Aldi verkauft keine Eier mehr

Aldi reagiert auf den Eier-Skandal: Der Discounter nimmt vorerst sämtliche Eier aus dem Verkauf. Rewe, Edeka und Lidl sehen dazu noch keine Veranlassung.


Im Skandal um giftbelastete Eier nehmen Aldi Süd und Aldi Nord deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf. Das teilten die Unternehmensgruppen am Freitag mit. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, es könne weiter von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung. Von sofort an dürften nur noch Eier an Aldi geliefert werden, für die ein Nachweis vorliege, dass sie negativ auf fipronilhaltiges Anti-Läusemittel getestet seien. Die Unternehmen teilten mit, das Vorgehen werde möglicherweise dazu führen, dass es zu Engpässen bei der Versorgung mit Eiern kommt.


Die Unternehmensgruppen begründeten ihr Vorgehen den Angaben zufolge damit, dass sie „Klarheit und Transparenz“ bei ihren Kunden herstellen wollten. Schon seit Anfang der Woche beziehe Aldi keine Eier mehr aus gesperrten niederländischen Betrieben. Zudem seien in den vergangenen Tagen in einzelnen Regionen Freiland-, Bodenhaltungs- und Bio-Eier vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, wie es weiter hieß. Die Rewe Gruppe hatte vor wenigen Tagen bereits Eier aus den Niederlanden aus seinen Rewe- und Penny-Läden genommen.

Auf einen so radikalen Schritt wie Aldi wollen Rewe, Lidl und Edeka aber zunächst verzichten. Ein Rewe-Sprecher betonte am Freitag, das Unternehmen sehe derzeit „keine Veranlassung“ zu einer solchen Maßnahme. Rewe beobachte die Entwicklung aber genau. „Sollten wir im Sinne unserer Kunden zu der Erkenntnis kommen, dass weitergehende Schritte notwendig werden, so werden wir entsprechend reagieren“, sagte der Leiter des Rewe-Qualitätsmanagements, Klaus Mayer.

Ganz ähnlich äußerte sich Edeka. Der Handelsriese wies außerdem darauf hin, dass die Eier der Edeka-Eigenmarken ausschließlich aus Deutschland stammten. Bislang liege dem Unternehmen kein Nachweis von Fipronil darin vor.

Lidl erklärte: „Bei unauffälligen Beprobungen sehen wir keine Veranlassung, Ware kategorisch aus dem Verkauf zu nehmen.“ Das Unternehmen nehme jedoch künftig ebenfalls nur noch Eier von Lieferanten an, die nachweislich negativ auf Fipronil getestet worden seien. Darüber berichtete auch die „Heilbronner Stimme“.


Der Deutsche Bauernverband hat den Verkaufsstopp des Discounters Aldi für sämtliche Eier kritisiert. Diese Entscheidung sei „zum jetzigen Zeitpunkt eine überzogene Reaktion“, teilte der Verband am Freitag mit. Auch angesichts bisheriger amtlicher Risikobewertungen und Untersuchungen von Eiern aus deutscher Produktion erscheine dies nicht angemessen. Jetzt stünden vor allem die Behörden in den Niederlanden und von Bund und Ländern in der Pflicht, vollständig für Aufklärung zu sorgen.

Nach Angaben des niedersächsischen Agrarministers Christian Meyer (Grüne) sind weitaus mehr belastete Eier aus den Niederlanden in Deutschland verkauft worden als bislang bekannt. Nach neuesten Informationen handele es sich nicht nur um drei Millionen, sondern zehn Millionen Eier, sagte Meyer am Freitag im ZDF. „Ich glaube, in Deutschland weitet es sich weiterhin aus.“ Der Höhepunkt dieses Gifteier-Skandals sei noch nicht erreicht. Bislang gebe es aber noch keine Hinweise, dass auch von Hühnerfleisch eine Gesundheitsgefahr ausgeht. „Aber wir untersuchen auch das jetzt.“ Produkte, in denen Eier verarbeitet wurden, würden ebenfalls unter die Lupe genommen.

Auch nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Agrarministerin Christina Schulze Föcking (CDU) wird sich das Problem noch ausweiten. „Stand heute müssen wir von sehr viel mehr belasteten Eiern ausgehen, da aus den Niederlanden täglich neue Meldungen auftauchen“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Freitag). Am vergangenen Wochenende hatte ihr Ministerium mitgeteilt, es seien 875 000 Eier in den NRW-Handel gelangt, danach waren bereits weitere belastete Chargen in Packstationen entdeckt worden. „Wir erwarten, dass die Niederlande ihre Untersuchungen in Kürze abschließen und uns dann endlich eine komplette Liste mit Nummern vorlegen“, sagte die Ministerin weiter.

Am Donnerstagabend hatte der Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Berlin mitgeteilt, dass mittlerweile von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen sei. Eine Schlüsselrolle hätten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Lage sei „unter Kontrolle“, es gebe aber „noch keine Entwarnung“. Vorerst nicht betroffen waren laut Bundesministerium die vier Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland.



KONTEXT

Was ist Fipronil?

Einsatz von Fipronil

Fipronil kommt als Pflanzenschutzmittel oder in der Veterinärmedizin zum Schutz von Hunden vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. Fipronil ist allerdings auch für Honigbienen in hohem Maße giftig.

Fipronil in der Landwirtschaft

2013 hat die Europäische Union beschlossen, den Einsatz des Mittels in der Landwirtschaft zu begrenzen. Um Bienenvölker besser zu schützen, darf es zum Beispiel nicht mehr zur Saatgutbehandlung von Mais verwendet werden.

Wirkung von Fipronil auf den Menschen

Beim Menschen kann Fipronil Haut und Augen reizen sowie Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

Entwicklung von Fipronil

Der Wirkstoff wurde in den 1980er Jahren in Frankreich entwickelt.