Aktivistin Nakate warnt vor Klimakollaps: 'Keiner ist mehr sicher!'

SCHARM EL SCHEICH (dpa-AFX) -Die prominente afrikanische Klimaschutzaktivistin Vanessa Nakate hat sich empört über die zahlreichen Lobbyisten für Öl, Gas und Kohle auf der UN-Klimakonferenz in Ägypten geäußert. Die fossile Industrie infiltriere schamlos die Konferenz, untergrabe zynisch ihren Zweck und verwandle sie in ein Verkaufs- und Marketing-Event - "für mehr Verschmutzung, mehr Zerstörung und mehr Tod", schimpfte die ugandische Aktivistin von Fridays for Future am Dienstag in Scharm el Scheich auf einem von Großbritannien organisierten Treffen zur Energiepolitik.

An die Regierungsvertreter im Raum appellierte die 26-Jährige, trotz der Energiekrise im Zuge des Ukraine-Kriegs keine neuen Öl-, Gas- und Kohleprojekte mehr zu unterstützen. Andernfalls lasse sich nach Berechnungen der Internationalen Energie-Agentur die Erderhitzung nicht wie 2015 in Paris vereinbart bei 1,5 Grad stoppen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. "Stehen Sie auf der richtigen Seite der Geschichte? Werden Sie diesem moralischen und wirtschaftlichen Wahnsinn ein Ende setzen?", fragte sie in die Runde.

Weiter sagte Nakate, nach ihrem Eindruck hätten viele Staatenführer leider immer noch den Fokus, neue Deals mit Fossil-Konzernen abzuschließen, um die nächsten Wahlen zu überstehen. Dabei seien die schlimmen Folgen der Erderhitzung inzwischen in allen Regionen der Welt zu spüren, etwa häufigere Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen, und Waldbrände - und das bei aktuell nur etwa 1,2 Grad Erwärmung. "Keiner ist mehr sicher!", bilanzierte sie.

"Kein neues Gas, Öl oder Kohle mehr - welcher Teil davon ist nicht klar?", fragte sie in den Saal. Dennoch hätten sich die staatlichen Subventionen für fossile Energieträger im vergangenen Jahr ungefähr verdoppelt. Die Industriestaatenorganisation OECD und die Energieagentur IEA hatten Ende August gemeldetet, dass sich 2021 in insgesamt 51 Ländern die Gesamtförderung für die Gewinnung und den Verbrauch fossiler Energieträger auf 697,2 Milliarden US-Dollar erhöht habe - 2020 seien es noch 362,4 Milliarden Dollar gewesen.