Aktien Frankfurt: Konjunktursorgen belasten Dax

FRANKFURT (dpa-AFX) - Konjunktursorgen haben dem Dax <DE0008469008> nach dem schwachen Wochenauftakt am Dienstag weitere Verluste eingebracht. Mit der Gas-Krise in Europa, der Gefahr erneuter Corona-Lockdowns in China und teils noch anhaltenden Lieferkettenproblemen gibt es reichlich Belastungsfaktoren. Die ZEW-Konjunkturerwartungen enttäuschten denn auch deutlich.

Am Nachmittag notierte der Dax 0,79 Prozent im Minus bei 12 730,57 Punkten, womit er sich aber klar über seinem vor den ZEW-Daten markierten Tagestief hielt. Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsenunternehmen verlor 0,70 Prozent auf 25 516,47 Punkte und der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> sank um 0,72 Prozent auf 3446,53 Zähler.

Die Verluste seien "nicht besonders dramatisch, da dies als ein notwendiger Akt in dem Bemühen angesehen werden kann, einen Boden auszubilden", beschwichtigte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Wichtig sei, dass der Dax nicht mehr unter sein Jahrestief rutsche. Es könnte auch "jederzeit zu einer kräftigen Bärenmarktrally am Aktienmarkt kommen, wenn zum Beispiel die Inflationsdaten aus den USA etwas Entwarnung geben". Unter einer Bärenmarktrally verstehen Börsianer eine temporäre Aufwärtsbewegung des Marktes innerhalb eines ansonsten starken Abwärtstrends.

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten trübten sich im Juli gegenüber dem Vormonat noch drastischer ein als von Analysten ohnehin schon befürchtet. Dies belegt das Stimmungsbarometer des Mannheimer Forschungsinstituts ZEW. Die Sorgen über eine Energiekrise und die Aussicht auf steigende Zinsen sorgten auch bei der Bewertung der Konjunkturlage für eine überraschend deutliche Verschlechterung.

Nun rücken die US-Inflationsdaten in den Fokus, die am Mittwoch erwartet werden. Anders als Stanzl befürchten die Dekabank-Experten, dass die Preise im Juni im Vergleich zum Vormonat sogar noch kräftiger angestiegen sein dürften als im Mai, als sie "für ein mittleres Beben an den Kapitalmärkten gesorgt" hätten. Zudem wirft bereits die US-Quartalsberichtssaison ihre Schatten voraus - am Donnerstag legen die Banken JPMorgan <US46625H1005> und Morgan Stanley <US6174464486> ihre Zahlen vor.

Für die Deutsche Bank <DE0005140008> ging es im Einklang mit den sich ausweitenden Branchenverlusten um fast drei Prozent bergab, was den letzten Platz im Dax bedeutete. Für schlechte Stimmung sorgte offenbar die Nachricht, dass die spanische Regierung Banken wegen der wirtschaftlichen Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs und der gestiegenen Inflation mit einer befristeten Sondersteuer belegen will. Spanische Banken gerieten noch stärker unter Druck.

Unternehmen mit internetbasierten Geschäftsmodellen wie der Online-Modehändler Zalando <DE000ZAL1111> und der Kochboxen-Anbieter Hellofresh <DE000A161408> verbuchten überdurchschnittliche Kursverluste. Sie folgten damit der Entwicklung an der US-Technologiebörse Nasdaq, deren Indizes <XC0009694271> <US6311011026> am Montag ebenfalls höhere Kursabschläge hatten hinnehmen müssen als die Standardwerte-Indizes Dow Jones Industrial <US2605661048> und S&P 500 <US78378X1072>. Tech-Unternehmen sind tendenziell sensibler für steigende Zinsen als Konzerne aus traditionelleren Branchen, da sie mit ihrem starken Wachstumsfokus abhängiger von Krediten sind.

Die tags zuvor schwachen Aktien von BASF <DE000BASF111> zeigten sich nach Quartalszahlen zuletzt knapp ein halbes Prozent im Plus. Der Chemiekonzern schnitt dank Preiserhöhungen und des schwachen Euro besser als von Analysten erwartet ab und bestätigte seine Jahresziele.

Weitere Kursabschläge mussten im MDax hingegen die zuletzt gebeutelten Uniper <DE000UNSE018>-Anteilseigner verkraften: Die Aktien des angeschlagenen Energiekonzerns gaben um über zwei Prozent nach und blieben zeitweise nur minimal über dem Rekordtief vom Vortag, auf das sie angesichts des befürchteten Gasstopps aus Russland abgestürzt waren.

Immobilienwerte standen angesichts steigender Zinsen etwas unter Druck. Bei Grand City Properties <LU0775917882> belastete zusätzlich eine Abstufung. Die Aktien büßten mehr als drei Prozent ein und waren zeitweise so günstig zu haben wie zuletzt 2015. Die US-Investmentbank Goldman Sachs strich im Rahmen einer skeptischen Branchenstudie ihre Kaufempfehlung für den Wohnimmobilienkonzern und empfiehlt die Aktie nun mit "Neutral".

Beim ebenfalls im MDax gelisteten Branchenkollegen TAG Immobilien <DE0008303504> begann derweil die Umsetzung der Kapitalerhöhung, weshalb die Aktien exklusive des Bezugsrechts für die neuen Aktien gehandelt wurden. Um diese bereinigt notierten sie knapp zwei Prozent im Minus. Am Donnerstag hatte TAG mitgeteilt, zur teilweisen Refinanzierung der Übernahme der polnischen Immobiliengesellschaft Robyg rund 29 Millionen neue Aktien auszugeben. Seitdem war es für den Aktienkurs deutlich bergab gegangen auf das niedrigste Niveau seit dem Jahreswechsel 2014/15.

Dagegen zogen die Papiere der Rüstungsunternehmen Rheinmetall <DE0007030009> und Hensoldt <DE000HAG0005> um jeweils über zwei Prozent an. In einer Studie unterstrich Experte Christophe Menard von Deutsche Bank Research, dass sich der "Superzyklus" durch Verteidigungsinvestitionen im zweiten Halbjahr entfalten werde. Dies erstreckte sich auch positiv auf mit der Rüstungsbranche verbundene Flugzeugbau-Unternehmen. Allen voran setzten hier Airbus <NL0000235190> ihre jüngste Erholung mit einem Anstieg um anderthalb Prozent fort, und MTU <DE000A0D9PT0> zogen um fast ein Prozent an.

Der Euro <EU0009652759> setzte seine Talfahrt gegenüber dem US-Dollar fort und war erstmals seit etwa zwei Jahrzehnten wieder genau einen Dollar wert - zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0043 Dollar. Zu Wochenbeginn hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs für den Euro auf 1,0098 Dollar festgesetzt.

Die Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen fiel von 1,12 Prozent am Vortag auf 0,95 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,86 Prozent auf 135,81 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> gewann 0,93 Prozent auf 152,71 Zähler./gl/jha/

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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