Aktien Frankfurt: Weiter lockere US-Geldpolitik und Zahlen locken Anleger nicht

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Begeisterung der Anleger über die weiterhin lockere US-Geldpolitik hat sich am Donnerstag in Grenzen gehalten. Eine Überraschung war der Zinsentscheid der US-Währungshüter am deutschen Aktienmarkt nicht - am Vorabend hatte er bereits die Wall Street kalt gelassen. Zudem fiel die Flut von Geschäftszahlen hiesiger Unternehmen durchwachsen aus.

Gegen Mittag verlor der Dax <DE0008469008> 0,33 Prozent auf 15 242,28 Punkte. Damit knüpfte der Leitindex an die recht lustlose Entwicklung der vergangenen Tage an, blieb aber in Reichweite des Rekordhochs von 15 501 Punkten aus der vergangenen Woche. Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Unternehmen gewann am Donnerstag hingegen 0,27 Prozent auf 33 062,04 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> ging es um 0,15 Prozent auf 4020,91 Zähler nach oben.

Die US-Notenbank Fed hielt bei ihrer Zinssitzung am Mittwoch wie erwartet an ihrer historisch lockeren Geldpolitik fest. Sie gibt sich nun zwar etwas zuversichtlicher für die US-Wirtschaft. Nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württmberg (LBBW) dürfte es aber noch einige Monate dauern, bis die Fed von der aktuell kräftigen Erholung am US-Arbeitsmarkt hinreichend überzeugt ist, um die Vorbereitungen für eine Drosselung ihrer Anleihekäufe zu treffen. "Noch wesentlich höher liegen die Hürden für eine Leitzinswende, denn hierfür bedarf es seitens der Fed zusätzlich der Überzeugung von einer dauerhaft deutlich höheren Inflation", erklärte die LBBW

Hierzulande wurde die Agenda von einer Vielzahl von Unternehmens-Kennzahlen geprägt. Darunter waren der Dax-Konzern BASF <DE000BASF111> und die von der Corona-Pandemie geplagten MDax-Größen Airbus <NL0000235190> sowie Lufthansa <DE0008232125>.

Die BASF-Titel büßten gut anderthalb Prozent ein, obwohl der weltgrößte Chemiekonzern mit einem Gewinn- und Umsatzsprung ins neue Jahr gestartet war und den Ausblick angehoben hatte. Die Ludwigshafener hätten die Erwartungen deutlich übertroffen, lobte ein Börsianer. Als Haar in der Suppe machte er aber den neuen Ergebnis-Ausblick aus. Dieser falle nicht ganz so optimistisch aus wie die neue Umsatz-Zielspanne. Zudem könnten einige Anleger die positiven Überraschungen für Gewinnmitnahmen bei der zuletzt gut gelaufenen Aktie nutzen, ergänzte Analyst Markus Mayer von der Baader Bank.

Unter Druck standen auch Aktien aus der Automobilbranche. Händler verwiesen auf die anhaltende Halbleiterknappheit, die sich negativ auf die Produktion auswirke. Im Dax waren Continental <DE0005439004> und Volkswagen <DE0007664039> mit Abschlägen zwischen zwei und drei Prozent besonders schwach. Der Autozulieferer teilte zudem mit, die geplante Abspaltung der Antriebstechnik im Rahmen eines vollständigen Spin-Offs in diesem September durchziehen zu wollen. Dabei wird den Aktionären für je fünf Conti-Aktien ein Anteil des neuen börsennotierten Unternehmens Vitesco Technologies automatisch ins Depot gebucht, frisches Geld fließt dem Konzern so nicht zu. Daimler <DE0007100000> und BMW <DE0005190003> notierten 1,7 beziehungsweise 1,3 Prozent tiefer.

Anteilsscheine der Deutschen Bank <DE0005140008> gewannen hingegen über drei Prozent auf 11,63 Euro - damit setzten sie die Vortagsrally als erneuter Dax-Champion fort und waren so teuer wie zuletzt im Frühjahr 2018. Am Mittwoch waren sie nach einem überraschend starken ersten Quartal um fast elf Prozent nach oben geschnellt. Analysten vergaben nun höhere Kursziele, blieben aber unter dem aktuellen Kursniveau oder maximal knapp darüber. Unter den aktuellen Kommentaren gibt es am Donnerstag aber einen klaren Optimisten mit einer bestätigten Kaufempfehlung: Andrew Lim von der Societe Generale, der nun ein Ziel von 15 Euro nennt. Er attestiert dem Bankhaus auf dem Erholungspfad klare Fortschritte mit positiven Überraschungen in allen Kernsparten.

Bei Airbus <NL0000235190> konnten sich die Aktionäre über einem Kursgewinn von 2,7 Prozent und einen der vorderen Plätze im MDax freuen. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern legte trotz Corona einen robusten Jahresauftakt hin. Voll des Lobes waren Experten vor allem für den Barmittelzufluss des Unternehmens, das seit einem Jahr schwer unter der Pandemie leidet.

Index-Spitzenreiter waren indes die Nemetschek <DE0006452907>-Papiere <DE0006452907> mit einem Plus von sieben Prozent. Der Bausoftware-Anbieter berichtete auch dank Einsparungen über ein starkes erstes Quartal.

Dagegen waren Aixtron <DE000A0WMPJ6>-Titel mit einem Rutsch von fast sieben Prozent abgeschlagenes Schlusslicht. Der LED- und Chipindustrieausrüster hob zwar den Gewinnausblick an, konnte die hoch gesteckten Erwartungen für das erste Quartal aber nicht ganz erfüllen. Zudem gab es einen Rückschlag beim Hoffnungsträger Oled-Projekt.

Einer der Favoriten der Anleger im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386> war der Stahlhändler Klöckner & Co <DE000KC01000>, dessen Anteilsscheine sich um knapp vier Prozent auf zwölf Euro verteuerten. Sie errichten damit den höchsten Stand seit über vier Jahren. Das Unternehmen konnte dank gestiegener Preise den Umsatz und das Ergebnis deutlich steigen. Ein Händler hob den Nettogewinn zum Jahresauftakt sowie das Ziel für das bereinigte operativen Ergebnis (Ebitda) im zweiten Quartal hervor. Letzteres ist nach Einschätzung von Jefferies-Analyst Alan Spence die eigentliche positive Überraschung.

Fielmann <DE0005772206>-Aktien rutschten indes mit einem Minus von gut drei Prozent auf einen der hinteren Plätze ab. Die Optikerkette berichtete zwar einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisanstieg. Baader-Analyst Volker Bosse vermisste derweil einen konkreten Ausblick. Für das laufende Jahr zeigte sich Fielmann vorsichtig: Die anhaltenden Corona-Pandemie habe schwer einschätzbare Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn. Eine Prognose für die nächsten Monate und das Gesamtjahr unterliege deshalb großer Unsicherheit./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---