Aktien Wien Schluss: Gewinnmitnahmen und US-Wahlkrimi belasten

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WIEN (dpa-AFX) - Die Wiener Börse hat die Sitzung am Freitag tiefer geschlossen. Der Leitindex beendete damit seine fünf Handelstage dauernde Gewinnserie und gab um 1,04 Prozent auf 2153,23 Zähler nach. Der breiter gefasste ATX Prime fiel um 0,86 Prozent auf 1102,80 Einheiten. Die größten Belastungsfaktoren waren zum Wochenausklang Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Aufwärtsserie, Unsicherheiten rund um die US-Präsidentschaftswahl und steigende Corona-Neuinfektionen.

Im Rennen um das Weiße Haus wird ein Wahlsieg des Herausforderers Joe Biden immer wahrscheinlicher: Im äußerst wichtigen Bundesstaat Pennsylvania lag der Demokrat bei der Auszählung der Wahlzettel vor Amtsinhaber Donald Trump, zuvor hatte Biden bereits im umkämpften US-Staat Georgia die Führung übernommen. Dort werden die Stimmen nach der Präsidentschaftswahl wegen des extrem knappen Ausgangs neu ausgezählt, wurde zuletzt bekannt.

Neben den Entwicklungen rund um die US-Wahl sorgt auch die steigende Zahl an Corona-Neuinfektionen für eine Stimmungseintrübung. "Die Corona-Neuinfektionen steigen rasant. Viele Länder verschärfen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Die Erholung der Konjunkturstimmung gerät ins Stocken. Aktien sind zum Teil hoch bewertet. Es spricht aber auch einiges für steigende Notierungen: Zusätzliche Konjunkturpakete sind in der Pipeline. Die Geldpolitik ist extrem expansiv und wird dies auf absehbare Zeit bleiben", fassen die Experten der Helaba zusammen.

Unter den Einzelwerten in Wien gingen Semperit am Freitag als größte Kursgewinner im prime market ins Wochenende. Aufgrund der sich wieder verschärfenden Corona-Pandemie und der daraus resultierenden starken Nachfrage nach Medizinprodukten hat Semperit seine Prognosen zum dritten Mal in diesem Jahr nach oben geschraubt. Die Aktien reagierten mit einem Kurssprung von 8,47 Prozent.

Auch Lenzing konnten kräftig zulegen und gewannen 4,15 Prozent. Der Faserhersteller setzt auf die Rückverfolgung der gesamten textilen Lieferkette. Um hier für mehr Transparenz zu sorgen, führt der Konzern die entsprechende Blockchain-Technologie ein, wurde bekannt.

Polytec-Papiere zeigten sich nach der Vorlage von Quartalszahlen unverändert bei 5,70 Euro. Der Verlust des Autozulieferers hat sich nach neun Monaten auf 10,4 Millionen Euro vergrößert, nach 14,1 Millionen Euro Gewinn im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank von Jänner bis September um 19 Prozent auf 379 Millionen Euro. Wegen der seit Juni schrittweise verbesserten Entwicklung sei man fürs vierte Quartal optimistisch und erwarte 2020 weiter 520 Millionen Euro Umsatz.

Andritz kamen unter Druck und büßten trotz freundlicher Analystenkommentare 3,19 Prozent auf 30,34 Euro ein. Die Experten von der Commerzbank und der Deutschen Bank hatten ihre Kaufempfehlungen für die Aktien nach der Ergebnisvorlage am Vortag bekräftigt und das Kursziel jeweils von 36 auf 38 Euro angehoben. Auch die Spezialisten von der Baader Bank haben ihr "Buy"-Votum und das Kursziel von 42 Euro bestätigt.

Bankaktien schwächelten. Nach anfängliche klaren Kursgewinnen drehten Bawag ins Minus ab und schlossen um 1,59 Prozent tiefer, Erste Group büßten ihre Verlaufsgewinne ebenfalls vollständig ein und gaben 0,25 Prozent nach. Raiffeisen beendeten die Sitzung mit Kursverlusten von 2,14 Prozent, bei Addiko fiel ein Minus von 4,63 Prozent an.