Aktien Frankfurt: Dax schwach - Inflation und Zinsaussichten belasten

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt ist es am Freitag weiter deutlich abwärts gegangen. Der Dax <DE0008469008> sank wieder unter die Marke von 14 000 Punkten. Inflationssorgen und die tags zuvor angekündigte Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) drückten auf die Stimmung. Auch die US-Börsen hatten am Donnerstag kräftig nachgegeben.

Bis zur Mittagszeit fiel der deutsche Leitindex Dax um 1,42 Prozent auf 13 996,70 Punkte und gab damit den vierten Tag in Folge nach. Der Verlust im Wochenverlauf beträgt nun etwas mehr als drei Prozent. Zudem sackte der Dax auch unter die 50-Tage-Linie, die bei rund 14 130 Punkten verläuft. Die charttechnisch viel beachtete Linie gilt als Indikator für den mittelfristigen Trend.

Der MDax <DE0008467416> büßte zuletzt 1,29 Prozent auf 29 268,70 Punkte ein. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx <EU0009658145> gab um 1,53 Prozent nach.

Rekordhohe Teuerungsraten fernab der Komfortzone der Notenbanken hatten tags zuvor auch die EZB zur Ankündigung einer Zinswende bewogen. Im Juli soll erstmals seit elf Jahren der Leitzins angehoben werden, und zwar um 0,25 Prozentpunkte. Im September könnte ein noch größerer Schritt folgen. Die Prognose für die Inflation 2022 erhöhte die EZB zudem auf 6,8 Prozent und senkte gleichzeitig die Annahme für das Wirtschaftswachstum im Euroraum.

Am Freitag richtet sich der Blick wieder voll Sorge auf die USA, wo Daten zur Preisentwicklung im Mai anstehen. Der Markt rechnet erneut mit massivem Preisauftrieb. Das löste denn wohl auch im späteren Handel an der Wall Street den Großteil der Kursverluste aus, schließlich steht in der neuen Woche die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) an. Die US-Notenbank dürfte den Leitzins dann laut Ökonomen um weitere 0,5 Prozentpunkte erhöhen.

Unter den Einzelwerten im Dax eröffneten die Aktien von Bayer <DE000BAY0017> als einziger Wert im Plus, gaben dann aber nach. Zuletzt ging es um 1,1 Prozent abwärts. Der Pharma- und Agrarchemiekonzern gewann einen weiteren Prozess in den USA zu seinem Unkrautvernichtungsmittel Roundup. Positiv sei, dass sich Bayer damit nun in drei aufeinander folgenden Fällen durchgesetzt habe, so Barclays-Analystin Emily Field. Wichtiger sei aber die anstehende Entscheidung des obersten US-Gerichts, ob dieses einen Fall im Glyphosat-Rechtsstreit zur Verhandlung annimmt oder nicht. Mit einer Entscheidung hierzu rechnet Analyst Dominic Lunn von der Credit Suisse am Montag.

Delivery Hero <DE000A2E4K43> indes setzten sich mit plus 2,0 Prozent an die Index-Spitze und auch Hellofresh <DE000A161408> zogen um 1,5 Prozent nach oben. Abgesehen von Erholungsgewinnen der einstigen Corona-Krisengewinner trieben Übernahmespekulationen in der Branche für Essenslieferdienste die Aktien hoch. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Quellen berichtete, sind Finanzinvestoren wie Apollo Global Management an der Just-Eat-Tochter Grubhub interessiert. Bereits am Montag hatte es Übernahmegerüchte zu dem US-Unternehmen Grubhub gegeben, die auch die deutschen Aktien beflügelt hatten.

Immobilienwerte gehörten angesichts der nun auch in Europa anstehenden Zinswende zu den größten Verlierern am deutschen und den anderen europäischen Aktienmärkten. Der Stoxx 600 Real Estate <CH0043274395> sackte auf den tiefsten Stand seit Anfang November 2020. Hierzulande büßten Vonovia <DE000A1ML7J1> als Dax-Schlusslicht 3,3 Prozent ein. Grand City Properties <LU0775917882> verloren im MDax 3,0 Prozent und TAG Immobilien <DE0008303504> sogar 6,1 Prozent.

Ansonsten bewegte, dass die Citigroup die Papiere von Knorr-Bremse <DE000KBX1006> auf "Buy" hochgestuft hat. Die Aktie des Herstellers von Bremssystemen für Züge und Lkw sei ein "gefallener Engel", der wieder zum werthaltigen Investment werden dürfte, schrieb Analyst Vivek Midha. Die Aktien zogen an der MDax-Spitze um 1,3 Prozent nach oben.

GFT Technologies <DE0005800601> sackten zugleich um rund sechs Prozent ab. Die Privatbank Berenberg hatte zuvor ihr Anlageurteil für den IT-Dienstleister aus Bewertungsgründen auf "Hold" gesenkt und sieht kaum weiteren Spielraum für Kurssteigerungen./ck/jha/

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---

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