Aktien Frankfurt: Dax steigt wieder - Rezession 'im Zeitraffer' vorweggenommen

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt haben die Kurse am Freitag die Stabilisierung fortgesetzt. Allerdings bröckelten die Gewinne des Dax <DE0008469008> am Nachmittag etwas ab: War der deutsche Leitindex zur Eröffnung noch um fast 7 Prozent gestiegen, so waren es zuletzt nur noch 3,8 Prozent auf 8938,17 Punkte. Am Vortag hatte der Dax um zwei Prozent zugelegt.

"Hoffnung auf eine allmähliche Bodenbildung macht die niedrige

Bewertung", schrieb Stratege Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. Der Dax habe quasi "im Zeitraffer" einen Großteil des mit dem Coronavirus verbundenen Wachstumseinbruchs vorweggenommen. In der Vergangenheit hätten ähnlich hohe Verluste des deutschen Leitindex im Schnitt eineinhalb Jahre gedauert. Daraus lasse sich jedoch nicht schließen, dass der Rücksetzer nun auch beendet sei.

Der MDax <DE0008467416> der mittelgroßen Börsenwerte stieg um 4,2 Prozent auf 19 337,65 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> legte um 3,5 Prozent zu.

Die Analysten der Bank HSBC argumentieren, der deutsche Aktienmarkt sei mittlerweile erheblich "überverkauft". So wiesen beispielsweise alle 30 Dax-Titel auf Jahressicht prozentual zweistellige Verluste auf. Rund die Hälfte der Schwergewichte komme gar auf Einbußen von mehr als 35 Prozent. Die Experten sprachen von einem "Extremzustand".

Viele Analysten hatten in den vergangenen Wochen betont, dass der Dax bei 8000 Punkten erst einmal einen Halt finden sollte. Am Montag war der Index bis auf 8255 Punkte gefallen und dieser damit schon sehr nahe gekommen - inzwischen konnte er sich zumindest etwas erholen. Ein Zeichen einer leichten Beruhigung an den weltweiten Aktienmärkten ist der jüngste Rückgang der auch "Angstbarometer" genannten Volatilitätsindizes.

Der sogenannte Hexensabbat fiel als Impulsgeber aus. Am Mittag liefen an der Derivatebörse Eurex Terminkontrakte und Optionen auf den Dax und den EuroStoxx 50 aus. Das bewegte die Märkte diesmal aber nicht stärker.

An die Spitze des Dax setzten sich Aktien des Gesundheitskonzerns Fresenius mit plus 13 Prozent. Sie waren im Crash überdurchschnittlich stark eingebrochen. Allianz-Aktien <DE0008404005> lagen auf Platz zwei im Dax mit einem Plus von 11,30 Prozent. Analyst Gordon Aitken von der Bank RBC argumentierte, die Kurse der Versicherer seien zuletzt zu stark unter die Räder gekommen.

Zu den größten Gewinnern im Dax zählten mit einem Plus von 8 Prozent die Aktien von Siemens <DE0007236101>. Konzernchef Joe Kaeser zeigte sich zuversichtlich, gut und robust durch die Pandemie des neuartigen Coronavirus zu kommen.

Osram <DE000LED4000>-Aktie schossen um 24 Prozent nach oben an die Spitze des MDax. Der österreichische Sensorhersteller AMS <AT0000A18XM4> hat trotz des Kursverfalls seiner Aktien die Pläne für den Kauf des deutschen Lichtkonzerns bekräftigt. An der Börse war zuletzt auf ein Scheitern des Deals spekuliert worden, nun machte sich entsprechende Erleichterung breit.

Kaufempfehlungen der Deutschen Bank und der Societe Generale trieben den Kurs von Rheinmetall <DE0007030009> um 18,5 Prozent nach oben. Nach einem Kurseinbruch von fast 60 Prozent in vier Wochen erholten sich Airbus <NL0000235190>-Aktien um 12 Prozent.

Der Solar- und Windparkbetreiber Encavis <DE0006095003> rechnet nicht mit größeren Auswirkungen des Coronavirus. Der Kurs der Aktie schnellte um 13,6 Prozent nach oben. Für die zuletzt schwer gebeutelten Aktien des Shoppingcenter-Betreibers Deutsche Euroshop <DE0007480204> ging es um 15 Prozent nach oben.

Am Rentenmarkt ging es erneut abwärts. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> gab um 0,15 Prozent auf 143,77 Punkte nach. Die Umlaufrendite stieg entsprechend von minus 0,34 Prozent am Vortag auf minus 0,32 Prozent. Der Bund-Future <DE0009652644> stieg am Nachmittag um 0,64 Prozent auf 169,85 Punkte.

Der Eurokurs <EU0009652759> neigte weiter zur Schwäche, er wurde zuletzt mit 1,0704 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,0801 Dollar festgesetzt./bek/jha/

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---