Alibaba expandiert in Deutschland

Während Apple mit dem Start seines mobilen Zahlungsdienstes ApplePay hierzulande noch wartet, verschärft der chinesische Konkurrent Alibaba das Tempo.


Noch operiert Alibaba, einer der größten Internetkonzerne der Welt, hierzulande äußerst diskret. Keine Klingel, kein Schild verraten, dass der Gigant aus dem ostchinesischen Hangzhou seine Deutschland-Zentrale in der Nymphenburger Straße 4 in München verbirgt. Von hier aus, fast eingequetscht zwischen dem Löwenbräukeller und einem Rolls-Royce-Händler, plant Alibaba die Eroberung des deutschen Marktes.

Neuester Schachzug: Ab sofort können Kunden des Haushaltswaren- und Besteckherstellers Zwilling deutschlandweit ihre Einkäufe mit der Bezahl-App Alipay von Alibaba bezahlen. Schon seit einiger Zeit akzeptieren Geschäfte am Münchner Flughafen den mobilen Bezahldienst aus China. Auch rund 2000 deutsche Filialen der Drogeriekette Rossmann sowie ausgewählte WMF-Geschäfte akzeptieren Alipay.

Das Kalkül der deutschen Unternehmen ist  klar: Inzwischen kommen jedes Jahr mehr als zwei Millionen Touristen nach Deutschland, und die Zahl steigt stetig. Während seines Urlaubs gibt jeder Chinese laut einschlägiger Untersuchungen im Durchschnitt etwa 3000 Euro für Einkäufe aus. Da will man der Kundschaft aus Asien das Bezahlen so leicht wie möglich machen. Zum Vergleich: Jeder Deutsche gibt für den gesamten Urlaub etwa 950 Euro aus.



Hoch im Kurs stehen bei den Käufern aus China vor allem Luxus- und Haushaltsartikel "Made in Germany": Koffer von Rimowa, Messer von Zwilling, Schnellkochtöpfe von WMF oder Anzüge von Boss. Kaufen die Besucher aus China in Deutschland, können sie relativ sicher sein, keine Opfer von Raubkopierern zu werden. Das befeuert das Geschäft mit der oft zahlungskräftigen Kundschaft zusätzlich.

Doch Jack Ma, der eigenwillige Chef und Gründer von Alibaba, denkt offenbar längst weiter. Noch braucht jeder Alipay-Nutzer ein Bankkonto in China. Ma sucht dem Vernehmen nach aber inzwischen nach Lösungen, wie er seinen Bezahldienst auch nicht-chinesischen Nutzern zugänglich machen kann. Das wäre eine kleine Revolution.



Alibabas Expansions-Strategie passt indes voll und ganz zum Kurs, den die chinesische Regierung seit einiger Zeit steuert: Chinas Unternehmen, ganz gleich ob staatlich oder privat, sollen nicht länger nur in der Heimat ihre Geschäfte machen, sondern vor allem im Ausland expandieren.

Doch von dem rasanten Ausbau des Auslandsgeschäfts profitieren längst auch deutsche Unternehmen. Der Technologiekonzern Wirecard aus der Nähe von München etwa unterstützt mit seinen technologischen Lösungen Alibaba und die entsprechenden Einzelhändler bei der Zahlungsabwicklung über Alipay. Im vergangenen Jahr steigerte der börsennotierte Technologiekonzern seinen Umsatz um 33 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.