Aktien Frankfurt: Dax rutscht deutlich unter 13 000 Punkte - Jahresgewinn dahin

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die weiterhin erhöhten Anleiherenditen und der starke Euro haben dem Dax am Freitag erneut zugesetzt. Auch aus Übersee kam keine Unterstützung: An der Wall Street zeichnete sich eine schwache Handelseröffnung ab. Der monatliche Arbeitsmarktbericht der US-Regierung ließ die Aktienkurse dies- wie jenseits des Atlantik indes kalt.

Am Nachmittag verlor der deutsche Leitindex 1,24 Prozent auf 12 842,23 Punkte - zwischenzeitlich war es sogar noch deutlicher bergab gegangen. Damit knüpfte er an den Kursrutsch vom Vortag an und steuert nicht nur auf einen satten Wochenverlust von knapp 4 Prozent zu, sondern büßte auch die Gewinne des jungen Börsenjahres komplett ein. Dax-Schlusslicht waren nach enttäuschenden Geschäftszahlen die Aktien der Deutschen Bank .

Den Charttechnikern des Börsenstatistik-Magazins Index-Radar zufolge droht nun ein weiter Dax-Rutsch in Richtung 12 600 Punkte. Auch Analyst Gregor Kuhn von der Bernstein Bank sieht den Index erst dort wieder unterstützt, falls er sich nicht über der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie bei 12 740 Punkten behaupten kann. Das erst anderthalb Wochen alte Rekordhoch von 13 596 Punkten scheint damit erst einmal weit entfernt.

Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Freitagnachmittag um 1,60 Prozent auf 26 157,23 Punkte bergab und der Technologiewerte-Index TecDax verlor 1,01 Prozent auf 2612,95 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 1,02 Prozent auf 3540,93 Punkte.

Die Kurse deutscher Staatsanleihen gingen vor dem Wochenende etwas zurück. Im Umkehrschluss legten die Renditen für die festverzinslichen Wertpapiere leicht zu, was tendenziell die Attraktivität der Anlageklasse Aktie schmälert: Die Umlaufrendite stieg von 0,50 Prozent am Vortag auf 0,51 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,03 Prozent auf 138,84 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,10 Prozent auf 158,00 Punkte.

Druck bekam der Dax auch von der Währungsseite: Der Euro konnte im Tagesverlauf die Marke von 1,25 US-Dollar zwar nicht verteidigen und geriet nach dem US-Arbeitsmarktbericht etwas unter Druck. Er blieb mit 1,2455 Dollar aber auf einem vergleichsweise hohen Niveau, was die Exportchancen deutscher Unternehmen in Ländern außerhalb des Währungsraums beeinträchtigt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,2459 (Mittwoch: 1,2457) US-Dollar festgesetzt.

Das hiesige Nachrichtengeschehen dominierten die schwachen Zahlen der Deutschen Bank. Die Aktien sackten am Dax-Ende um 4,66 Prozent auf 14,086 Euro ab - zeitweise waren sie mit 13,726 Euro so billig wie seit Ende September nicht mehr. Auch mit Blick auf die Kursentwicklung seit Jahresbeginn belegten sie damit den letzten Platz im Leitindex.

Das größte hiesige Geldhaus fuhr 2017 den dritten Jahresverlust in Folge ein. Zudem schrumpften die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - weiter zusammen. Analystin Magdalena Stoklosa von der Investmentbank Morgan Stanley sprach von einem schwachen Schlussquartal und Jernej Omahen von Goldman Sachs von einer "Schwäche auf breiter Front". Im Investmentbanking laufe man der US-Konkurrenz hinterher, so der Experte.

Ansonsten sorgten Analystenkommentare für Kursausschläge. Die Papiere der Deutschen Post führten mit einem Plus von 0,75 Prozent auf 37,50 Euro die kurze Gewinnerliste im Dax an. Analyst Michael Kuhn von der französischen Großbank Societe Generale nahm die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung auf und räumt ihnen mit einem Kursziel von 48 Euro ein sattes Aufwärtspotenzial ein. Kuhn lobte den defensiven Charakter des "besten Post-Unternehmens Europas". Dank einer hohen Liquidität und der soliden Bilanz bei einer geringen Verschuldung hält er umfangreichere Aktienrückkäufe für möglich.

Bei Airbus dagegen sorgte das gestrichene Kaufvotum der Credit Suisse für Kursverluste von 2,94 Prozent. Damit belegten die Anteilsscheine des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns einen der hinteren Plätze im MDax. Die Experten der schweizerischen Bank befürchten negative Auswirkungen des starken Euro auf die operativen Jahresergebnisse (Ebit) und reduzierten daher ihre Schätzungen./gl/mis

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---