Aktivisten warnen: Kosten des Klimawandels unterschätzt

Der Klimawandel ist wissenschaftlicher Konsens - ebenso, dass er gravierende Folgen hat. Einer neuen Untersuchung zufolge wird genau das aber in der Wirtschaft zu wenig einkalkuliert.

Der Klimawandel hat nicht nur schreckliche humanitäre Folgen, auch die Wirtschaft leidet darunter. (Bild: Felix Marquez/AP/dpa)
Der Klimawandel hat nicht nur schreckliche humanitäre Folgen, auch die Wirtschaft leidet darunter. (Bild: Felix Marquez/AP/dpa)

Die Organisation Finance Watch warnt vor der Unterschätzung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft und das Finanzsystem. Wirtschaftswissenschaftler modellierten das Klimarisiko auf die gleiche Weise wie das traditionelle Finanzrisiko, heißt es in einem in Brüssel veröffentlichten Bericht. «Das bedeutet, dass Wirtschaftsmodelle der Tatsache nicht Rechnung tragen, dass Schäden infolge des Klimawandels außerordentlich groß, unvorhersehbar und dauerhaft sein werden», hieß es.

Mehr als drei Milliarden Menschen betroffen

Klimawissenschaftler warnten vor Kipp-Punkten wie dem Schmelzen des Permafrosts bei einer globalen Erwärmung von etwa zwei Grad Celsius und katastrophalen Folgen bei mehr als drei Grad Celsius. «Wenn der Temperaturanstieg diese Werte erreichen sollte, wird dies verheerende Auswirkungen auf die mehr als drei Milliarden Menschen haben, die unter Rahmenbedingungen leben, die äußerst anfällig für den Klimawandel sind», teilten die Experten mit.

Grafik: J. Reschke, Redaktion: J. Schneider
Grafik: J. Reschke, Redaktion: J. Schneider

Bei Betrachtung der Zahlen scheine ein beispielloser wirtschaftlicher Zerfall unvermeidlich. «Doch die aktuellen Zahlen, die die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft und die Finanzwelt abschätzen, zeichnen ein seltsam positives Bild», hieß es. Das Erreichen von Kipp-Punkten könnte Schäden auf ein Niveau steigern, das weit über jenen der jüngsten Finanzkrisen liegt, hieß es weiter. Konservative Zahlen aber führten zu Inaktivität in politischen Entscheidungskreisen, so die Autoren.

«Mittäter der Inaktivität»

Thierry Philipponnat, Experte bei Finance Watch, sagte: «Wirtschaftswissenschaftler, die die Auswirkungen des Klimawandels analysieren, dürfen sich nicht, wenn auch unfreiwillig, zu Mittätern der Inaktivität der politischen Entscheidungsträger machen.» Die Erstellung voreingenommener Analysen, die zukünftige Kosten unterschätzen, sei keine Option mehr.

Für den Bericht untersuchten die Experten von Finanzaufsichtsbehörden erstellte Wirtschaftsmodelle und deren Übereinstimmung mit den Ergebnissen der klimawissenschaftlichen Literatur. Finance Watch mit Sitz in Brüssel ist eine europäische Nichtregierungsorganisation die sich als Gegenmacht zur Finanzlobby sieht. Eigenen Angaben zufolge setzt sie sich dafür ein, dass die Finanzwelt zum Wohl der Gesellschaft arbeitet.

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