Aktien Frankfurt: Dax rutscht deutlich ins Minus - Starker Euro belastet

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der weiter anziehende Euro hat der Dax-Erholung am Donnerstag den Garaus gemacht und ihn deutlich ins Minus gedrückt. Am Nachmittag büßte der deutsche Leitindex 1,27 Prozent auf 13 021,52 Punkte ein. Die Marke von 13 200 Punkten, wo er im Januar mehrfach wieder Halt gefunden hatte, hielt diesmal nicht. Sogar die psychologisch wichtige 13 000-Punkte-Marke wankt wieder. Auch die anderen hiesigen Börsenindizes gaben ihre Gewinne ab. Eine Reihe deutscher Unternehmenszahlen waren dem Markt keine Hilfe, da sie überwiegend negativ aufgenommen wurden.

Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es am Donnerstag um 0,81 Prozent auf 26 606,16 Punkte bergab. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 0,25 Prozent auf 2642,47 Zähler. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ein Kursrückgang von 0,72 Prozent auf 3583,46 Punkte zu Buche.

Neben dem steigenden Eurokurs, der Produkte deutscher Unternehmen für Käufer außerhalb des Währungsraums verteuert, trieb der erwartete, schwache Handelsauftakt an der Wall Street den Anlegern die Sorgenfalten auf die Stirn. Marktbeobachter hatten zuletzt immer wieder gewarnt, dass dem Dax ohne den Rückenwind der US-Börsen die Kraft für weitere Kursgewinne fehlt. Und selbst im Kielwasser immer neuer Wall-Street-Rekorde war der wichtigste deutsche Aktienindex der dortigen Entwicklung meistens hinterher gehinkt.

Der Autobauer Daimler konnte die Anleger mit seinen Jahreszahlen und dem Ausblick nicht begeistern. Auch der überraschend hohe Dividendenvorschlag der Stuttgarter stimmte die Investoren nicht milde: Die Aktien knüpften an ihre jüngste Talfahrt an und büßte als einer der größten Verlierer im Dax 3,11 Prozent ein.

Die Anteilsscheine von Dax-Schlusslicht Siemens waren indes vor allem optisch schwach: Bereinigt um die auf der Hauptversammlung ausgeschüttete Dividende von 3,70 Euro je Aktie fiel das Kursminus beim Technologiekonzern deutlich weniger dramatisch aus.

Am MDax-Ende sackten die Aktien des Automobil- und Industriezulieferers Schaeffler um knapp 10 Prozent ab. Ein Händler monierte vor allem die "überraschend schlechte Marge" für den operativen Gewinn, denn trotz im Jahresvergleich höherer Umsätze hatte Schaeffler weniger verdient.

Ansonsten machten vor allem TecDax-Mitglieder Schlagzeilen. Siltronic-Titel büßten rund 8 Prozent ein, obwohl der Boom der Chipbranche dem Hersteller von Halbleiter-Wafern einen starken Jahresabschluss beschert hatte. Wie bereits tags zuvor bei Infineon sorgen sich die Anleger auch hier um den Einfluss des starken Euro auf die Bilanz. Dass das operative Geschäft ebenso wie bei Infineon eigentlich sehr gut läuft, half dem Aktienkurs nicht.

Für SLM Solutions ging es nach vorläufigen Umsatzzahlen um knapp 11 Prozent bergab. Der 3D-Drucker-Hersteller hatte im vergangenen Jahr wegen der Turbulenzen infolge der gescheiterten Übernahme durch General Electric noch schlechter abgeschnitten als zuletzt befürchtet. 2018 soll es zwar besser laufen als zuletzt angenommen. Doch der angestrebte Umsatzanstieg liegt ebenfalls unter den Markterwartungen.

Dagegen schnitt das Gendiagnostik- und Biotechunternehmen Qiagen im Schlussquartal 2017 etwas besser ab als erwartet. Die Anteilsscheine legten um fast 4 Prozent zu. Für das laufende Jahr erwartet Qiagen zudem eine weitere Steigerung des bereinigten Gewinns je Aktie.

Bei Medigene konnten sich die Anleger über ein Kursplus von über zweieinhalb Prozent freuen. Der Spezialist für Immuntherapien gegen Krebserkrankungen erhielt in den USA ein Patent für einen markierten T-Zellen-Rezeptor.

Der Euro zog im Tagesverlauf an und kostete zuletzt 1,2450 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,2457 (Dienstag: 1,2421) US-Dollar festgesetzt. Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,46 Prozent am Vortag auf 0,50 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,22 Prozent auf 138,89 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,09 Prozent auf 158,54 Punkte./gl/mis

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---