Aktien Frankfurt: Dax orientiert sich an 13 000 Punkten zum 'Hexensabbat'

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der sogenannten Hexensabbat hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt in seinen Bann geschlagen. An diesem Freitag um 13 Uhr laufen an der Termin- und Optionsbörse Eurex Futures und Optionen auf Aktienindizes und Einzelwerte aus. Dieser vierteljährlich wiederkehrende "große Verfalltag" kann für größere Kurssprünge sorgen. Denn Investoren versuchen oft kurz davor, die Kurse in die für sie günstige Richtung zu bewegen.

Der Dax verlor am späten Vormittag 0,31 Prozent auf 13 027,52 Punkte. Damit deutet sich ein Wochenverlust von rund 1 Prozent an. Der MDax sank am Freitag um 0,21 Prozent auf 26 016,14 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,55 Prozent auf 2521,85 Punkte nach unten. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel um 0,2 Prozent.

"Mit der Marke von 13 000 Punkten zum Verfall der Optionen am Terminmarkt dürfte sich die Mehrheit der Investoren schon angefreundet haben", glaubt Börsenkenner Jochen Stanzl von CMC Markets. Dieses Niveau sei die Mitte der Spanne von 12 800 bis 13 200 Punkten, in der sich der Dax in den vergangenen Wochen bewegt hatte. Was nach dem Verfalltermin passiert, sei aber unklar. Für eine Jahresendrally und einen Ausbruch über die 13 200 Zähler fehlten die Impulse. Vielmehr bestehe das Risiko, dass es zu Gewinnmitnahmen kommt, die den Leitindex unter die Unterstützungsmarke bei 12 954 Punkten drücken könnten, fürchtet Stanzl.

Die Adidas-Aktien erholten sich ein Stück weit von ihrem jüngsten Kursrutsch und stiegen um 1,3 Prozent. Damit waren sie hinter Eon mit plus 1,7 Prozent der zweitbeste Dax-Wert. In der ablaufenden Woche waren sie in der Spitze um mehr als 8 Prozent gefallen. Experten hatten die jüngsten Abgaben zum Jahresende hin mit Umschichtungen der Anleger begründet, nachdem die Adidas-Papiere in den vergangenen Jahren einen starken Lauf hatten. Branchenintern setzten die Investoren neuerdings eher auf die Titel des US-Konkurrenten Nike , hieß es.

Die Papiere der Deutschen Telekom reagierten mit minus 0,7 Prozent auf die Nachricht, wonach die Bonner und die schwedische Tele2 nun gemeinsam im niederländischen Mobilfunkmarkt gegen ihre Konkurrenten antreten. T-Mobile NL und Tele Netherlands bündeln ihre Geschäfte in einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem die Telekom 75 Prozent hält.

Das offenbar rege Interesse am Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten der Merck KGaA ließ deren Aktionäre kalt: Die Merck-Papiere ermäßigten sich um 0,5 Prozent. Zu den Bietern in der ersten Runde gehörten der Nahrungsmittelkonzern Nestle , der Konsumgüter-Hersteller Reckitt Benckiser und der Arzneimittel-Produzent Mylan , schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Sparte könnte demnach umgerechnet bis zu 4,2 Milliarden Euro einbringen. Das wäre etwas mehr als zuletzt erwartet.

Die Kursverluste der Oracle-Aktien am Vorabend nach schwachen Quartalszahlen lösten bei den Papieren des deutschen Konkurrenten SAP Gewinnmitnahmen aus. Zuletzt gaben SAP um 0,9 Prozent nach. "Die Zahlen von Oracle und vor allem der Ausblick auf das laufende dritte Geschäftsquartal könnten die Erwartungen an das Cloud-Geschäft ein wenig dämpfen", sagte ein Händler. Positiv für den SAP-Kurs sei allerdings das von Morgan Stanley von 102 auf 111 Euro erhöhte Kursziel, das der Aktie fast 15 Prozent Aufwärtspotenzial einräumt.

Die Airbus-Aktien reagierten kaum auf die Meldung, dass Konzernchef Tom Enders seinen Job bei dem von Korruptionsermittlungen erschütterten Luftfahrtriesen im Frühjahr 2019 abgibt. Die französische Nummer zwei des Konzerns, Fabrice Brégier, wird im Februar 2018 zurücktreten. Seinen Job als Chef des wichtigen Verkehrsflugzeug-Geschäfts übernimmt Guillaume Faury, derzeit zuständig für die Helikopter-Sparte.

Steinhoff-Titel setzten ihren Kurseinbruch der vergangenen beiden Handelstage fort und sackten um weitere 6 Prozent ab. Der von einem Bilanzskandal erschütterte Möbelhersteller macht einen personellen Schnitt, wobei Hauptaktionär, Aufsichtsratvorsitzender und Übergangschef Christo Wiese deutlich an Einfluss verliert: Er scheidet aus dem obersten Führungszirkel aus. Zudem hat sich seine Beteiligung von rund einem Viertel am Unternehmen etwas reduziert. Am Mittwoch hatte Steinhoff mitgeteilt, dass auch der Jahresabschluss 2016 neu erstellt werden muss, worauf die Aktien um mehr als 13 Prozent abgeschmiert waren./edh/jha/

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---