Syrische Regierung zwingt Rebellen zum Abzug aus Ost-Ghuta

Hunderte syrische Rebellenkämpfer sind laut Aktivisten aus der Enklave Ost-Ghuta ausgereist. Die Busse mit den Kämpfern der Islamistengruppe Ahrar al-Scham erreichten die Provinz Idlib, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete

Syriens Regierung ist der Einnahme der Rebellenenklave Ost-Ghuta einen wichtigen Schritt näher gekommen, nachdem eine zweite Rebellengruppe ihren Abzug aus dem Gebiet bei Damaskus zugesagt hat. Fajlak al-Rahman werde am Samstag mit der Verlegung ihrer Kämpfer aus dem Gebiet beginnen, berichtete das Staatsfernsehen. Während die Rebellengruppe Ahrar al-Scham ihren Abzug fortsetzte, liefen auch mit der dritten Gruppe in Ost-Ghuta Verhandlungen an.

Laut dem Staatsfernsehen sollen insgesamt 7000 Kämpfer und Angehörige von Fajlak al-Rahman aus dem Gebiet um Samalka im Süden von Ost-Ghuta abziehen. Die Evakuierung soll am Samstagmorgen beginnen. Fajlak al-Rahman bestätigte die Einigung zunächst nicht. Die Gruppe hatte am Donnerstag mitgeteilt, ab Mitternacht die Waffen ruhen zu lassen, um mit Russland zu verhandeln.

Kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe wurden 37 Zivilisten in der Ortschaft Arbin getötet. Sie seien in einem Schutzraum "verbrannt und erstickt", nachdem russische Kampfflugzeuge Brandbomben abgeworfen hätten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. AFP-Aufnahmen deuteten auf den Einsatz von Phosphor hin, dessen Einsatz in Wohngebieten gegen internationales Recht verstößt.

Bereits am Donnerstag waren bei vermutlich russischen Luftangriffen in der Gegend um Samalka 38 Zivilisten getötet worden. Laut der Beobachtungsstelle gab es seit Beginn der Offensive am 18. Februar in Ost-Ghuta rund 1600 zivile Tote. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort. Für Medien sind sie kaum zu überprüfen.

Die Rebellengruppe Ahrar al-Scham hatte sich am Mittwoch mit der Regierung auf den Abzug ihrer Kämpfer aus Ost-Ghuta geeinigt. Hunderte ihrer Kämpfer trafen am Freitag mit ihren Angehörigen in Idlib ein, wie die Beobachtungsstelle erklärte. Am Freitag sollte ein zweiter Konvoi von Harasta nach Idlib aufbrechen. Insgesamt sollen 1500 Kämpfer mit 6000 Angehörigen die Stadt verlassen.

Der Syrien-Experte Nawar Oliver vom türkischen Omran Centre sagte, die Gruppe habe ihren bedingungslosen Abzug akzeptieren müssen. "Das einzige, was ihnen zugesagt wurde, war, dass sie gehen können, ohne getötet zu werden", sagte Oliver. In der Vergangenheit hatten die Rebellen schon wiederholt Bastionen bei Damaskus geräumt und sich nach Idlib zurückgezogen.

Auch mit der dritten Rebellengruppe in Ost-Ghuta, Dschaisch al-Islam, liefen am Freitag Verhandlungen, wie aus dem Stadtrat der von ihr kontrollierten Stadt Duma verlautete. Laut der Beobachtungsstelle ist in diesem Fall nicht ein Abzug der Rebellen im Gespräch, sondern ihre Umwandlung in eine lokale Polizeitruppe. Damit steht Machthaber Baschar al-Assad kurz davor, Ost-Ghuta wieder unter Kontrolle zu bringen.

Seit Beginn der Offensive auf Ost-Ghuta haben die Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe rund 80 Prozent des Gebiets vor den Toren der Hauptstadt erobert, das seit 2013 unter Belagerung stand. Idlib ist die letzte Provinz, die sich weitgehend dem Zugriff von Assad entzieht, doch verloren die Rebellen seit Dezember große Gebiete im Südosten der Provinz.