Syrische Rebellen sagen Übergabe von Gebieten in Kuneitra zu

Syrische Regierungskämpfer verlassen Fua und Kafraja

Unter Druck der syrischen Regierungstruppen haben die Rebellen zugestimmt, in einem Gebiet an den Golan-Höhen ihre Waffen niederzulegen. Die Vereinbarung sehe vor, dass sie die Provinz Kuneitra und die Pufferzone zu den Golan-Höhen an Regierungskräfte übergäben, teilten eine Aktivistengruppe und ein Unterhändler der Rebellen am Donnerstag mit. Zuvor hatten die Rebellen bereits zugestimmt, alle Bewohner der belagerten Dörfer Fua und Kafraja in Nordsyrien abziehen zu lassen.

Nach Angaben von Rami Abdel Rahman, dem Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, sieht die unter russischer Vermittlung getroffene Vereinbarung zu Kuneitra vor, dass die Rebellen im Zuge einer Waffenruhe ihre schweren und mittleren Waffen abgeben und die Rückkehr der Regierungsinstitutionen in die bisher von ihnen kontrollierten Gebieten akzeptieren.

Einige Rebellen würden in Gebiete unter Kontrolle der Opposition in Nordsyrien gebracht, sagte Rahman. Die Vereinbarung gelte aber nicht für das Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham, das einige Gebiete in den Provinzen Daraa und Kuneitra kontrolliert. Ein Unterhändler der Rebellen bestätigte, dass eine vorläufige Vereinbarung für eine Waffenruhe in Kuneitra getroffen worden sei.

In Kuneitra und Daraa galt seit vergangenem Jahr ein regionaler Waffenstillstand, der lange Zeit weitgehend eingehalten worden war. Nach der Rückeroberung der Rebellenenklave Ost-Ghuta bei Damaskus und anderen Gebieten im Umland der Hauptstadt begann Machthaber Baschar al-Assad jedoch, Truppen am Rande der Rebellengebiete im Süden zusammenzuziehen.

In den vergangenen Wochen zwang die Regierung dann die Rebellen durch militärischen Druck zur Übergabe eines Großteils ihrer Gebiete in der Provinz Daraa. Anschließend nahmen die Regierungstruppen auch die angrenzende Provinz Kuneitra unter Beschuss, die wegen ihrer Nähe zu den von Israel besetzten Golan-Höhen von besonderer Bedeutung ist.

Israels Streitkräfte erklärten am Donnerstag, sie beobachteten die Entwicklung an der Grenze genau, wo zehntausende Syrer Zuflucht vor den Kämpfen gesucht haben. Israel ist besorgt, dass nach dem Abzug der Rebellen mit der syrischen Armee auch iranische Truppen in das Grenzgebiet gelangen. Israel will auf jeden Fall verhindern, dass sich sein Erzfeind dort festsetzt.

Die syrische Armee hat seit 2015 mit Unterstützung der russischen Luftwaffe und iranischer Truppen den Großteil des Landes zurückerobert. Am Donnerstag verzeichnete die Regierung einen weiteren Erfolg, als die Rebellen der Evakuierung der letzten beiden von ihnen belagerten Orten zustimmten. So konnten die Bewohner der Orte Fua und Kafraja nach jahrelanger Belagerung abziehen.

Die beiden Orte in der nordwestlichen Provinz Idlib seien "vollkommen leer", teilte die Beobachtungsstelle mit. Es hätten etwa 6900 Zivilisten und regierungstreue Kämpfer die Dörfer in dutzenden Bussen verlassen. Die Evakuierung ist Teil einer Vereinbarung zwischen Russland als Verbündetem der syrischen Regierung und der Türkei als Unterstützer der Aufständischen.

Im Gegenzug für den Abzug der Bewohner der beiden mehrheitlich schiitischen Dörfer, die seit 2015 belagert worden waren, sagte die Regierung die Freilassung von 1500 Gefangenen zu. Bereits 2017 war der Abzug eines Teils der Bewohner von Fua und Kafraja vereinbart worden, doch waren damals bei einem Angriff auf den Flüchtlingskonvoi 150 Menschen getötet worden, darunter 72 Kinder.