Aktien Frankfurt: Dax setzt Rekordserie fort - EZB will Flexibilität ausreizen

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax <DE0008469008> hat am Donnerstag den vierten Handelstag in Folge ein Rekordhoch erreicht. Die schon früh aufgestellte Bestmarke steigerte er am Nachmittag nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) bis auf 14 595 Punkte. Zuletzt stand der Leitindex dann noch 0,17 Prozent höher bei 14 565,24 Zählern.

Wie die EZB mitteilte, bleiben sowohl das milliardenschwere Ankaufprogramm für Anleihen als auch der Leitzins unverändert. Laut dem Helaba-Experten Ulrich Wortberg zeigten sich die Währungshüter aber willig, die Flexibilität des Corona-Notprogramms künftig stärker ausnutzen zu wollen. Die EZB will die Ankäufe von Anleihen im zweiten Quartal deutlich beschleunigen. Händler sehen darin das Ziel, die zuletzt gestiegenen Renditen wieder zu drücken.

Experte Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel malt derzeit ein freundliches Bild für den Dax, der im Laufe dieser Woche bislang schon 4,5 Prozent zugelegt hat. "Der deutsche Leitindex eilt aktuell von Hoch zu Hoch", sagte der Charttechniker. Der kurzfristige Aufwärtsmodus sei damit wieder manifestiert worden. Er sieht die neuerlichen Bestmarken nur als "Durchgangsstation" zur 15 000-Punkte-Marke.

Der MDax <DE0008467416> mit den mittelgroßen deutschen Werten schlug sich am Donnerstag noch besser als der Dax. Er stieg am Nachmittag um 1,01 Prozent auf 31 889,65 Zähler. Das Eurozonen-Kursbarometer EuroStoxx <EU0009658145> gewann 0,4 Prozent und in New York bahnte sich für den Dow Jones Industrial <US2605661048> ein Plus von 0,3 Prozent an. Der technologielastige Nasdaq-100-Index wurde dort sogar fast zwei Prozent höher taxiert.

Positiv wirkte am Donnerstag an den Europa-Börsen auch die Tatsache, dass das lange erwartete gewaltige Konjunkturpaket von US-Präsident Joe Biden zur Bewältigung der Corona-Krise mittlerweile beschlossene Sache ist. Mit einer erneuten Abstimmung im Repräsentantenhaus wurde der parlamentarische Prozess am Vorabend abgeschlossen. Laut einer Sprecherin des Weißen Hauses will Biden das Paket am Freitag in Kraft setzen.

Bei den Einzelwerten waren die Kursbewegungen wie zuletzt von wechselnden Branchenpräferenzen geprägt. Im derzeit besonders schwankungsreichen Technologiesektor erholten sich die Aktien von Infineon <DE0006231004> im Dax um drei Prozent von ihrem verlustreichen Vortag. Auch die Aktien von Corona-Gewinnern waren dieses Mal wieder gefragt: Delivery Hero legten 3,1 Prozent zu und Hellofresh <DE000A161408> sogar 4,9 Prozent.

Die zuletzt als Zykliker favorisierten Banken- und Autowerte waren dagegen nun unter den Verlierern. Papiere der Deutschen Bank oder von Volkswagen <DE0007664039> büßten zuletzt etwa 1,7 Prozent ein. Die Aktien von BMW <DE0005190003> weiteten ihr Minus sogar auf 3,4 Prozent aus. In den vom Autobauer vorgelegten Eckdaten sahen Experten aber nicht viele Neuigkeiten.

Getoppt wurden die Abschläge im Dax vor allem von Bayer <DE000BAY0017> mit einem Kursrutsch um 3,4 Prozent. Hier dreht der Kurs scharf, nachdem am Vortag neue Mittelfristziele sehr gut angekommen waren. Am Donnerstag gab es nun aber vereinzelt kritische Stimmen vor allem zur Perspektive im Pharmageschäft.

In der zweiten Börsenreihe konnten sich die Aktien von K+S <DE000KSAG888> nach einem Kurseinbruch am Vortag im MDax um 2,3 Prozent erholen. Schwache Eckdaten und enttäuschende Ziele für 2021 waren schon bekannt, nun wurde den Aktionären fürs vergangene Jahr auch die Dividende gestrichen.

Schwach zeigten sich nach finalen Jahreszahlen die Aktien von Lanxess <DE0005470405>, die von einem Hoch seit zweieinhalb Jahren ausgehend um 4,1 Prozent absackten. Börsianer stellten fest, dass der Mittelwert der für 2021 angepeilten Zielspanne für den operativen Gewinn (Ebit) leicht unter den Markterwartungen liege.

Darüber hinaus berichtete Hugo Boss <DE000A1PHFF7> vom vergangenen Jahr. Hier sackten die Aktien nach zuletzt gutem Lauf um 4,7 Prozent ab. Börsianer bewerteten das Ergebnis im vierten Quartal als schwach und den Ausblick als zurückhaltend.

Etwas besser war die Stimmung unter den Anlegern bei Hannover Rück <DE0008402215>. Hier legten die Aktien nach endgültigen Zahlen um 0,3 Prozent zu. Eine gestrichene Sonderdividende enttäuschte die Anleger damit nicht. Lob gab es hier am Markt für die Kapitalstärke des Rückversicherers.

Der Euro <EU0009652759> hat am Donnerstag zugelegt, zuletzt wurden 1,1965 US-Dollar gezahlt. Die EZB hatte den Referenzkurs am Vortag deutlich tiefer auf 1,1892 Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,35 Prozent auf minus 0,37 Prozent. Der Rentenindex Rex <DE0008469107> stieg um 0,08 Prozent auf 144,82 Punkte. Der Bund-Future <DE0009652644> gewann 0,13 Prozent auf 171,68 Punkte./tih/jha/

--- Von Timo Hausdorf, dpa-AFX ---