Aktienmarkt erstaunlich friedlich vor US-Inflationszahlen: Der Tag mit Bloomberg

(Bloomberg) -- Nach der lebhaften Aktienrally der letzten Wochen sollte man meinen, dass der heutige US-Inflationsbericht ein größeres Risikopotenzial birgt, wieder einmal zu enttäuschen. Bisher preisen die Märkte jedoch eher “ruhige See” ein als “Sturm”. Vergleicht man implizite oder erwartete Volatilität mit tatsächlich realisierten Schwankungen am US-Aktienmarkt zeigt sich erneut eine Lücke, die zu früheren Zeitpunkten in diesem Jahr meist schnell geschlossen wurde, wenn Aktien mal wieder eine Enttäuschung am Inflationshorizont verdauen mussten.

Die aktuelle in der Volatilität implizierte Aktienmarktbewegung liegt mit 1,4% niedriger als die durchschnittliche Schwankung von 1,7% an Tagen mit Inflationsdaten in diesem Jahr. Verglichen mit den letzten drei Inflationsberichten fällt der Unterschied noch deutlicher aus: Da kam es im Schnitt zu einer Bewegung von rund 3%.

Es dürfte daher interessant sein, ob es heute tatsächlich relativ ruhig über die Bühne geht, sollte die Teuerungsrate erneut nicht den Erwartungen entsprechen. Nach Einschätzung von Ökonomen sollte sich die Inflation im Oktober im Jahresvergleich auf 7,9% verlangsamt haben, nach 8,2% im August.

AKTUELLE MELDUNGEN:

  • Die Allianz hat ihren operativen Quartalsgewinn gesteigert und die Erwartungen übertroffen. Der Ausblick wurde bestätigt und eine neuer Aktienrückkauf angekündigt

  • Die Deutsche Telekom will ihr Ziel für das bereinigte Ebitda AL übertreffen. Umsatz und Dividendenvorschlag lagen leicht unter den Erwartungen.

  • RWE profitiert vom Anstieg der Gas- und Strompreise: Das Neun-Monats-Ergebnis kletterte 72%

  • Bayer hat in Sachen Glyphosat ein Verfahren im US-Bundesstaat Missouri gewonnen

  • Die Kryptobörse FTX.com steht einem Fehlbetrag von bis zu 8 Milliarden Dollar gegenüber. Aus der Rettung durch den Konkurrenten Binance wird nichts

  • Der Knatsch zwischen deutschen Top-Banke(r)n und der EZB-Aufsicht tritt offen zutage

ANALYSEN:

  • Bei den heutigen US-Inflationsdaten für Oktober rechnet Bloomberg Economics mit einem weiteren Rückgang der jährlichen Gesamtinflation gegenüber dem Peak. Eine Überraschung nach oben würde eine Anhebung um 75 Basispunkte im Dezember im Spiel halten

  • Mit der Krise bei der Digitalwährungsbörse FTX.com stehen die Kryptomärkte laut JPMorgan vor einer Kaskade von Nachschussforderungen. Bitcoin könnte bis auf $13.000 fallen

  • Europas Energiekrise bewirkt Engpässe - weltweit, jahrelang.

AKTIENMÄRKTE | Die Börsen in Asien weiten am Donnerstag die Vortageseinbußen aus, wobei erneut besonders der Handel in Hongkong unter Druck steht. Der Hang-Seng-Index fällt fast 2%, da einige der größten Metropolen Chinas ihre Maßnahmen zur Corona-Eindämmung verschärft haben, was die Besorgnis zum Konjunkturausblick schürt. Die Wall Street schloss am Mittwoch sehr schwach, wobei die Krise um die Kryptobörse FTX für Verunsicherung sorgte.

RENTENMÄRKTE | Die europäischen Staatsanleihemärkte legten am Mittwoch deutlich zu, die Rendite 10j Bunds sank auf ein Wochentief. Am Geldmarkt wurden die Wetten auf EZB-Zinserhöhungen um bis zu 10 Bp herabgesetzt. Der Maximalwert beim Einlagensatz wird nun im September 2023 bei 3,06% gesehen. In den USA traf am Mittwoch eine $35 Mrd schwere Auktion 10j Treasuries auf schwache Nachfrage. Die Emissionsrendite war mit 4,14% die höchste seit 2008. Heute stehen die US-Inflationsdaten im Fokus.

ROHSTOFFMÄRKTE | Der Ölmarkt konsolidiert am Donnerstag die jüngsten Einbußen. Druck auf die Stimmung am Markt bringt die Erwartung, dass die neue Serien von Beschränkungen zur Corona-Eindämmung in chinesischen Städten die Konjunktur und damit die Ölnachfrage belasten wird. Gold geht nach dem Preissprung von über 2% am Dienstag den zweiten Tag in Folge seitwärts. Das Augenmerk richtet sich auf die heutigen US-Inflationsdaten für Oktober. Volkswirte rechnen bei den Verbraucherpreisen mit einer Jahresteuerung von 7,9%, nach 8,2% im September.

TERMINE AM DONNERSTAG

  • Bei den Quartalszahlen Europa steht heute ein Super Thursday an: Wienerberger, Zurich Insurance, Allianz, Deutsche Telekom, Merck KGaA, RWE, Grenke, K+S, Knorr-Bremse, LEG Immobilien, SMA Solar, Ströer, Aareal, Synlab, Wacker Neuson, Arcelormittal, Credit Agricole, Knaus Tabbert, Indus, SAF-Holland, 1&1, Bechtle, Delivery Hero, Dürr, Fielmann, Hensoldt, Rheinmetall, United Internet, GFT Technologies, Hapag-Lloyd, Instone Real Estate, Mister Spex, Aegon, Jenoptik, Medios, MLP, Generali, Süss Microtec, Cancom, Verbio, Hawesko, New Work, SLM Solutions, Fortum, Engie, Continental, BayernLB, Baywa, Monte Paschi, Siemens Gamesa

  • 13:30 EZB-Bankenaufsichtschef Enria spricht auf einem Seminar der niederländischen Zentralbank

  • 14:00 EZB-Direktorin Schnabel nimmt an Roundtable der slowenischen Zentralbank teil

  • Um 14:30 stehen entscheidende Konjunkturdaten an: Die US-Verbraucherpreise und Realeinkommen für Oktober

  • Fortsetzung der Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie Nordrhein-Westfalen

  • Die MSCI-Indizes werden turnusmäßig überprüft

--Mit Hilfe von Rainer Buergin.

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