Aktien Frankfurt: Dax weiter fest - Gerichtsurteil zu EZB verunsichert etwas

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über milliardenschwere Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Dienstag für Nervosität am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Die frühen Gewinne bröckelten bis zur Mittagszeit etwas ab. Der Dax <DE0008469008> legte nach seinem zweitägigen deutlichen Kursrutsch zuletzt um 1,39 Prozent auf 10 612,49 Punkte zu. Für den MDax <DE0008467416> ging es um 2,13 Prozent auf 22 909,89 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 <EU0009658145> stieg um 1,1 Prozent.

Das Bundesverfassungsgericht hatte zuvor mehreren Klagen gegen die umfangreichen Staatsanleihekäufe der EZB seit 2015 überwiegend stattgegeben. Die Beschlüsse der Notenbank seien kompetenzwidrig ergangen, entschieden die Karlsruher Richter. Bundesregierung und Bundestag hätten durch ihr tatenloses Zusehen Grundrechte verletzt, hieß es. "Das Bundesverfassungsgericht weist die EZB in die Schranken", erklärte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.

Laut LBBW-Volkswirt Uwe Burkert beinhaltet das Urteil damit "Sprengstoff". Zwar sei das Ankaufprogramm der EZB keine Staatsfinanzierung, was aus EZB-Sicht ein Teilerfolg ist, schrieb er. Gleichwohl aber überschreite die EZB nach Ansicht des höchsten deutschen Gerichts ihre Kompetenzen, ergänzte er. "Im Moment ist es nur schwer vorstellbar, dass der Bundesbank, womöglich sogar der EZB, aus Karlsruhe tatsächlich gravierend ins Steuerrad gegriffen wird." Damit nämlich dürften erst recht ernsthafte negative Konsequenzen verbunden sein, mahnt Burkert.

Abseits politischer Themen und gesamtwirtschaftlicher Unwägbarkeiten ging es am Dienstag für die Investoren mit zahlreichen Quartalsbilanzen weiter. Aus dem Dax hatte der Chipkonzern Infineon <DE0006231004> bereits am Montagabend nach Börsenschluss seinen Bericht vorgelegt. Laut JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande war das zweite Geschäftsquartal etwas besser verlaufen als erwartet. Die Signale für das dritte seien aber deutlich schlechter und das Vertrauen in die angepeilten Jahresziele recht gering. Für die Aktie ging es um 3,1 Prozent hoch, nachdem sie am Vortag fast 7 Prozent eingebüßt hatte.

Die Aktien von Vonovia <DE000A1ML7J1> zogen um 6,4 Prozent an. Der Immobilienkonzern meldete vor dem Hintergrund milliardenschwerer Zukäufe im Ausland und höherer Mieteinnahmen im Auftaktquartal einen Gewinnanstieg. Der Ausblick wurde bestätigt. Beiersdorf <DE0005200000> indes gaben nach detaillierten Quartalszahlen als Dax-Schlusslicht um 2,6 Prozent nach. Der Konsumgüterhersteller sieht sich auch im zweiten Quartal vor Herausforderungen. Zudem nannte UBS-Analyst Charles Eden den starken Umsatzrückgang der Luxusmarke La Prairie "enttäuschend".

Die Lufthansa-Aktien <DE0008232125> legten um unterdurchschnittliche 0,7 Prozent zu. Die von der Pandemie stark getroffene Fluggesellschaft veranstaltet ihre Hauptversammlung im Internet. Fragen zum Thema Staatshilfen wurden dabei ausgeklammert. Es hieß nur, dass der Konzern einen erfolgreichen Gesprächsabschluss mit der Bundesregierung in Kürze erwarte und kein Interesse an einer Insolvenz habe.

Quartalsbilanzen legten ansonsten noch zahlreiche Unternehmen aus der zweiten Reihe vor, so etwa Grenke <DE000A161N30>, Hellofresh <DE000A161408>, Siemens Healthineers <DE000SHL1006>, Hugo Boss <DE000A1PHFF7> oder auch Pfeiffer Vacuum <DE0006916604>.

Grenke als einer der Favoriten im MDax sprangen um 6,2 Prozent nach oben. Der Leasingspezialist machte nach vorgelegten Quartalszahlen und einem nur leicht gesenkten Dividendenvorschlag die Vortagesverluste mehr als wett.

Der Kochboxenlieferant Hellofresh als einer der wenigen Gewinner in der Corona-Krise erhöhte die Prognose für das laufenden Jahr deutlich. Die Aktie sprang daraufhin bei 36,60 Euro auf ein Rekordhoch. Zuletzt ging es um knapp 6 Prozent auf 34,90 Euro hoch. Die Hugo-Boss-Papiere indes sackten nach einem enttäuschenden ersten Quartal mit minus 4 Prozent an das Ende des Index für mittelgroße Werte./ck/jha/

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---