht.

Alibaba-Aktie: Das Risiko bleibt hoch

Für mich ist auch das Thema Jack Ma daher eine weitere Wendung, die zeigt: Das politische Risiko im Reich der Mitte lässt sich einfach nicht leugnen. Das betrifft allerdings nicht bloß den Alibaba-Konzern, sondern alle China-Aktien. Womöglich insbesondere die Tech-Schwergewichte.

Ob Foolishe Investoren die Chancen meiden sollten? Schwierig zu sagen. Es könnte jedoch ratsam sein, die Risiken noch einmal intensiver zu bedenken. Und sich sowohl bei der Alibaba-Aktie als auch bei vielen anderen Vertretern Gedanken darüber zu machen, ob man das in Kauf nehmen möchte.

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Vincent besitzt Aktien von Alibaba. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba Group Holding Ltd..

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