Akw-Start in Belarus: Litauen überreicht Note und wendet sich an EU

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VILNIUS (dpa-AFX) - Litauen hat wegen der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks im Nachbarland Belarus (Weißrussland) eine Protestnote an Minsk überreicht. Darin verurteilte das baltische EU-Land die "unverantwortlichen Handlungen", die die "nuklearen und ökologischen Bedrohungen" durch die Anlage nicht nur für Belarus oder Litauen, sondern für ganz Europa verschärften. So habe Belarus beim Bau gegen internationale Konventionen für nukleare Sicherheit verstoßen und auch die Stresstest-Empfehlungen der EU nicht umgesetzt, teilte das Außenministerium in Vilnius am Mittwoch mit

Das Atomkraftwerk an der EU-Grenze war am Dienstag ans Netz gegangen, nachdem Anfang August die ersten Brennstäbe eingesetzt worden waren. Die nur rund 50 Kilometer von Litauens Hauptstadt Vilnius entfernte Anlage in Ostrowez wurde vom russischen Atomkonzern Rosatom gebaut. Es ist das erste Akw der Ex-Sowjetrepublik und gilt als Prestigeprojekt des Präsidenten Alexander Lukaschenko.

Unmittelbar nach der Inbetriebnahme stoppte Litauen seinen Bezug von Strom aus dem Nachbarland. Staatspräsident Gitanas Nauseda rief die EU in einem Brief an Ratspräsident Charles Michel und Kommissionschefin Ursula von der Leyen dazu auf, es seinem Land nachzutun.

Litauen bemängelte wiederholt die Nichteinhaltung von Sicherheits- und Umweltstandards. Es hat das Kraftwerk daher zur Bedrohung der nationalen Sicherheit erklärt und und bereits großangelegte Übungen für den Fall eines atomaren Zwischenfalls abgehalten.