Aldi, Lidl und Rewe interessieren sich zu wenig für Menschenrechte

Lieferanten deutscher Supermärkte verstoßen laut Oxfam gegen Menschenrechte. Vor allem Discounter scheint das nicht zu interessieren – aus einem einfachen Grund.


In der Werbung präsentiert sich Aldi gerne als Supermarkt, der großen Wert auf Qualität legt. Mit den Menschenrechten allerdings nimmt es der Discounter nicht so genau – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hilfsorganisation Oxfam. Demnach setze sich Aldi viel zu wenig für gute Arbeitsbedingungen und die Einhaltung der Menschenrechte in den Herkunftsländern ihrer Produkte ein.

Bei der Konkurrenz sieht es laut Oxfam auch nicht besser aus: Auch Rewe, Lidl und Edeka scheinen sich für ihre Lieferkette und die Produktion ihrer Lebensmittel nicht zu interessieren.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: So bekämen Mitarbeiter von Lieferanten der Supermärkte weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, teilweise arbeiten sie ohne geltende Arbeitsverträge, Überstunden würden unter Zwang geleistet. Und es geht weiter: Routinemäßig finde bei den Lieferanten physische oder verbale Gewalt gegen Arbeiter statt, Zwangs- und Kinderarbeit seien ebenfalls keine Ausnahme.

Die Erlöse der deutschen Supermarktketten scheint das nicht zu schmälern – im Gegenteil: Laut der Oxfam-Studie bekommen Aldi & Co. bei bestimmten Produkten über 50 Prozent des Verbraucherpreises, während der Anteil der Bauern bei weniger als acht Prozent liegt.

In der Studie präsentiert Oxfam ein Negativbeispiel: So würden Aldi, Edeka, Lidl und Rewe Garnelen von Exporteuren aus Thailand und Indonesien beziehen, bei denen Arbeiter laut Oxfam unter zweifelhaften Bedingungen arbeiten müssen. Es würden Hungerlöhne bezahlt, überlange Arbeitszeiten verlangt und das alles unter herabwürdigenden Arbeitsumständen. Auf diese Weise bekämen deutsche Supermärkte fast 37 Prozent des Verbraucherpreises, die Garnelenbauern lediglich 1,5 Prozent.


Insgesamt sei der durchschnittliche Anteil deutscher Supermarktketten am Endpreis zwischen 1996 und 2015 von 43,1 auf 51,5 Prozent gestiegen, während sich der Anteil der Kleinbauern lediglich von 6,3 auf 7,1 Prozent erhöht habe.

Auch im internationalen Vergleich geben die deutschen Discounter keine gute Figur ab. Supermarktketten aus Großbritannien und den USA seien deutlich aktiver, sagte Oxfam-Expertin Barbara Sennholz-Weinhardt im Gespräch mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ).

Eine vergleichende Statistik zeigt, wie es um die Lieferketten deutscher Supermärkte bestellt ist. So komme keiner hinsichtlich der Transparenz, der Arbeitsbedingungen, der gerechten Behandlung der Kleinbauern und der Frauenrechte über eine Bewertung von acht Prozent hinaus – bei einer Maximalbewertung von 100 Prozent.

Die britische Supermarktkette Tesco setze sich im Vergleich dazu stärker für gute Arbeitsbedingungen bei seinen Lieferanten ein. Hier erreicht Tesco 42 Prozent. Bezüglich der Transparenz kommt Tesco immerhin auf 29 Prozent.

Oxfam schränkt bei aller Kritik gegenüber Aldi & Co. allerdings auch ein, dass die Handlungsmacht der Supermarktketten begrenzt sei. Sie könnten Menschenrechtsverletzungen bei den Lieferanten nicht alleine verhindern. „Andere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle“, heißt es in der Studie. „Etwa ungleiche Machtverhältnisse zwischen Wirtschaftselite und Arbeiter vor Ort, Frauen diskriminierende kulturelle Normen sowie der politische Trend, Gewerkschaften zu unterdrücken.“


Angesichts dieser Komplexität müssten auch Regierungen auf der ganzen Welt geeignete Maßnahmen gegen den Machtmissbrauch ergreifen, lautet eine Forderung in der Oxfam-Studie.

Edeka wies die Vorwürfe auf Anfrage der „WAZ“ zurück. Die Oxfam-Studie sei „intransparent“ und „nicht nachvollziehbar“. „Es handelt sich hier um eine Kampagne und nicht um eine wissenschaftlich-objektive Studie.“

Aldi Nord und Aldi Süd kündigten hingegen an, die Empfehlungen von Oxfam zu prüfen. Lidl gestand laut „WAZ“ immerhin ein, dass der Oxfam-Bericht wichtige Themen für internationale Handelsunternehmen umfasse. Die Rewe-Gruppe wiederum arbeitet nach eigenen Angaben „aktiv an der Weiterentwicklung von Sozial- und Arbeitsstandards“.