Aktien Frankfurt: Wall Street und gute US-Arbeitsmarktdaten stützen Dax-Erholung

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat sich am Mittwoch etwas vom Kursrutsch des Vortags erholt. Als Stütze sah Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK die gelassene Reaktion der Wall Street auf den jüngsten nordkoreanischen Raketentest, der die Notierungen in Asien und Europa am Dienstag noch sichtbar belastet hatte. Außerdem fiel der Euro , dessen Anstieg Sorgen über die Exportchancen der deutschen Unternehmen genährt hatte, wieder deutlich unter die Marke von 1,20 US-Dollar.

Am Nachmittag gewann der Dax 0,66 Prozent auf 12 025,22 Punkte. Zuletzt halfen ihm auch überraschend gute Daten des Dienstleisters ADP zur Beschäftigungsentwicklung in der US-Privatwirtschaft. Diese gelten als Indikator für den monatlichen Arbeitsmarktbericht der Regierung am morgigen Freitag, der großen Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed hat. Am Dienstag hatte der deutsche Leitindex erstmals seit rund fünf Monaten unter 12 000 Punkten geschlossen, sich am Mittwochmorgen aber wieder über diese markante Marke gekämpft.

Auf diesem Niveau sei nun "mit verstärktem Kaufinteresse zu rechnen", hieß es bei den Experten des Börsenstatistik-Magazin Index-Radar. Ob sich daraus nur eine kleine Verzögerung im seit Monate anhaltenden Abwärtstrend oder eine Stabilisierung ergebe, bleibe aber abzuwarten.

US-BÖRSEN TROTZEN NORDKOREAS RAKETENTEST

Auch die hiesigen Nebenwerte-Indizes legten am Mittwoch wieder den Vorwärtsgang ein: Der MDax , in dem sich die mittelgroßen deutschen Unternehmen versammeln, gewann 0,63 Prozent auf 24 478,13 Punkte, und der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,17 Prozent auf 2255,26 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,61 Prozent auf 3408,90 Zähler.

Die US-Märkte hatten am Dienstag ihre anfänglichen Verluste abgeschüttelt und mit moderaten Kursaufschlägen geschlossen - aktuell steuern sie auf weitere Gewinne zu. Auch an den asiatischen Handelsplätze ging es wieder bergauf.

GESCHÄFTSZAHLEN VON RTL UND BERTRANDT ÜBERZEUGEN

Hierzulande standen positiv aufgenommene Geschäftszahlen von RTL und Bertrandt im Fokus. Der Medienkonzern konnte bei rückläufigen Gewinnen den Umsatz im zweiten Quartal ein wenig stärker steigern als erwartet und bestätigte seine Jahresziele. Eine böse Überraschung sei ausgeblieben, was für Erholungspotenzial vom gestrigen Vierjahrestief sorge, kommentierte ein Börsianer.

Mit plus 2,50 Prozent gehörten die RTL-Titel ebenso zu den MDax-Favoriten wie die 2,92 Prozent festeren Aktien des Werbevermarkters Ströer . Am Dienstag hatten negative Aussagen von ProSiebenSat.1 zum TV-Werbegeschäft beide Titel in Mitleidenschaft gezogen. Dessen Aktien schafften es weiter nicht in positives Terrain und waren mit minus 0,89 Prozent einer der schwächsten Werte im deutschen Leitindex.

Eine Trendwende gelang indes den Papieren des Ingenieur-Dienstleisters Bertrandt: Sie setzten sich mit plus 4,07 Prozent an die Spitze des Kleinwerte-Index SDax . Die Resultate seien zwar schlecht, aber "kein Schocker" mehr gewesen, sagte ein Händler. Am Vortag waren die Aktien zeitweise auf den tiefsten Stand seit 2012 gerutscht.

STUDIEN TREIBEN HEIDELBERGCEMENT UND MUNICH RE AN

Auch einige Analystenkommentare sorgten für Bewegung. HeidelbergCement gehörte mit einem Kursanstieg von 1,55 Prozent zu den Dax-Favoriten, nachdem Kepler Cheuvreux die Aktien des Baustoffkonzerns mit Verweis auf die jüngste Schwäche hochgestuft hatte und nun zum Kauf rät. Die negativen Auswirkungen des Tropensturms "Harvey" und einer von Italiens Wettbewerbsbehörden verhängten Strafzahlung gegen die übernommene Italcementi würden überschätzt, schrieb Analyst Josep Pujal.

Auch die Rückversicherer sollten weniger unter "Harvey" leiden als weithin befürchtet, glaubt Ivan Bokhmat von der britischen Investmentbank Barclays. Für Munich Re erhöhte er zudem wegen besser als gedacht ausgefallener Geschäftszahlen der Tochter Ergo seine Gewinnprognosen. Das Analysehaus Jefferies sprach sogar eine neue Kaufempfehlung aus. Die Aktien verteuerten sich um 1,31 Prozent.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,10 Prozent am Vortag auf 0,12 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,12 Prozent auf 141,93 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,11 Prozent auf 165,08 Punkte. Der Euro sank zuletzt auf 1,1918 US-Dollar. Am Dienstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,2048 Dollar festgesetzt./gl/stb

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---