323 Milliarden Euro für Aktionäre europäischer Konzerne

In diesem Frühjahr können sich Anleger auf rekordhohe Ausschüttungen freuen. Laut einer aktuellen Studie werden europäische Aktiengesellschaften wohl 323 Milliarden Euro verteilen – so viel wie noch nie.


Die Hauptversammlungen der Unternehmen läuten traditionell die Dividendensaison ein. Aktionäre können sich in diesem Frühjahr erneut auf Rekordzahlungen freuen. Europäische Aktiengesellschaften werden voraussichtlich 323 Milliarden Euro ausschütten, 7,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das ist das Ergebnis einer Analyse des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (Allianz GI). Auch in Deutschland werden die Dividenden wohl auf neue Höhen steigen. So dürften allein die Ausschüttungen der 30 Dax-Konzerne um elf Prozent auf 35,3 Milliarden Euro klettern, schätzen die Anlageprofis der Commerzbank.

Dividendenzahlungen sind für Anleger in mehrerer Hinsicht wichtig: Die Ausschüttungen tragen oft einen wesentlichen Anteil zur Performance einer Aktie bei. Während die durchschnittliche jährliche Kursentwicklung bei einer fünfjährigen Haltedauer auch negativ ausfallen kann, tragen die Dividenden zu einem positiven Gesamtergebnis bei. Wie die Kapitalmarktexperten von Allianz GI ausgerechnet haben, macht der Anteil der Dividendenzahlungen in Europa 38,2 Prozent der jährlichen Gesamtperformance aus.


Hinzu kommt, dass die Dividenden bei vielen Unternehmen in Zeiten von Niedrigzinsen äußerst attraktiv sind. „Die Dividendenrendite in Europa liegt schon seit Jahren mehr als zwei Prozentpunkte über der Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen“, erklärt Hans-Jörg Naumer, der die Kapitalmarktanalyse bei Allianz GI leitet. Commerzbank-Aktienstratege Andreas Hürkamp nennt in seinen Auswertungen regelmäßig Konzerne aus dem deutschen Leitindex Dax, deren erwartete Dividendenrendite für das Jahr 2017 deutlich über der ihrer Unternehmensanleihen liegt – darunter BASF, Daimler, Deutsche Post und Deutsche Telekom.

Im Jahr 2017 zahlten die portugiesischen Unternehmen laut Allianz GI europaweit die höchste Dividendenrenditen mit im Schnitt fast 4,5 Prozent, gefolgt von spanischen und finnischen Firmen mit 4,1 Prozent und 4,0 Prozent. In Deutschland lag die durchschnittliche Dividendenrendite bei 2,5 Prozent. Europäische Unternehmen haben demnach im vergangenen Jahr im Schnitt 80 Prozent ihrer Gewinne und damit mehr als jemals zuvor als Dividenden ausgeschüttet.

Auch wenn diese Durchschnittswerte eine Orientierungshilfe bieten, seien aber die individuelle Höhe der Ausschüttung – und die Frage, wie ein Unternehmen die erwarteten Cash-Flows in eine nachhaltige Dividendenpolitik übersetzen kann – entscheidender für ein Investment, betont Jörg de Vries-Hippen, Chefanlagestratege für europäische Aktien bei Allianz GI. „Insbesondere Öl-, Telekom- und Versicherungswerte sind aus Dividendenperspektive derzeit attraktiv“, meint er.