Nach Algenschleimkatastrophe: Türkisches Marmarameer so gut wie tot

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Im vergangenen Frühjahr sorgten diese Bilder für Entsetzen: Ein dichter Schleim lag wie ein Teppich über dem türkischen Marmarameer.

Sogenannter Meeresrotz trieb an vielen Stellen an der Oberfläche, etwa vor der Metropole Istanbul, wurde an Küsten gespült und machte teilweise das Fischen unmöglich.

Der Verursacher war schnell ausgemacht: Bestimmte Algen, die sich exponentiell vermehrt und den Schleim ausgeschieden hatten.

Die gräuliche Masse ist mittlerweile von der Wasseroberfläche wieder verschwunden, überstanden ist die Plage aber keineswegs. Wissenschaftler warnen vor fatale Auswirkungen auf das Ökosystem.

60 Prozent der Spezies seien verschwunden, das Marmarameer so gut wie tot, so lautete die bittere Bilanz des Hydrobiologen Levent Artüz der dpa gegenüber. Er beobachtet mit 20 Experten seit Anfang des Jahres an 450 Stellen die Ausbreitung der Plage.

Das Problem: Der Schleim setzte sich nach und nach am Meeresboden ab, verlangsamt das Wachstum von Muscheln und Korallen und behindert deren Fähigkeit, das Wasser zu filtern. Zooplankton, von dem sich viele Fische ernähren, droht auf lange Sicht zu verschwinden.

Dem Meeresbiologen Mustafa Sari zufolge könnte es im Oktober bei günstigen Temperaturen zu einer neuen Schleimplage kommen. Es wird befürchtet, dass sich diese auch auf das Schwarze Meer und die Ägäis ausweiten und zu einer regionalen ökologischen Krise führen könnte.

Die türkische Regierung hatte nach der ersten Invasion Teile des Schleims abschöpfen lassen. Experten sind sich jedoch einig, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen.

Die Einleitung unbehandelten Abwassers müsse sofort gestoppt werden, fordert Levent Artüz. "Nach drei Jahrzehnten intensiver Verschmutzung ist das Marmarameer jetzt ein totes Meer." Er hoffe, den umliegenden Gewässern drohe nicht eine ähnliche Zukunft.

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