Alibaba: Frontalangriff auf Amazon in Südostasien

Martin Weiß
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Alibaba: Aktie kracht durch wichtige Unterstützung - und jetzt?

Im Wettrennen um die globale Vorherrschaft beim E-Commerce tritt Alibaba das Gaspedal voll durch und verdoppelt sein Investment in der Lazada Group auf vier Milliarden Dollar. DER AKTIONÄR verrät, weshalb es die Chinesen gerade in Südostasien so eilig haben und wie sie im Kampf gegen den Erzrivalen Amazon aufgestellt sind.  

Entwicklung im Eilzugtempo

Indonesien, Malaysia, die Philippienen, Singapur, Vietnam: Im Bewusstsein der meisten Anleger gelten die Länder zwar als attraktives Urlaubsziel, das war es auch schon. Laut einer Studie von Frost & Sullivan bietet die südostasiatische Region aber noch mehr: Wachstum.

Binnen drei Jahren, bis 2021, werden sich die Erlöse im Online-Handel in der Region auf rund 65,5 Milliarden Dollar knapp mehr als verdreifachen. Der Wert liegt zwar weit unter dem in China (2017e: 1.100 Milliarden Dollar) und den USA (450 Mrd.$). An Deutschland, das es 2017 auf ein Online-Volumen von 58 Milliarden Dollar gebracht haben dürfte, wird Südostasien allerdings ziemlich locker vorbeizeihen.

Das zunehmende Interesse schwergewichtiger E-Commerce-Kolosse wie Alibaba, JD.com und – natürlich – Amazon an Südostasien überrascht kaum. In ihren jeweiligen Heimatmärkten stoßen die Kontrahenden entweder an ihre Wachstumsgrenzen und/oder sie stehen in einem erbitterten Wettbewerb um Marktanteile.

Südostasien mit seinen rund 600 Millionen Einwohnern und seiner rasanten demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung kommt den Big Boys gerade recht. Die Bevölkerung in der Region ist allein seit 1985 um 50 Prozent gewachsen, gleichzeitig stieg das verfügbare Einkommen in den privanten Haushalten sprunghaft. Bis 2020, so Schätzungen von Nielsen, dürfte sich die Mittelschicht (16-100 Dollar/Tag zur freien Verfügung) gegenüber 2012 auf 400 Millionen Menschen nahezu verdoppeln.

Investition verdoppelt

Alibaba hat gute Karten im Rennen um die Vorherrschaft in der Region. Am Montag meldeten Medien, dass der Ma-Konzern weitere zwei Milliarden Dollar in die E-Commerce-Plattform Lazada Group investiert und damit seine Investition verdoppelt. Zuletzt betrug die Beteiligungshöhe 83 Prozent.

Ma besetzt die Schlüsselposition des Vorstandschefs mit einem langjährigen Weggefährten, der deutsche Lazada-Gründer Max Bittner wechselt in den Beraterstab.

Lazada hat sich völlig auf den südostasiatischen Markt konzentriert und sieht sich dort als "unbestrittenen Marktführer" in fünf seiner sechs Einzelmärkte. Für Alibaba ist Lazada eine ideale Ergänzung, denn selbst wenn das aus der Rocket-Internet-Schmiede hervorgegangene E-Commerce-Unternehmen bislang hohe Verluste produziert, ist es als Brückenkopf in die Region mit Geld kaum aufzuwiegen.

Und Amazon? Der US-Riese kommt reichlich spät zur Party. Der geplante Start in Singapur wurde mehrmals verschoben und gelang erst Mitte 2017 mit dem Prime Now Service (2-Stunden-Lieferung). Seit Ende 2017 buhlen die Amerikaner im Stadtstaat um Kunden für ihr Prime-Angebot (6,70$/Monat). Dass Amazon seine Kundenzahl damit steigern wird, gilt als ausgemachte Sache. Ob die Einführung von Prime – zumal in abgespeckter Version – ausreicht, um Lazada (Alibaba) ernsthaft Paroli bieten zu können, ist jedoch fraglich.

Fazit: Alibaba hat im südostasiatischen E-Commerce die Nase vorn und daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Die Aktie der Chinesen bleibt weiter eine Top-Empfehlung des AKTIONÄR.