Aktivisten: Dschihadisten in Idlib starten neue Offensive

Als Reaktion auf eine neue Offensive von eines Dschihadisten haben das syrische Militär und sein russischer Verbündeter Luftangriffe in zwei Provinzen gestartet, die zu einer der Deeskalationszonen gehören. Laut Aktivisten wurde auch eine Klinik getroffen

Als Reaktion auf eine neue Offensive von Dschihadisten haben das syrische Militär und sein russischer Verbündeter Luftangriffe in zwei Provinzen gestartet, die zu einer der Deeskalationszonen im Land gehören. Dabei wurden Aktivisten zufolge am Dienstag auch Krankenhäuser getroffen.

Das von einem früheren Al-Kaida-Ableger dominierte Bündnis Hajat Tahrir al-Scham griff mehrere Dörfer unter Kontrolle der Regierungstruppen an der Grenze der Provinzen Idlib und Hama an, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Eine Stunde später starteten demnach syrisch-russische Angriffe auf die Versorgungslinien der Dschihadisten. Laut der Beobachtungsstelle wurden bei den Kämpfen 19 syrische Soldaten sowie zwölf Dschihadisten und zwei ihrer Sanitärer getötet.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle beruft sich bei ihren Angaben auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien, von unabhängiger Seite lassen sie sich jedoch nur selten überprüfen.

Bei den syrischen Luftangriffen wurden den Aktivisten zufolge auch eine Geburtsklinik in Al-Tah, eine medizinische Versorgungsstelle in Chan Scheichun sowie zwei nahe gelegene Krankenhäuser in der Provinz Idlib getroffen. Eine Angestellte der Klinik in Al-Tah sei getötet worden. Die Wohltätigkeitsorganisation UOSSM, die das Krankenhaus ausgerüstet hat, verurteilte die Angriffe, bei denen der Raum mit Brutkästen für Frühchen "vollkommen zerstört" worden sei.

Auch die staatliche Nachrichtenagentur Sana berichtete von heftigen Kämpfen und Luftangriffen auf die Nachschublinien von Hajat Tahrir al-Scham. Die Gruppe ist ebenso wie die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) von einer seit Mai geltenden Waffenruhe in der Provinz Idlib ausgenommen. Seitdem war es weitgehend ruhig in der Region.

Idlib sowie Teile von Hama gehören zu einer von vier Deeskalationszonen, die von Russland, dem Iran und der Türkei ausgehandelt worden waren. Erst vergangene Woche vereinbarten die drei Garantiemächte gemeinsame Patrouillen, um die Einhaltung der Waffenruhe in der Deeskalationszone zu überwachen.

Derweil forderte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in der Generaldebatte vor der UN-Vollversammlung eine Kontaktgruppe für Syrien. Die im kasachischen Astana geführten Verhandlungen zum Syrien-Konflikt seien "nicht ausreichend", sagte Macron in New York. Nach seinen Vorstellungen sollten zu der neuen Kontaktgruppe die fünf Vetomitglieder des UN-Sicherheitsrats sowie "die Konfliktparteien" gehören. Ob auch der Iran teilnehmen sollte, sagte er nicht. Dies würden die USA strikt ablehnen.

Russland warf US-gestützten Rebellen unterdessen vor, syrische Truppen im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) rund um die Stadt Deir Essor zu behindern. Die russische Armee erklärte unter Berufung auf Berichte syrischer Generäle, deren Truppen seien nach dem Überqueren des Euphrat aus dem Norden beschossen worden. Die Gegend, aus der die Angriffe gekommen seien, werde von den Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kontrolliert, die von Washington unterstützt werden.

Derzeit versuchen die syrischen Regierungstruppen mit einer Offensive, den IS im ostsyrischen Deir Essor einzukreisen. Parallel dazu stoßen die SDF mit Unterstützung der US-geführten Anti-IS-Koalition auf die Stadt vor. In der Provinzhauptstadt hatten syrische Regierungstruppen in zwei Vierteln über Jahre unter Belagerung der Dschihadisten ausgeharrt.