Aktien Frankfurt: Weitere Erholung vor US-Arbeitsmarktbericht

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Freitag erst einmal weiter erholt. Unterstützung kam vor dem mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktbericht einmal mehr von der Wall Street, die am Vortag nur knapp neue Rekordmarken verfehlt hatte. Auch an den asiatischen Handelsplätzen legten die Kurse zuletzt überwiegend zu. Neben Daten aus China, die eine gute Stimmung bei den dortigen kleinen und mittleren Industriebetrieben belegten, fielen auch europäische Konjunkturdaten erfreulich aus.

Um die Mittagszeit gewann der Dax 0,67 Prozent auf 12 136,49 Punkte. Am Donnerstag war der deutsche Leitindex dank nachlassender Sorgen über den Nordkorea-Konflikt den zweiten Tag in Folge mit einem moderaten Gewinn aus dem Handel gegangen. Im Monat August stand damit aber ein Minus von gut einem halben Prozent zu Buche, und für die zu Ende gehende Woche steuert der Dax aktuell auf einen minimalen Verlust zu.

HELABA IST FÜR US-ARBEITSMARKT OPTIMISTISCH

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen stieg am Freitag um 0,82 Prozent auf 24 875,47 Zähler und der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,73 Prozent auf 2309,32 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 rückte um 0,76 Prozent auf 3447,48 Punkte vor.

Mit Blick auf den US-Arbeitsmarktbericht ist die Helaba nach guten Daten des Dienstleisters ADP zur Beschäftigung in der Privatwirtschaft optimistisch. "Ein Aufbau von 200 000 Stellen oder mehr im offiziellen Arbeitsmarktbericht ist möglich. Dafür sprechen auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die mit Werten unterhalb von 240 000 auf einem sehr niedrigen Niveau liegen", schrieb Analyst Ulrich Wortberg. Zudem stehen am Nachmittag weitere US-Konjunkturdaten auf der Agenda, die Rückschlüsse auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed liefern könnten.

VW PROFITIERT VON ABGEWIESENER KLAGE - MEDIGENE IM HÖHENRAUSCH

Die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) gewannen überdurchschnittliche 0,88 Prozent. Sie profitierten davon, dass eine Klage des US-Bundesstaates Wyoming wegen Verstößen gegen Umweltgesetze vom zuständigen Richter abgewiesen wurde. Die Entscheidung könnte das Unternehmen vor weiteren Milliardenkosten im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bewahren, da sie richtungsweisend für ähnliche Fälle sein dürfte.

In der Technologiebranche stach Medigene erneut positiv heraus: Mit einem Kurssprung von 12 Prozent knüpften die Titel des Biotech-Unternehmens an ihre noch stärkere Vortagesentwicklung an, als Medigene die Anleger mit einer Meldung vor einer Immuntherapie-Branchenkonferenz in den USA begeistert hatten. Medigene will dort die Vorzüge seiner Screening-Plattform demonstrieren, mit der für verschiedene Tumore nach jeweils passenden Immunantworten gesucht werden kann.

STUDIEN HELFEN LUFTHANSA, THYSSENKRUPP UND MTU

Ansonsten bewegten Analystenkommentare. Bei der Lufthansa sorgte eine Hochstufung des US-Analysehauses Bernstein Research für ein Plus von 2,16 Prozent auf 21,525 Euro und den ersten Platz im Dax. Damit erreichten die Aktien zudem den höchsten Stand seit rund 10 Jahren. Die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin gebe vor allem dem deutschen Branchenprimus Rückenwind, schrieb Analyst Daniel Roeska.

Thyssenkrupp belegte mit einem Kursanstieg von 1,11 Prozent auf 25,47 Euro immerhin einen der vorderen Dax-Plätze, nachdem die Privatbank Metzler das Kursziel für die Titel des Industrie- und Stahlkonzerns von 28 auf 32 Euro angehoben und ihre Kaufempfehlung bestätigt hatte.

Im MDax stiegen die Titel des Triebwerkherstellers MTU dank einer Kaufempfehlung der britischen Investmentbank HSBC um 2,55 Prozent. Der Gegenwind durch den schwachen US-Dollar sei angesichts des Kursrückgangs mehr als eingepreist, schrieb Analyst Richard Schramm. Die fundamentale Wachstumsstory bleibe intakt, und bald sollte das Unternehmen die Früchte seiner jüngsten Investitionen ernten.

NORDEX LEIDET UNTER DEUTSCHE-BANK-STUDIE

Dagegen büßten die Aktien von Nordex im TecDax 1,07 Prozent auf 11,545 Euro ein. Analystin Virginia Sanz De Madrid Grosse von der Deutschen Bank hatte ihr Kursziel für den Hersteller von Windenergieanlagen zuvor von 14 auf 12,50 Euro zurückgeschraubt. Sie sieht mittelfristig große Unsicherheiten für Umsätze und Margen des Windturbinenherstellers./gl/stb

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---