Aktion: Nachbarn spenden Kacheln für Kunstwerk

Oliver Gather setzt Bruchstücke zum Mosaik zusammen - Präsentation auf dem "10 qm"...

Eines steht schon mal fest: Die Anwohner im Viertel rund um die Kirche St. Hildegard haben fast alle einen zurückhaltenden Geschmack. Für ihre Fußböden und Wände wählen sie am liebsten Kacheln und Fliesen in gedeckten Farben: Beige, grau geflammt, hellbraun, dunkelbraun. Hin und wieder kommt auch mal Schwimmbadblau vor oder ein heiteres Lindgrün, greller jedoch auf keinen Fall. Man liebt es wohl unauffällig im Wohnquartier diesseits der Amsterdamer Straße und die Anwohnerschaft scheint, was das ästhetische Empfinden betrifft, recht homogen zu sein.

Mit der Schubkarre unterwegs

Diesen Schluss legt jedenfalls die Ansammlung von Kacheln und Fliesen nahe, die Oliver Gather für eine Kunstinstallation aufgetrieben hat. Mit der Schubkarre zog er vergangene Woche durch die Straßen, klingelte an Haustüren und fragte nach Keramikresten, die im Keller lagerten. Den verdutzten Bewohnern erläuterte er auch sogleich Sinn und Zweck: Mit den Fundstücken wolle er das Asphaltquadrat an der Kreuzung von Flora- und Kuenstraße zum Mosaik umgestalten.

Die Fläche dient seit drei, vier Jahren unter dem Titel "10 qm" als Ort für Kunst im öffentlichen Raum. Alle paar Wochen findet eine Performance statt, oder es ist eine Installation aufgebaut, stets von einem anderen Akteur. Initiatorin der Reihe ist die in Riehl lebende Künstlerin Stefanie Klingemann, sie kuratiert sie mit ihrem Kollegen Frank Bölter.

Dass die Wiese Schauplatz einer Performancereihe ist, hat sich auch bei den Anwohnern längst herumgesprochen. So sei er auf überraschend viel Gebefreudigkeit gestoßen, erzählte Gather. Der 54-Jährige ist als freischaffender Künstler tätig und lebt in Düsseldorf, an der dortigen Akademie studierte er in den 80er Jahren Bildhauerei bei Ulrich Rückriem und Tony Cragg. "Die meisten Anwohner haben meine Frage nach alten Kacheln sehr positiv aufgenommen", so Gather, "manchmal hieß es sogar, auch wenn ich jetzt gerade keine finde, eine Kachel kriegen Sie von mir noch auf jeden Fall."

Klein, groß, glatt oder mit Struktur, alle aus verschiedenen Epochen, ein Sammelsurium häufte sich an. Einige wenige sind Randfliesen im bunten, ornamentalen Stil, wie er in den 90er Jahren zunehmend beliebt wurde. Am Sonntag begann Gather mit der Verlegung. Fliesenleger Axel Fabry half, die Arbeit dauerte mehrere Tage. Einzelne Platten mussten zurechtgeschnitten werden, damit sie ins Flickenmosaik hineinpassten. Zu guter Letzt wurde verfugt.

Welche Botschaft ist mit dem Werk verbunden? "Es entsteht eine Bildfläche, die auf besondere Weise die Siedlung abbildet", sagte Gather. "Wahnsinnig tolle Kunst zu machen", sei nicht seine Absicht. Vielmehr solle der Betrachter "ganz gewöhnliche Materialien" neu wahrnehmen.

Die öffentliche Vernissage findet am morgigen Freitag statt, 11. August, um 18 Uhr. Er hoffe darauf, zu dem Termin möglichst viele Kachelstifter zu sehen, sagte Gather. Etwa vier Wochen wird das Karrée zu bewundern sein, dann wird es wieder abgebaut....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta