Alibaba forciert Attacke auf Amazon


Alibabas Geschäft wächst weiterhin mit rasanter Geschwindigkeit. Nach den neuesten Quartalszahlen stieg der Umsatz des chinesischen Konzerns um 56 Prozent zum Vorjahr auf 12,7 Milliarden US Dollar. Gleichzeitig gab Alibaba bekannt, 33 Prozent Anteil beim Finanzdienstleister Ant Financial erworben zu haben.

Zum siebten Mal in Folge konnte Alibaba einen Umsatzwachstum von über fünfzig Prozent melden. Vor allem im Bereich Cloud Computing konnte der chinesische Tech-Gigant seinen Umsatz um ganze 104 Prozent steigern. Aber auch das Kerngeschäft boomt weiter: Inzwischen tummeln sich 580 Millionen mobile Nutzer auf Alibabas digitalem Marktplatz, also 31 Millionen mehr als noch im September 2017.

Im vierten Quartal findet auch immer Alibabas jährliche Kaufrausch-Orgie „Single’s Day“ statt. So gaben chinesische Konsumenten, animiert durch Rabatte und Sonderaktionen, am 11. November 2017 die Rekordsumme von 25,3 Milliarden Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Zuwachs von 39 Prozent. Der Börse scheint selbst dieses rasante Wachstum nicht zu reichen: Die in New York gelistete Alibaba-Aktie fiel vorbörslich um mehr als drei Prozent. Analysten hatten hier mit mehr gerechnet.


Denn der operative Gewinn lag nach Steuerabzügen und Abschreibungen bei 3,6 Milliarden Dollar, weit unter den 4,3 Milliarden Dollar, die Analysten laut Bloomberg Umfrage vorausgesagt hatten. Beim Jahresüberschuss konnte Alibaba mit 3,8 Milliarden Dollar wiederum die Erwartungen der von S & P Global befragten Experten übertreffen, die von 3,4 Milliarden Dollar ausgegangen waren. 

Alibaba kündigte an, eine Option zum Kauf von 33 Prozent am Zahlungsabwickler Ant Financial aus dem Jahr 2014 auszuüben. 2016 wurde der Wert des Finanzdienstleisters auf 60 Milliarden US Dollar geschätzt. Auf den Geldfluss habe die Transaktion keinen Einfluss gehabt, teilte Alibaba über eine Pressemitteilung mit. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch Tencent und JD.com bauen sich die Chinesen neue Standbeine auf und strecken ihre Fühler auch in Richtung Cloud-Computing und herkömmlichen Einzelhandel aus.



„Besondere Unterstützung“ für den Börsengang

Laut Steven Zhu, Analyst bei Pacific Epoch, ebnet diese Transaktion darüber hinaus den Weg für einen baldigen Börsengang des Finanzdienstleisters. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete kurz zuvor, dass die chinesische Börsenaufsicht gerade „besondere Unterstützung“ für den Börsengang von heimischen Firmen beschlossen hatte, die in den Bereichen Biotech, Internet oder Umwelttechnologie aktiv sind. Gerüchten nach soll Ant Financial noch in diesem Jahr an die Börse in Hongkong oder Schanghai gehen. Jack Ma streitet dies jedoch ab. 

2011 hatte sich Ant Financial von Alibaba losgelöst. Alibaba-Gründer und CEO Jack Ma hatte damals behauptet, dass Finanzdienstleistungen durch Dritte nach den chinesischen Regularien nur von chinesischen Firmen getätigt werden dürfe. Seitdem besitzen die Geschäftsführer und Mitarbeiter Alibabas 76,4 Prozent Anteile bei Ant Financial und chinesische Investoren den Rest. Nach der neusten Transaktion fallen die Beteiligungen auf jeweils 51,2 Prozent und 15,8 Prozent.

Öffentlich betont Alibaba stets, dass ihnen Quartalszahlen und kurzfristige Profit- und Wachstumszahlen nicht wichtig sind. Schon seit vielen Jahren wiederholt der Konzerngründer Jack Ma die Devise, dass die Kunden an erster, die Mitarbeiter an zweiter und die Aktionäre an dritter Stelle stehen.


Alibaba und sein internationaler Konkurrent Amazon sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich: beide betreiben erfolgreiche Plattformen für den Online-Einzelhandel und versuchen nun, diesen auch mit dem Offline-Geschäft zu verbinden. Und beide expandieren immer weiter in neue Bereiche wie Cloud Computing, digitale Medien und Unterhaltung.

An der Börse hat Alibaba seinen US-Konkurrenten bereits ausgestochen: Der Aktienkurs des chinesischen Unternehmens stiegt 2017 um 95 Prozent – das Papier von Amazon schaffte im gleichen Zeitraum nur einen Zuwachs von 55 Prozent.