Aktien Frankfurt: Furcht vor Neuinfektionen lässt den Dax absacken

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt hat sich die Stimmung zu Wochenbeginn wieder deutlich eingetrübt. Nachdem der Leitindex Dax <DE0008469008> zunächst noch an seine jüngsten Gewinne angeknüpft und Anlauf auf die 11 000-Punkte-Marke genommen hatte, stand er am frühen Nachmittag 1,46 Prozent tiefer bei 10 744,86 Punkten. Im Handelsverlauf wurde die Freude über die weiteren Lockerungen in der Corona-Krise von der Sorge vor einer neuen Infektions-Welle überlagert.

Für den MDax <DE0008467416> ging es am Montag zuletzt um 0,88 Prozent auf 23 754,37 Punkte nach unten. Der EuroStoxx 50 <EU0009658145>, der Leitindex der Eurozone, stand 1,5 Prozent im Minus.

Nach Einschätzung von Milan Cutkovic, Marktexperte bei Axitrader, ist es unter anderem der wieder leichte Anstieg der Infektionszahlen in Deutschland und Südkorea, der zur Zurückhaltung unter den Anlegern führte: "Steigt die Reproduktionszahl weiter, könnte es zu einer Anpassung der Strategie kommen." Statt neue Lockerungen könnten erneute Restriktionen folgen. Die Risiken blieben somit allgegenwärtig und die Börsen könnten deshalb ebenso schnell wieder in den Panik-Modus schalten.

Mark Haefele, Chef-Anlagestratege der UBS-Sparte Global Wealth Management, erklärte: "Es ist noch zu früh zu sagen, dass wir aus dem Gröbsten heraus sind." Während sich die Volkswirtschaften weiter öffneten, stellten sich die Anleger besorgt die Frage, ob eine erhebliche Bedrohung durch eine zweite Ansteckungswelle verhindert werden kann.

Davon abgesehen standen insbesondere die Wirecard-Aktien <DE0007472060> im Blick der Dax-Anleger. Der Zahlungsabwickler reagierte mit einem Vorstandsumbau auf die nicht abreißende Kritik an der Art und Weise der Geschäftsführung. Konzernchef Markus Braun muss zumindest einen Teil seiner Macht abgeben, nachdem Ende April eine mit Spannung erwartete Sonderprüfung der Wirecard-Bücher durch KPMG nicht alle Zweifel an den Geschäftspraktiken des Zahlungsdienstleisters hatte ausräumen können. Und wie schon länger angekündigt schafft Wirecard ein Compliance-Ressort, das die Einhaltung von Gesetzen und Regeln überwachen soll. Der Bereich wird auf der Vorstandsebene aufgehängt und soll vom Amerikaner James Freis geführt werden.

Die Papiere von Wirecard waren mit einem Plus von gut sieben Prozent auf 90,44 Euro der klare Favorit im Dax; allerdings hatten sie vor dem Kurseinbruch infolge der Ergebnisse der KPMG-Untersuchung noch fast 140 Euro gekostet. Mit den beschlossenen Umstrukturierungen sende der Zahlungsabwickler eine Botschaft für mehr Glaubwürdigkeit, hieß es in einem Kommentar des Analysehauses Oddo BHF.

Zudem geht die Berichtssaison der Unternehmen in dieser Woche in eine neue Runde. So verzeichnete der Konsumgüterkonzern Henkel <DE0006048432> im ersten Quartal einen leichten Umsatzrückgang. Probleme bereiteten vor allem das stark konjunkturanfällige Klebstoffgeschäft sowie die Kosmetiksparte. Für die Anteilsscheine ging es in dem schwachen Umfeld um knapp drei Prozent nach unten.

Höhere Mieten und jüngste Zukäufe trieben den Immobilienkonzern LEG <DE000LEG1110> weiter an. Die Aktien kletterten im MDax um fast vier Prozent nach oben. Analyst Thomas Rothaeusler von der Investmentbank Jefferies lobte das stabile Geschäft und hält die Jahresziele für ziemlich sicher erreichbar.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,55 Prozent am Freitag auf minus 0,51 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> fiel um 0,18 Prozent auf 145,31 Punkte. Der Bund-Future gab um 0,05 Prozent auf 173,53 Punkte nach. Der Kurs des Euro <EU0009652759> stand am frühen Nachmittag bei 1,0819 US-Dollar. Der Dollar kostete damit 0,9243 Euro. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,0843 (Donnerstag: 1,0783) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,9223 (0,9274) Euro gekostet./la/jha/

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---