Alex Nouri exklusiv: "Kruse weiß, was er an Werder hat"

Werder Bremen steht mal wieder vor einem Umbruch. Wichtige Säulen der Mannschaft wie Clemens Fritz und Claudio Pizarro sind nicht mehr dabei. Und was ist jetzt eigentlich mit Max Kruse? Bleibt er, oder geht der Star doch noch? Im Exklusiv-Interview mit Yahoo Sport spricht Trainer Alexander Nouri über die Baustellen bei den Grün-Weißen – und seinen Besuch im Iran.

Alexander Nouri, Thomas Delaney hat sich klar zu Werder bekannt. Man hat das Gefühl, dass er richtig angekommen ist und Bock auf Werder hat.  Wünschen Sie sich solche klaren Aussagen eigentlich auch mal von Max Kruse? 

Wir wissen, was wir an Max haben und er weiß, was er an Werder Bremen hat.  Es gibt keine Unklarheiten. Die Identifikation von Max ist groß. Man sieht das im Training auf dem Platz. Man sieht das auch in seinem Umgang mit den Kollegen. Wir sind voller Überzeugung und haben Vertrauen, diesen Weg gemeinsam weiterzugehen.

Werder hat ein paar Säulen verloren: Charakterstarke Spieler wie Clemens Fritz und Claudio Pizarro, auch intelligente Spieler wie Florian Grilltisch. Wie wollen sie als Trainer dieses Vakuum wieder auffüllen?

Wir hatten auch vergangene Saison schon Spieler, die Verantwortung übernommen und Qualität nachgewiesen haben. Es ist natürlich eine große Lücke entstanden. Das waren Persönlichkeiten, die diesen Verein zum Teil über eine Dekade mitgeprägt haben. Diese Spieler haben der Mannschaft durch ihre Art und ihre Werte sehr viel gegeben. Wir werden sie nicht 1 zu 1 ersetzen können. Und dennoch haben wir großes Vertrauen, dass wir diese Lücken auch schließen können.

Mit einer sensationellen Rückrunde führte Alexander Nouri sein Team fast noch in die Europa League.

Sie sind jetzt mit der Mannschaft in den letzten Zügen der Saison-Vorbereitung. In welchem Bereich hat sich das Team besonders verbessert?

Wir haben eine gute Basis. Das hat man in der Rückrunde der vergangenen Saison erkennen können. Wir wollen unser Defensiv-Verhalten, unsere Organisation, weiter verbessern. In dem Bereich haben wir viel gearbeitet. Wir wollen Stabilität auf den Platz bringen und unser Tor besser verteidigen. Wir wollen auch eine unserer Stärken, das Umschaltspiel, weiter verbessern. In allen diesen Bereichen haben wir in der Vorbereitung gut gearbeitet.

Bei Werder kristallisiert sich das 3-5-2-System heraus. Ist das ihr Lieblingssystem oder würden Sie mit dem Bayern-Kader anders spielen lassen?

Es geht immer darum, die Stärken der Spieler am sinnvollsten und erfolgsversprechendsten einzusetzen und weniger darum, eine super Idee zu haben und diese durchzupressen. Darauf aufbauend, müssen wir eine Struktur finden, mit der sich die Spieler identifizieren und vermutlich auch den größtmöglichen Erfolg damit haben werden. Das 3-5-2-System ist  eine Formation, die uns sehr gefällt und indem sich die Spieler auch wohlfühlen.

Alex Nouri hofft und rechnet mit einem Verbleib von Max Kruse.

Die diesjährige Transferperiode nimmt fast schon obszöne Züge an. Selbst Spieler mit kleineren Namen wechseln innerhalb der elitären Champions-League-Gesellschaft für absurde Summen. Man fragt sich: Wo soll das enden? Konkret auf Werder gemünzt: Wie will Werder es in fünf Jahren schaffen, wieder nach oben zu kommen?

Durch eine gewisse Bodenständigkeit und Verlässlichkeit, die diesen Club schon immer ausgezeichnet hat. Und mit Bedacht und dem Blick nach kreativen Lösungen. Werder darf sich nicht dazu verleiten lassen, den eigenen Werten untreu zu werden. Dazu besteht auch keine Gefahr. Ich habe Vertrauen in die handelnden Personen, die über Jahre nachgewiesen haben, sinnvolle Entscheidungen zu treffen – in Sachen Personalpolitik, aber auch was die wirtschaftlichen Belange des Clubs betrifft.

Es gab nach dem Ende der vergangenen Saison Bilder von ihnen aus dem Iran. Für manchen Fan waren das ungewöhnliche Aufnahmen. Was treibt sie dorthin? Und: Verstehen sie auch die Skepsis mancher Betrachter beim Thema Iran?

Mein Vater ist gebürtiger Perser. Ich habe gemeinsam mit Ihm meine Verwandten, die ich lange nicht gesehen habe, im Iran besucht. Dann hat es sich im Vorfeld der Reise so ergeben, dass ich eine Einladung zum WM-Qualifikationsspiel gegen Usbekistan und der darauffolgenden TV-Sportsendung Navad erhalten habe.  Die Menschen im Iran haben ein großes Interesse an Werder Bremen, unserer Arbeit im Team und am Ende auch an mir. Diese Wärme, die mir dort entgegengebracht wurde, hat mich tief berührt. Natürlich gehe ich nicht unreflektiert mit bestimmten Themen um, aber grundsätzlich möchte ich die Kraft des Sports nutzen, um Brücken zu bauen und den Menschen dort positive Botschaften zu senden.