Aktien-Leerverkauf: Das gefährliche Spiel der Shortseller

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Verkehrszeichen: Vorsicht Schleudergefahr

Die meisten Investoren und Anleger kaufen Aktien, um an den zukünftigen Kurssteigerungen teilzuhaben. Doch es gibt auch eine kleine Gruppe von Anlegern und Hedgefonds, die gezielt nach Werten suchen, die sie leerverkaufen können.

Sie setzen also auf fallende Aktienkurse. Bei einem Leerverkauf leiht sich der Leerverkäufer für eine vorher festgelegte Zeit Aktien, für die er eine Gebühr entrichten muss. Um die geliehenen Aktien später zurückgeben zu können, muss der Leerverkäufer später Aktien am Markt kaufen.

In Deutschland ist der klassische Leerverkauf für die meisten Anleger kaum möglich. Dennoch besteht die Möglichkeit, über Zertifikate, CFDs oder Futures auf fallende Aktienkurse zu setzen. Oft wird dieses Geschäft sogar beworben, obwohl es hochriskant ist.

Selbst sehr intelligente Investoren mit Abschluss einer Elite-Universität haben so schon hohe Verluste erlitten oder ihre Karriere zerstört. Natürlich ist das Wetten auf fallende Kurse ein legitimes Geschäft. Auf diesem Weg werden oft Firmen mit fragwürdigem Geschäftsmodell oder gefälschten Bilanzen aufgedeckt. Bekannte Beispiele sind Wirecard (WKN: 747206), Enron oder Luckin Coffee (WKN: A2PJ6S).

Risiken des Aktien-Leerverkaufs

Doch es gibt dennoch ein großes Problem mit Shortselling (Aktien-Leerverkäufen). Selbst wenn ein Unternehmen auf eine Insolvenz zusteuert, können dennoch Investoren Gefallen daran finden. Viele von ihnen suchen nach Schnäppchen, die sie sanieren und teurer verkaufen können.

Oft steigen die Kurse über Nacht sprunghaft an. Ein Beispiel dafür ist die VW (WKN: 766400)-Stammaktie im Jahr 2008. Porsche (WKN: PAH003) wollte VW übernehmen und zeitgleich setzten Hedgefonds und der Milliardär Adolf Merckle auf fallende VW-Aktienkurse. Die Aktie sprang im Oktober 2008 von etwa 209 Euro auf über 939 Euro. Das Ende der Geschichte kennen wir.

Nun könnte man von einem unglücklichen Einzelfall ausgehen, aber nein, sogenannte Short-Squeeze treten regelmäßig auf. Die Gamestop (WKN: A0HGDX)-Aktie ist ein weiterer bekannter Fall aus der jüngeren Vergangenheit, der bei einzelnen Hedgefonds zu großen Verlusten führte. Oft leihen sich die Leerverkäufer sogar mehr Aktien, als auf dem Markt verfügbar sind, und bringen sich so in noch größere Gefahr.

Leerverkäufe besitzen das große Problem der potenziell unlimitierten Verluste. Nur bei Short-Zertifikaten ist das Risiko auf den Einsatz begrenzt. Bei CFDs, Futures oder klassischen Leerverkäufen jedoch nicht. Da die Kurssprünge meist über Nacht auftreten, greift in diesen Fällen kein Stopp. Im schlimmsten Fall kann dies in hohen Schulden enden.

Hohe Gewinne mit steigenden Aktienkursen

Die großen Gewinne werden mit steigenden Aktienkursen erzielt. Dies zeigt ein Blick auf die Liste der aktuell reichsten Menschen der Welt. Jeff Bezos, Bernard Arnault und Elon Musk hielten einfach nur Aktien von Amazon (WKN: 906866), LVMH (WKN: 853292) beziehungsweise Tesla (WKN: A1CX3T).

Warren Buffett kommentiert Leerverkäufe so: „Es ist verrückt, das, was man hat und braucht, für etwas zu riskieren, das man nicht wirklich benötigt.“

Der Artikel Aktien-Leerverkauf: Das gefährliche Spiel der Shortseller ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon und Tesla und empfiehlt Luckin Coffee die folgenden Optionen: Short January 2022 $1940 Call auf Amazon und Long January 2022 $1920 Call auf Amazon.

Motley Fool Deutschland 2021