Syrische Rebellen in Duma stimmen Evakuierung aus umkämpfter Stadt zu

Die Rebellen in der syrischen Stadt Duma haben Aktivisten zufolge eine erste Vereinbarung mit Russland über die humanitäre Evakuierung von Zivilisten erzielt

Rund sechs Wochen nach Beginn ihrer Offensive steht die syrische Armee offenbar vor der vollständigen Einnahme der früheren Rebellenbastion Ost-Ghuta. Die letzte in der Stadt Duma verschanzte Rebellengruppe stimmte übereinstimmenden Angaben vom Sonntag zufolge dem Beginn des Abzugs unter sicherem Geleit zu. Russische Militärpolizei soll in die Stadt einrücken, ehe die syrische Regierung sie wieder unter Kontrolle nimmt.

Mit massiven Luftangriffen, Belagerungen und Vorstößen am Boden hatten die syrische Armee und die verbündete russische Luftwaffe die Rebellen seit Beginn der Offensive Mitte Februar immer stärker in Bedrängnis gebracht. Nach und nach brachen sie den Widerstand und übernahmen frühere Rebellenbastionen. Nur das städtische Zentrum Duma befand sich zuletzt noch unter Kontrolle von Rebellen.

Die in Duma vorherrschende Rebellengruppe Dschaisch al-Islam stimmte nun einer Evakuierungsvereinbarung zu, die den Abzug von Zivilisten, Kämpfern und deren Familien vorsieht. Dies meldeten syrische Staatsmedien und die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Dschaisch al-Islam äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten.

Nach Angaben der syrischen Regierungszeitung "Al-Watan" sollen die Evakuierten aus Duma in eine Rebellenenklave nach Nordsyrien gebracht werden. Die Vereinbarung sehe auch vor, dass die abziehenden Rebellen ihre schweren Waffen übergeben. Damit stünde einer kompletten Rückeroberung der früheren Rebellen-Region Ost-Ghuta durch Syriens Armee nicht mehr viel im Wege.

Die nun mit Dschaisch al-Islam getroffene Abzugsvereinbarung ähnelt den Abkommen, die zuvor schon mit zwei weiteren Rebellengruppen in Ost-Ghuta geschlossen worden waren.

Nach Schätzungen der Beobachtungsstelle zogen infolge dieser Vereinbarungen bereits rund 45.000 Zivilisten und Rebellen aus Ost-Ghuta ab. Die Regierung kontrollierte nach letzten Angaben der Beobachtungsstelle etwa 95 Prozent der früheren Rebellenbastion.

Für Syriens Machthaber Baschar al-Assad wäre die komplette Rückeroberung von Ost-Ghuta ein großer Sieg. Wegen ihrer Nähe zu Damaskus hat die Region eine besondere strategische und symbolische Bedeutung.

Die syrische Armee und ihre Verbündeten gingen mit massiver militärischer Gewalt gegen Ost-Ghuta vor. International wurde dieses Vorgehen scharf kritisiert. Mehr als 1600 Zivilisten fanden laut Beobachtungsstelle im Kessel von Ost-Ghuta den Tod.

Erst am Samstag hatten syrische Staatsmedien die Räumung der vorletzten noch von Rebellen gehaltenen Enklave in Ost-Ghuta geräumt. Die Gebiete Dschobar, Arbin, Samalka und Ain Terma seien "sicher und vom Terrorismus geleert", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana, nachdem die letzten Busse mit Kämpfern und Zivilisten die Region verlassen hatten.

Bis Freitag hatten im Zuge der Evakuierungsaktion bereits 31.890 Menschen den von der Islamistengruppe Fajlak al-Rahman kontrollierten Süden von Ost-Ghuta verlassen, wie Sana meldete. Nach der Gruppe Ahrar al-Scham hatte vor einer Woche auch Fajlak al-Rahman zugesagt, ihre Kämpfer aus Ost-Ghuta abzuziehen. Nur die Rebellengruppe Dschaisch al-Islam behielt ihren Widerstand zunächst noch aufrecht.

Die Ost-Ghuta-Region vor den Toren von Damaskus war eine der ersten Hochburgen der Opposition nach Beginn des Syrien-Konflikts vor sieben Jahren. Bereits 2012 wurde sie von den Rebellen eingenommen, seit 2013 stand sie unter Belagerung der Armee. Knapp 400.000 Menschen lebten in den östlichen Vororten der Hauptstadt. Zu der Region von rund hundert Quadratkilometern gehören große Industrieanlagen, aber auch fruchtbare landwirtschaftliche Gebiete.

Wegen der langen Blockade mangelt es in Ost-Ghuta an Lebensmitteln und Medikamenten, viele Einwohner leiden seit langem an Hunger, gerade Kinder sind teils stark unterernährt. Die massive Offensive der Armee hatte das Leid der Zivilisten in den vergangenen Wochen noch weiter verschärft.