Aktien Frankfurt: Wall Street stützt Erholung im Dax - Kampf um 12 000 Punkte

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat sich am Mittwoch etwas vom Kursrutsch des Vortags erholt. Als Stütze sah Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK die gelassene Reaktion der Wall Street auf den jüngsten nordkoreanischen Raketentest, der die Notierungen in Asien und Europa am Dienstag noch sichtbar belastet hatte. Außerdem fiel der Euro , dessen Anstieg Sorgen über die Exportchancen der deutschen Unternehmen genährt hatte, wieder deutlich unter die Marke von 1,20 US-Dollar.

Nach anfangs höheren Gewinnen stand der Dax gegen Mittag noch 0,43 Prozent im Plus bei 11 997,72 Punkten. Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex erstmals seit rund fünf Monaten unter der viel beachteten 12 000-Punkte-Marke geschlossen. Am Mittwochmorgen hatte sich der Dax dann wieder über diese markante Marke gerettet.

Auf diesem Niveau sei nun "mit verstärktem Kaufinteresse zu rechnen", hieß es bei den Experten des Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Ob sich daraus nur eine kleine Verzögerung im seit Monate anhaltenden Abwärtstrend oder eine Stabilisierung ergebe, bleibe aber abzuwarten.

US-BÖRSEN TROTZEN NORDKOREAS RAKETENTEST

Auch die hiesigen Nebenwerte-Indizes legten am Mittwoch wieder den Vorwärtsgang ein: Der MDax , in dem sich die mittelgroßen deutschen Unternehmen versammeln, gewann 0,48 Prozent auf 24 439,85 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 0,70 Prozent auf 2244,69 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,36 Prozent auf 3400,52 Zähler.

Die US-Märkte hatten am Dienstag ihre anfänglichen Verluste abgeschüttelt und mit moderaten Kursaufschlägen geschlossen - am Mittwoch zogen die asiatischen Handelsplätze nach und legten ebenfalls zu. Nun warten die Anleger auf Daten des Dienstleisters ADP zur Beschäftigungsentwicklung im US-Privatsektor. Diese gelten als Indikator für den monatlichen Arbeitsmarktbericht der Regierung am morgigen Freitag, der großen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat.

GESCHÄFTSZAHLEN VON RTL UND BERTRANDT ÜBERZEUGEN

Hierzulande standen positiv aufgenommene Geschäftszahlen von RTL und Bertrandt im Fokus. Der Medienkonzern konnte bei rückläufigen Gewinnen den Umsatz im zweiten Quartal ein wenig stärker steigern als erwartet und bestätigte seine Jahresziele. Eine böse Überraschung sei ausgeblieben, was für Erholungspotenzial vom gestrigen Vierjahrestief sorge, kommentierte ein Börsianer.

Mit plus 3,61 Prozent gehörten die RTL-Titel ebenso zu den MDax-Favoriten wie die 2,33 Prozent festeren Aktien des Werbevermarkters Ströer . Am Dienstag hatten negative Aussagen von ProSiebenSat.1 zum TV-Werbegeschäft beide Titel in Mitleidenschaft gezogen. Dessen Aktien schafften es weiter nicht in positives Terrain und waren mit minus 1,07 Prozent erneut Schlusslicht im deutschen Leitindex.

Eine Trendwende gelang indes den Papieren des Ingenieur-Dienstleisters Bertrandt: Sie setzten sich mit plus 4,34 Prozent an die Spitze des Kleinwerte-Index SDax . Die Resultate seien zwar schlecht, aber "kein Schocker" mehr gewesen, sagte ein Händler. Am Vortag waren die Aktien zeitweise auf den tiefsten Stand seit 2012 gerutscht.

STUDIEN TREIBEN HEIDELBERGCEMENT UND MUNICH RE AN

Auch einige Analystenkommentare sorgten für Bewegung. HeidelbergCement führte mit einem Kursanstieg von 2,29 Prozent die Gewinnerliste im Dax an, nachdem Kepler Cheuvreux die Aktien des Baustoffkonzerns mit Verweis auf die jüngste Schwäche hochgestuft hatte und nun zum Kauf rät. Die negativen Auswirkungen des Tropensturms "Harvey" und einer von Italiens Wettbewerbsbehörden verhängten Strafzahlung gegen die übernommene Italcementi würden überschätzt, schrieb Analyst Josep Pujal.

Auch die Rückversicherer sollten weniger unter "Harvey" leiden als weithin befürchtet, glaubt Ivan Bokhmat von der britischen Investmentbank Barclays. Für Munich Re erhöhte er zudem wegen besser als gedacht ausgefallener Geschäftszahlen der Tochter Ergo seine Gewinnprognosen. Das Analysehaus Jefferies sprach sogar eine neue Kaufempfehlung aus. Die Aktien verteuerten sich um 1,36 Prozent./gl/das

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---