Aktien Frankfurt: Kursverluste - Bangen vor US-Jobdaten

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach zwei Tagen mit kräftigem Zuwachs wieder etwas nachgegeben. Der Dax verlor gegen Mittag 1,60 Prozent auf 9716,62 Punkte. Damit bewegt sich der Leitindex im Bereich des Schlusskurses vom Dienstag, als er prozentual zweistellig zugelegt hatte.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Werte sank am Donnerstag um 0,94 Prozent auf 20 566,24 Zähler. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145> als Leitindex der Eurozone büßte 1,5 Prozent ein.

Am Vortag hatte der Dax zeitweise die Marke von 10 000 Punkten zurückerobert und sich damit in der Spitze von seinem Vorwochentief bei 8255 Punkten um fast 23 Prozent. Die Freude über die massiven Konjunkturpakete dies- und jenseits des Atlantiks zur Eindämmung der Virus-Krise lasse jetzt aber etwas nach, kommentierte Analyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader.

In den Fokus rücken nun die am Nachmittag erwarteten wöchentlichen Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA. Sie dürften zeigen, wie gravierend die Auswirkungen der Corona-Krise auf den US-Arbeitsmarkt sind. Analysten rechnen mit einer dramatischen Zunahme der Anträge. In den USA breitet sich das neuartige Coronavirus immer schneller aus, besonders in New York. Das vom US-Senat verabschiedete billionenschwere Konjunkturpaket werde helfen, den Einbruch der Wirtschaftsleistung in den USA abzufedern, schrieb Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Aber selbst mit diesem Paket drohe der größten Volkswirtschaft der Welt immer noch ein gewaltiger Schaden.

Defensive Werte waren am Donnerstag unter den besten Aktien im Dax. So rückten die Anteile des Medizinkonzerns Fresenius SE <DE0005785604> um 0,7 Prozent vor. Fresenius Medical Care (FMC) <DE0005785802> gewannen 1,3 Prozent. Fresenius-Chef Stephan Sturm sieht trotz der zugespitzten Corona-Krise keinen Grund für eine Korrektur der Prognose.

An der Dax-Spitze verteuerten sich die Titel des Versorgers Eon <DE000ENAG999> um 2,8 Prozent. Schlusslicht im Index waren die Anteile des Bezahldienstleisters Wirecard <DE0007472060> mit minus 5,8 Prozent.

Infineon <DE0006231004> verteuerten sich um 1,3 Prozent. Hier erwies sich letztlich der starke Ausblick des US-Halbleiterkonzerns Micron Technology <US5951121038> als entscheidender Treiber.

Die Anteile des Kochboxenversenders Hellofresh <DE000A161408>, der als einer der Gewinner der Coronakrise gilt, legten im MDax um 6 Prozent zu nach einem positiven Analystenkommentar von Exane BNP Paribas.

Eine gestrichene Prognose ließ die Papiere des Immobilienkonzerns Hamborner Reit <DE0006013006> um fast 8 Prozent abrutschen. Der SDax-Konzern <DE0009653386> verwies auf eine vorübergehende Gesetzesänderung zugunsten von Mietern, die wegen der Corona-Krise nicht zahlen können.

Für den gesamten Immobiliensektor verheiße dies nichts Gutes, sagte ein Händler. Deutsche Euroshop <DE0007480204> sackten im Zuge der schlechten Branchennachrichten um fast 11 Prozent ab. Und der Gewerbeimmobilien-Spezialist Aroundtown <LU1673108939> will wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst keinen Ausblick auf das laufende Jahr geben. Dessen Papiere verloren fast 6 Prozent.

Beibehaltene Prognosen kommen dagegen in der Krise gut an. Jüngstes Beispiel ist der Solarkonzern SMA Solar <DE000A0DJ6J9>, dessen Anteile sich um gut 15 Prozent verteuerten. Das Virus habe bisher nur geringe negative Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf, hieß es vom Konzern./ajx/jha/

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---