Aktionär Hot-Stock Euromicron: Die Verbindung steht wieder

Michael Schröder
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Aktionär Hot-Stock Euromicron: Die Verbindung steht wieder

Euromicron befindet sich im Umbruch. Mittlerweile sind erste Erfolge der Reorganisation bei dem Netzwerkspezialisten sichtbar. Mit dem Fokus auf dem Zukunftsmarkt „Internet der Dinge“ will Vorstand Bettina Meyer wieder nachhaltig schwarze Zahlen schreiben.

Bilanzierungsfehler, Gewinnwarnung, Austausch der Führungsetage, neue strategische Ausrichtung: Hinter den Investoren von Euromicron liegen bewegte Zeiten. Die Umsetzung notwendiger Reorganisationsmaßnahmen hat in den letzen beiden Jahren die Marge belastet. Zudem haben Deinvestitionen verlustträchtiger und strategisch nicht relevanter Beteiligungen zu Abschreibungen in Millionenhöhe geführt. Mittlerweile ist aber Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

„Im Zuge der Neuausrichtung der Strategie wurden im Jahr 2015 notwendige Reorganisationsmaßnahmen umgesetzt, die in den operativen Gesellschaften bis zum Ende des Geschäftsjahres 2016 im Wesentlichen abgeschlossen wurden“, so Vorstand Bettina Meyer gegenüber dem AKTIONÄR. Euromicron will sich künftig noch stärker auf die Zielmärkte „Digitale Gebäude“, „Industrie 4.0“ und „Kritische Infrastruktur“ mit Steuerungssystemen für das Gebäudemanagement, intelligent vernetzten Arbeitsplatzsystemen, Netzwerken für Energieversorger oder Verkehrsinfrastrukturprojekten konzentrieren. So will man den Kunden helfen, Geschäfts- und Produktionsprozesse zu vernetzen und zu digitalisieren. Von der Konzeption über den Betrieb bis hin zu Serviceleistungen realisieren die Hessen kundenspezifische Lösungen und schaffen die dafür notwendigen IT-, Netzwerk- und Sicherheitsinfrastrukturen.

„Die neue Euromicron steht vor allem für eine erhöhte Effizienz und eine bessere Nutzung von Synergien innerhalb der Gruppe“, bringt die Chefin die Veränderungen auf den Punkt. 2017 bezeichnet die Firmenlenkerin selbst als „Transformationsjahr“. Die eingeleiteten Maßnahmen zum Konzernumbau tragen zwar erste Früchte. Dennoch dominieren bei den Frankfurtern noch die roten Zahlen. Mit der aktuellen Entwicklung ist Meyer aber zufrieden: „Aufgrund des zyklischen Geschäfts mit dem Ergebnisschwerpunkt im vierten Quartal laufen die Geschäfte im ersten Quartal traditionell eher langsam an. Dennoch ist es uns gelungen, im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres alle wesentlichen Kennzahlen zu verbessern.“

Auch bei Marcel Goldmann, Analyst bei GBC Research, kamen die Q1-Daten gut an: „Die Zahlen lassen die Erfolge der Reorganisationsanstrengungen der vergangenen beiden Jahre immer deutlicher sichtbar werden.“ Auch die Auftragseingänge der fortgeführten Geschäftsbereiche haben sich im ersten Quartal erfreulich entwickelt: Diese konnten um rund zehn Millionen Euro auf 94,6 Millionen gesteigert werden und beinhalten zunehmend auch Auftragseingänge aus Digitalisierungsprojekten. Der Auftragsbestand lag zum 31. März bei 142 Millionen Euro und damit um rund 22 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Die gefüllten Orderbücher stellen eine gute Basis für die weitere Entwicklung im laufenden Jahr dar.

Für das laufende Transformationsjahr rechnet Meyer mit einem Umsatz zwischen 330 und 350 Millionen Euro – bei einer EBITDA-Marge im Bereich von vier bis fünf Prozent. Die Strukturkosten für den Konzernumbau werden dabei wahrscheinlich noch einmal mit rund 2,5 Millionen Euro belasten. Damit dürften am Ende unter dem Strich auch für 2017 rote Zahlen stehen. Künftig steht mehr und mehr die Verbesserung der Rentabilität im Vordergrund. „Auf der Kostenseite wurden entsprechende Effizienzsteigerungsmaßnahmen eingeleitet. Auf der Umsatzseite wurde der Fokus verstärkt auf margenstärkere Aufträge gelegt. Zudem ist das Unternehmen bestrebt, durch die verstärkte Verknüpfung der einzelnen Gesellschaften zusätzliche Synergien zu erzielen“, sagt GBC-Mann Goldmann.

Für den Euromicron-Vorstand ist entscheidend, den Konzern weiter konsequent auf den Zukunftsmarkt „Internet der Dinge“ auszurichten. „Mit jedem Schritt werden wir dabei unsere Ausgangslage weiter verbessern“, so Meyer. Daher treibt die Chefin den Umbau unermüdlich voran: „Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir einerseits unsere Kompetenzen durch Investitionen in strategische Geschäftsfelder weiter stärken“, gibt sie den Weg vor. „Andererseits sind für uns auch strategische M&A-Aktivitäten eine Option, um das Portfolio um komplementäre Lösungen und Technologien zu erweitern und die Wettbewerbsfähigkeit in unseren Zielmärkten zu erhöhen.“

Das größte Wachstumspotenzial liegt im Bereich „Kritische Infrastruktur“. In der Vergangenheit ist der Umsatz mit elektronischer Sicherungstechnik in Deutschland deutlich angewachsen. So ist der Umsatz in diesem Bereich von 2010 bis 2015 um 45,5 Prozent gestiegen und damit im Jahresdurchschnitt um 7,8 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass dieser Wachstumstrend auch in Zukunft anhalten und Euromicron von dieser Entwicklung signifikant profitieren wird“, so Analyst Goldmann. Passend dazu haben die Hessen im Januar den IT-Sicherheitsspezialisten Koramis erworben und damit die Wertschöpfungskette um Cybersecurity für kritische In­frastrukturen und industrielle Infrastrukturen erweitert.

https://www.euromicron.de/unternehmen/kurzportraet

Bei aller Euphorie und Aufbruchstimmung: Bis alle eingeleiteten Maßnahmen zum Umbau des Konzerns die gewünschten Effekte zeigen, wird noch viel Wasser den Main hinunterfließen. „Wir erwarten in den kommenden Jahren durch die Transformation eine signifikante Verbesserung unserer Profitabilität, wobei wir erst nach Abschluss der Transformationsphase ab 2019 von nachhaltigem profitablem Wachstum ausgehen“, sagt Meyer. DER AKTIONÄR ist zuversichtlich, dass ab dem kommenden Jahr auch unterm Strich schwarze Zahlen stehen werden und die Marge in den kommenden Jahren wieder nachhaltig auf sechs Prozent und mehr anziehen sollte.

Auch die bilanzielle Situation dürfte sich kontinuierlich verbessern: Euromicron verfügte über eine Eigenkapitalquote in Höhe von 33,7 Prozent zum Ende des Jahres 2016 – ein ordentlicher Wert für ein Technologieunternehmen. „Wir gehen davon aus, dass sich aufgrund der guten Wachstumsaussichten, der Synergiepotenziale und der Effizienzsteigerungsmaßnahmen die Rentabilität des Unternehmens in naher Zukunft deutlich verbessern wird. Dies sollte sich auch positiv auf die Kapitalstruktur auswirken“, so GBC-Analyst Goldmann.

Euromicron sollte gestärkt aus der Transformation hervorgehen und mit einer verbesserten Produktpalette sowie einer schlankeren Kostenstruktur wieder nachhaltig auf den Wachstumspfad zurückkehren. Die Aktie hat sich bereits von den Tiefstständen lösen können. Bei anhaltend positivem Newsflow dürfte dies aber erst der Anfang einer neuen Aufwärtsbewegung sein.