Alexanderplatz-Experiment: Schau mir in die Augen! Über den Wert des Blickkontakts

Eine Minute Augenkontakt, gar nicht so leicht!

Gerade mal 3,3 Sekunden dürfen es sein, dann wird es unangenehm, heißt es. Bloß ein Huschen – mit den eigenen Augen in die eines Unbekannten tauchen. So ein Blickkontakt fühlt sich tatsächlich sehr intim an. Es ist wohl das Intimste, ohne einander dafür berühren zu müssen.

Auch weil man meint, man könne bis zur Seele des anderen schauen. Und seinem Gegenüber wiederum gewährt man Zutritt in sein eigenes Innerstes. Klingt fast schon gruselig. Und doch können das kostbare Sekunden bedeuten, die einen beflügeln. Gerade weil sie wortlos eine Verbindung zu einem Fremden aufbauen können; nur eben ohne jede Verbindlichkeit.

Die meisten Menschen aber, vor allem die in einer Großstadt wie Berlin, lassen auf den Straßen selten solche Momente zu. Oder wann haben Sie jemanden zuletzt in der U-Bahn unbefangen angeschaut, gar angelächelt, einfach nur so, weil Ihnen danach war? Viele bleiben lieber in ihrer Welt – unantastbar, unbeeindruckt, desinteressiert.

Vielleicht ist es Angst, Schüchternheit, vielleicht Selbstschutz. Vielleicht auch die Abgrenzung vom eigenen Dasein zu dem der anderen. Man versteht diese Form der Anonymisierung in der Menge durchaus. Immerhin muss man zwangsläufig filtern, um nicht ständig überfrachtet durch die Stadt zu ziehen.

Und doch ist es sehr wohl schade, dass zwischenmenschliche Begegnungen nur konstruiert zu existieren scheinen – durch konkrete Verabredungen mit dem Gewohnten. In unserer Schnelllebigkeit findet das Unerwartete im Alltag kaum bewusst statt. Dabei k...

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