Aktivisten: Syrische Regierungstruppen rücken in IS-Hochburg Majadin vor

Flüchtlinge aus der Provinz Deir Essor in Aleppo

Syrische Regierungstruppen sind nach Angaben von Aktivisten am Freitag in die IS-Hochburg Majadin im Osten des Landes vorgerückt. Mit Unterstützung der russischen Luftwaffe seien die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad in die Stadt vorgedrungen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Soldaten hätten die Kontrolle über Gebäude im Westen der Stadt. Diese war bislang eine der letzten Hochburgen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle stammen von Informanten in Syrien und können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden.

Das 420 Kilometer östlich der Hauptstadt Damaskus gelegene Majadin wurde 2014 vom IS eingenommen, als die Dschihadisten weite Teile Syriens und des Iraks besetzten und ein "Kalifat" ausriefen. Russland hat in den vergangenen Tagen seine Luftangriffe gegen Dschihadisten in der Provinz Deir Essor verstärkt. Moskau unterstützt die syrische Regierung in ihrem Kampf gegen islamistische Aufständische.

Das am westlichen Euphratufer gelegene Majadin befindet sich auf halber Strecke zwischen der Provinzhauptstadt Deir Essor und der irakischen Grenze. Der IS kontrolliert etwa die Hälfte der Provinz, und auch in der gleichnamigen Provinzhauptstadt hält er weiter einige Distrikte.

Nach Angaben der bewaffneten Assad-Gegnern nahe stehenden Beobachtungsstelle zielt der Vorstoß der syrischen Armee auf das von Dschihadisten-Kämpfern kontrollierte Al-Omar-Ölfeld im Nordosten von Majadin, das 2015 bei Luftangriffen der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition zerstört wurde. Der IS erzielte demnach durch den Verkauf von Öl aus dem Feld monatliche Einnahmen in Höhe von bis zu 4,3 Millionen Euro.

Die Offensive gegen den IS in der Provinz Deir Essor geht mit hohen Verlusten unter der Zivilbevölkerung einher. Wie die Beobachtungsstelle mitteilte, traf ein Angriff der russischen Luftwaffe in der Nacht zum Freitag mindestens 14 Zivilisten, die in der Nähe von Majadin auf Flößen den Euphrat überquerten.

Unter den Opfern des nächtlichen Angriffs seien drei Kinder gewesen, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Nach seinen Angaben waren die Zivilisten auf der Flucht vor Kämpfen im Dorf Mahkan südlich von Majadin, als sich der Luftangriff ereignete.

Bereits am Mittwoch waren der Beobachtungsstelle zufolge bei einem russischen Luftangriff in der Provinz Deir Essor 38 Zivilisten getötet worden. Sie versuchten demnach aus Gegenden zu flüchten, in denen von Russland unterstützte Regierungstruppen gegen die IS-Dschihadisten kämpfen.

Gegen den IS kämpft in der Provinz auch die kurdisch-arabische Allianz der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von der US-geführten Koalition unterstützt wird. Am Dienstag wurden der Beobachtungsstelle zufolge bei einem Luftangriff in der nordsyrischen Stadt Raka mindestens 18 Zivilisten getötet.

Um die einstige IS-Hochburg Raka, die kurz vor der vollständigen Einnahme durch die SDF-Allianz steht, toben heftige Gefechte. Laut Internationalem Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kommen in einigen Flüchtlingslagern täglich mehr als tausend Zivilisten an, die vor den Kämpfen fliehen.

Syrien wird nach Einschätzung des IKRK von den heftigsten Kämpfen seit der Schlacht um Syriens im Norden gelegene zweitgrößte Stadt Aleppo im vergangenen Jahr erschüttert. In jüngster Zeit seien dabei hunderte Zivilisten getötet worden, beklagte die Organisation am Donnerstag in Genf. Zudem seien Schulen und Krankenhäuser zerstört worden. Das UN-Büro für humanitäre Hilfe (Ocha) beklagte in einer eigenen Erklärung eine hohe Zahl ziviler Opfer in Folge "schwerer Luftangriffe".