Aktienkursanstieg von über 760 % in fünf Jahren: Wird sich diese Wasserstoffaktie noch weiter vervielfachen?

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Die Börse ist in letzter Zeit begeistert über die Wasserstoffaktie SFC Energy (WKN: 756857), laut eigenen Angaben ein führender Anbieter von Wasserstoff- und Methanol-Brennstoffzellen für stationäre und mobile Hybrid-Stromversorgungslösungen. So ist der Aktienkurs in den letzten zwölf Monaten fast um 80 % und in den letzten fünf Jahren sogar um über 760 % gestiegen (Bezugsdatum: 12.07.2021; gilt für alle Kurse).

Was sind die Hintergründe?

Investoren gefällt es, dass SFC Energy viele Aufträge erhält. So gab es zum Beispiel im Juni einen Auftrag für Notstromaggregate für ein grünes Wasserstoffprojekt der SAN Group. Im Mai hat SFC Energy noch den größten US-Auftrag der Firmengeschichte dank LiveView Technologies ergattert.

Hinzu kommt, dass SFC Energy das Interesse der Politik hat. So haben zum Beispiel Staatsminister Dr. Florian Herrmann und Bundestagsmitglied Florian Hahn SFC Energy im Juli besucht, als es eine neue modulare Brennstoffzellenlösung gelauncht hat. Das gefällt Investoren, weil die Politik die Mittel hat, um Großaufträge im Rahmen der Energiewende zu vergeben, die Wunder auf Fundamentalzahlen wirken können.

Wie sehen die Fundamentalzahlen von SFC Energy aus?

Auf der Investoren-Homepage von SFC Energy steht: „Mit den Geschäftsfeldern Clean Energy und Clean Power Management ist die SFC Energy AG ein nachhaltig profitabler Brennstoffzellenproduzent.“ Daran verwirrend ist bloß, dass das nicht stimmt. In den letzten fünf Geschäftsjahren hatte SFC Energy in vier dieser Geschäftsjahre einen Nettoverlust. Das eine Jahr, in dem kein Nettoverlust vorhanden war, war auch nicht zufriedenstellend, weil es keinen Nettogewinn gab, da das Nettoergebnis 0 Euro betrug. Darüber hinaus lag der Nettoverlust 2020 mit 5,18 Mio. Euro bei einem negativen Höhepunkt, weil das der größte Nettoverlust der letzten fünf Jahren war. So sieht für mich kein nachhaltig profitabler Brennstoffzellenproduzent aus.

Selbst das kumulierte Umsatzwachstum der letzten fünf Jahre ist mit 20,84 % enttäuschend. Der Umsatz hatte 2018 einen Höhepunkt und ist seitdem gesunken. Verglichen mit den astronomischen Umsatzwachstumszahlen vieler anderer Small-Cap-Wachstumsaktien ist das schlecht.

Positiv ist hingegen, dass SFC Energy 2020 mit 31,46 Mio. Euro viel Cash zur Verfügung hatte. Das ist gut, da es 2019 „nur“ 20,91 Mio. Euro Cash waren. Zwar ist es naheliegend, dass dieses Cash durch Schulden oder neue Aktienemissionen entstanden ist. Jedoch sollte sich SFC Energy zumindest über Schulden keine Sorgen machen, da die Eigenkapitalquote hohe 63,52 % beträgt. Mit diesem Cash kann man große Investitionen tätigen, die viel Umsatz erwirtschaften könnten.

Genau das tut SFC Energy bereits, weil die Investitionen in den letzten fünf Jahren kumuliert um 664,28 % gestiegen sind. Das würden viele Unternehmen beneiden, da man durch Investitionen sicherstellen kann, in einem disruptiven Markt wie dem Wasserstoffmarkt führend zu sein.

Ob diese Investitionen innovativ und bahnbrechend sind, lässt sich jedoch bezweifeln, da SFC Energy die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den letzten Jahren kumuliert um 31,56 % reduziert hat. Das ist alarmierend, da der grüne Wasserstoffmarkt ein neuer Markt ist, der noch keineswegs vollständig erforscht wurde. Deshalb ist es wichtig, viel in Forschung zu investieren, um nicht zu riskieren, von der Konkurrenz zermalmt zu werden.

Wie ist SFC Energy bewertet?

Da SFC Energy einen Nettoverlust hat, hat es auch kein KGV. Das ist zwar nicht perfekt, aber für Small-Cap-Wachstumsaktien nichts Ungewöhnliches.

Jedoch kann es ein KUV vorweisen, das bei einem Umsatz von 53,22 Mio. Euro und einer Marktkapitalisierung von 414,6 Mio. Euro 7,79 beträgt. Das ist ein ziemlich guter Wert, da bei vielen anderen Wasserstoffaktien die Kurse so stark gestiegen sind, dass die Fundamentalzahlen nicht mithalten konnten, sodass die SFC-Aktie laut des KUVs günstiger ist.

Ist SFC Energy nun einen Kauf wert?

Meiner Meinung nach sollte man SFC Energy trotz der guten Bewertung nicht kaufen. Es laufen zum Beispiel Umsatz, Gewinn und Forschungsausgaben in die falsche Richtung, was schon an sich ein großer Grund ist, nicht zu kaufen.

Viel schlimmer ist jedoch, dass ich keinen guten ersten Eindruck von SFC Energy erlangt habe, nachdem ich auf der Investoren-Homepage die falsche Behauptung gesehen habe, dass SFC profitabel sei. Da profitabel sowohl im herkömmlichen Sprachgebrauch als auch vom Duden als gewinnbringend definiert wird und SFC Energy keinen Gewinn erwirtschaftet, ist die Behauptung von SFC Energy nicht tragbar. Gut möglich ist, dass das ein Fehler der PR-Abteilung ist. So oder so habe ich aufgrund dessen ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken daran, große Geldsummen in SFC Energy zu investieren. Es ist nämlich ein sehr großer Fehler, wenn das Erste, was Besucher der Investor-Relations-Website sehen, eine Falschbehauptung darüber ist, dass SFC Energy profitabel sei.

Kurz- bis mittelfristig gesehen würde ich mich nicht wundern, wenn SFC Energy weiterhin viele Aufträge ergattert und der Aktienkurs weiter steigt, sodass es optisch gesehen für das Unternehmen gut laufen wird. Das spielt für einen Investor, der Wert auf Qualität legt, eine untergeordnete Rolle. Zudem stehen die Chancen gut, dass der SFC-Aktienkurs eine Korrektur erfahren wird, wenn das Management es nicht schafft, den Umsatz zum Wachsen zu bringen.

Der Artikel Aktienkursanstieg von über 760 % in fünf Jahren: Wird sich diese Wasserstoffaktie noch weiter vervielfachen? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Alexander Frymark besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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