Algerier wählen neue Kommunal- und Regionalparlamente

Die Algerier haben am Donnerstag neue Kommunal- und Regionalparlamente gewählt. Nach einem trägen Wahlkampf blieb die Wahlbeteiligung offenbar ähnlich niedrig wie vor fünf Jahren. Nach Angaben von Innenminister Noureddine Bédoui gingen bis zum späten Nachmittag bis zu 34 Prozent der über 22 Millionen Wahlberechtigen zur Urne. Daraufhin wurden die Öffnungszeiten in einigen Wahllokalen um eine Stunde verlängert.

Angesichts des großen Unmuts in der Bevölkerung über wirtschaftliche und soziale Missstände in dem nordafrikanischen Land hatte die Wahlbeteiligung bei der Parlamentswahl im Mai nur bei 35 Prozent gelegen. Sie war damit noch niedriger als bei der Parlamentswahl im Jahr 2012 mit rund 43 Prozent. Bei den Kommunalwahlen im November 2012 hatte die Beteiligung bei 44 Prozent gelegen.

Für die Sitze in den 1541 Kommunal- und den 48 Regionalparlamenten kandidierten rund 50 Parteien und vier Wahlbündnisse sowie zahlreiche unabhängige Listen. Nur die seit der Unabhängigkeit im Jahr 1962 regierende Nationale Befreiungsfront (FLN) von Präsident Abdelaziz Bouteflika und ihr Juniorpartner, die Sammlungsbewegung für Demokratie (RND), sind landesweit vertreten. Die Auszählung begann am Abend, mit offiziellen Ergebnissen wurde am Freitag gerechnet.

Zur Zeit macht Algerien wegen gesunkener Ölpreise eine schwere Wirtschaftskrise durch. Große Teile der Bevölkerung leiden unter Wohnungsnot, unzureichender Gesundheitsversorgung und hoher Arbeitslosigkeit. Die Hälfte der rund 40 Millionen Einwohner Algeriens ist unter 30 Jahre alt. Jeder dritte junge Mensch im Land hat keine Arbeit.

Der 80-jährige Bouteflika gilt seit längerem als gesundheitlich angeschlagen. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 trat er kaum mehr öffentlich auf. Gelegentlich empfängt er ausländische Staatsgäste in seiner Residenz, die er nur noch selten verlässt. Meistens sitzt er im Rollstuhl. Bouteflika steht seit 1999 an der Spitze Algeriens.