Alexander Wurz: Warum verkürzte Rennwochenenden "nicht cool" sind

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 4 Min.

In Imola testete die Formel 1 ein Zweitages-Format für das Rennwochenende, das sich mit Blick auf einen voller werdenden Kalender als zukunftsweisend herausstellen könnte. Bei den Teams fällt das Echo nach dem jüngsten Probelauf jedoch gemischt aus.

Toto Wolff ist ein Fan. "Ja, es gefällt mir sehr gut", sagt der Mercedes-Teamchef. "Es ist so kompakt. Man braucht viel Anpassungsfähigkeit, man muss das Auto von Anfang an in eine gute Position bringen, hat nicht viel Zeit, um Daten zu analysieren. In dieser Hinsicht ist es etwas Neues, aber es gefällt mir."

Allerdings räumt der Österreicher ein, dass dieses Format vermutlich nicht auf jeder Strecke funktioniere. "Ich denke, es wird große Rennen geben, hoffentlich wieder mit vielen Zuschauern, bei denen eine dreitägige Veranstaltung sehr sinnvoll ist, wenn man an Melbourne und die vielen Menschen dort denkt", blickt er voraus.

Racing Point: Müssten Arbeitsweise umstellen

"Ich glaube daher nicht, dass es für jeden geeignet ist, aber ich denke, für hier funktioniert es wirklich gut", resümiert Wolff die verkürzte Veranstaltung in Imola. Dort fand am Samstagvormittag das einzige Training des Wochenendes statt.

Die üblichen Freitagssessions entfielen komplett. Für einige Teams ein Nachteil, findet Andrew Green, Technikchef bei Racing Point. "Wir nutzen den Freitag, um Kilometer machen und mit den Reifen arbeiten. Das ist etwas, auf das wir viel Zeit verwenden, um uns vorzubereiten, um Daten zu sammeln und zu analysieren, damit wir am Samstag mit dem bestmöglichen Paket herauskommen können", erklärt er.

Sollten solche Zweitages-Event vermehrt Einzug in die Formel 1 halten, müsse man die eigene Arbeitsweise folglich ändern, fährt Green fort: "Das ist mit der Art und Weise, wie wir im Moment arbeiten, nicht gerade kompatibel. Für ein Rennen konnten wir das nicht ändern. Aber sollte sich das durchsetzen, müssten wir das."

Wurz: So lassen sich mehr Grands Prix austragen

Er wolle nicht derjenige sein, der Veränderungen verteufelt, sagt der Technikchef weiter. "Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass es eine positive Veränderung ist. Es schien nichts zur Show beizutragen. Abgesehen davon, dass es alles kürzer gemacht hat."

Auch er glaubt ähnlich wie Wolff, dass das Format spätestens mit der Rückkehr zu Veranstaltungen vor Zuschauern an seine Grenzen stoße. Trotzdem könnten sich die Formel-1-Verantwortlichen zumindest in Teilen für einen Übergang zu Zweitages-Events entscheiden, denn das spült mehr Geld in die Kassen, wie Alexander Wurz weiß.

"Weil 21 Grands Prix die Arbeitsstaffelung ans Limit bringen, versuchen sie, einige Rennen zu verkürzen. Wenn du jetzt zum Beispiel bei sechs Grands Prix einen Arbeitstag sparst, hast du somit zwei Grands Prix gewonnen und kannst mehr austragen. Dann verdient die Formel 1 mehr Geld", erklärt der Ex-Formel-1-Pilot im 'ORF'.

Für Veranstalter ökonomisch weniger lukrativ

Denn: "Irgendwer bezahlt ja diesen Grand Prix, nämlich der Veranstalter, die Strecke, wo man ist. Da geht's ums liebe Geld, ganz einfach." Er selbst ist kein großer Fan dieser verkürzten Rennwochenenden und sieht eine Reihe von Nachteilen.

Alexander Wurz (r.) hofft, dass sich das Zweitages-Format nicht etabliert

Alexander Wurz (r.) hofft, dass sich das Zweitages-Format nicht etabliert<span class="copyright">Motorsport Images</span>
Alexander Wurz (r.) hofft, dass sich das Zweitages-Format nicht etabliertMotorsport Images

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"Für den Promoter selbst finde ich es natürlich eher suboptimal. Denn du hast dieselben Kosten zum Aufbauen, hast aber nur zwei Tage Zeit, um dein Geld zurück zu verdienen, mit dem Kartenverkauf, mit dem Catering, Hotelnächte sind weniger. Das heißt, die Rentabilität für den Veranstalter an sich ist eher gehandicapt."

Doch den Formel-1-Rechtehaltern sei das "wurscht", hält Wurz fest. "Weil sie versuchen, das ganze Paket lukrativer zu gestalten. Deshalb kommen wir ja zu diesem Zweitages-Event." Und dieses spielt aus seiner Sicht vor allem den Topteams in die Karten.

Der Extratag fehlt nicht nur den Formel-1-Teams

"Sie finden Zweitages-Events gut, weil sie wissen, es ist eigentlich nur ein Vorteil für die Topteams. Es ist ganz klar gegen jene Teams, die entweder junge Fahrer haben oder im Hintertreffen sind. Den Alteingesessenen ist der eine Tag zu Hause lieber als zu sagen, nein, wir sind auf der Strecke und machen das, wofür wir eigentlich da sind. Unsere Maschinen, unsere Fahrer zu optimieren, und da fehlt der Freitag."

Deshalb sollte seiner Meinung nach zumindest nicht jeder Grand Prix zum Zweitages-Grand-Prix werden. "Den ein oder anderen Kompromiss auf Strecken, die wir kennen, kann man vielleicht machen. Aber so richtig cool ist es auf keinen Fall", so Wurz.

Zumal der TV-Experte des 'ORF' mit der Verkürzung des Rennwochenendes auch wichtige Medienzeit verloren gehen sieht: "Am Samstag müssen wir über das Zeittraining reden. Am Donnerstag, Freitag mit dem Extratag kannst du auch Geschichten aufbereiten, vorbereiten. Dementsprechend nehmen wir uns Gesamtmedienzeit weg."

Aus all diesen Gründen sei das Zweitages-Format "ein zweischneidiges Schwert", das sich Liberty Media genau ansehen müsse, um Vor- und Nachteile abzuwägen und für die Zukunft eine Entscheidung zu treffen. "Man ist in einer Zwickmühle, ganz einfach."

Weitere Co-Autoren: Adam Cooper. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.